{"id":22160,"date":"2025-10-17T17:54:12","date_gmt":"2025-10-17T15:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=22160"},"modified":"2025-10-17T17:54:12","modified_gmt":"2025-10-17T15:54:12","slug":"krankenkassen-waelzen-kosten-fuer-rettungsdienst-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2025\/10\/17\/krankenkassen-waelzen-kosten-fuer-rettungsdienst-ab\/","title":{"rendered":"Krankenkassen w\u00e4lzen Kosten f\u00fcr Rettungsdienst ab"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Belastungen f\u00fcr Patienten und Kommunen<\/strong><\/h4>\n<p>(PSL). Wer kommt daf\u00fcr auf, wenn ein Rettungswagen anr\u00fcckt, einen Patienten aber letztendlich nicht ins Krankenhaus bringen muss? Die Krankenkassen weigern sich, die Kosten f\u00fcr diese sogenannten \u201eFehlfahrten\u201c von Rettungsfahrzeugen weiterhin automatisch und vollumf\u00e4nglich zu \u00fcbernehmen. Mit der Folge, dass Kommunen solche Rettungseins\u00e4tze bezahlen oder aber das Geld daf\u00fcr bei den Patienten eintreiben m\u00fcssten. Aber auch bei \u201eregul\u00e4ren\u201c Rettungsfahrten droht k\u00fcnftig ein Geb\u00fchrenbescheid. Vor diesem Szenario warnt nicht nur der St\u00e4dtetag NRW, sondern auch die Stadtverwaltung L\u00fcdenscheid \u2013 aus gleich mehreren Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>Schreiben Anfang Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Anfang Oktober ging bei der Stadt ein Schreiben der Krankenkassen ein. Das enth\u00e4lt zum einen die Ank\u00fcndigung, dass \u201eFehlfahrten\u201c von Rettungsdiensten ab sofort und r\u00fcckwirkend ab dem 1. Januar 2025 nicht mehr \u2013 wie seit Jahrzehnten \u00fcblich \u2013 automatisch von den Krankenkassen bezahlt werden. Zum anderen sind in dem Schreiben deutlich reduzierte Festbetr\u00e4ge f\u00fcr alle Eins\u00e4tze von Krankentransporten, Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge aufgelistet. Begr\u00fcndung: Die Krankenkassen wollen Kreisen und Kommunen f\u00fcr solche Fahrten weniger Geld zahlen, weil sie die bisherigen Pauschalen als \u00fcberh\u00f6ht ansehen.<\/p>\n<p><strong>Unwirtschaftlicher Rettungsdienst?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Festsetzung dieser Betr\u00e4ge l\u00e4sst leider jegliche Transparenz vermissen\u201c, sagt Fabian Kesseler, Erster Beigeordneter der Stadt L\u00fcdenscheid. \u201eDie Krankenkassen bem\u00e4ngeln, dass wir einen unwirtschaftlichen Rettungsdienst h\u00e4tten, f\u00fchren das aber nicht aus. Auch eine Kostenkalkulation fehlt\u201c, so Kesseler weiter. Die Folge f\u00fcr die Stadt: Bei der Abrechnung von Rettungsfahrten nach dem neuen Modell fehlt k\u00fcnftig jedes Mal Geld.<\/p>\n<p><strong>Fehlfahrten nicht definiert<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr L\u00fcdenscheids Feuerwehr-Chef Christopher Rehnert ist der Vorsto\u00df der Krankenkassen nicht nachvollziehbar, denn: \u201eEs gibt keine genaue Definition von Fehlfahrten\u201c, sagt Rehnert. Dass ein Rettungswagen einen Patienten nicht immer ins Krankenhaus bef\u00f6rdert, bedeute nicht, dass der Einsatz unn\u00f6tig gewesen sei. Im Gegenteil: \u201eWenn der Einsatz vor Ort erfolgreich war und ein Patiententransport deswegen nicht mehr n\u00f6tig ist, werden die Krankenh\u00e4user und damit das gesamte Gesundheitssystem doch entlastet.\u201c Und das Wichtigste: \u201eMenschen, die auf \u00e4rztliche Hilfe angewiesen sind, muss im Notfall schnell und unkompliziert geholfen werden\u201c, so Rehnert.<\/p>\n<p><strong>Verlust von drei Millionen Euro droht<\/strong><\/p>\n<p>Genau diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit sieht die Stadtverwaltung jetzt durch die neuen Pl\u00e4ne der Krankenkassen bedroht. Die reduzierten Festbetr\u00e4ge f\u00fcr Rettungsfahrten f\u00fchren dazu, dass den Kommunen Kosten entstehen, die sie aufgrund der ohnehin schwierigen Haushaltssituation unm\u00f6glich stemmen k\u00f6nnen. Ebenso wenig k\u00f6nnen St\u00e4dte und Gemeinden f\u00fcr \u201eFehlfahrten\u201c aufkommen. Der Stadt L\u00fcdenscheid etwa droht allein f\u00fcr das Jahr 2025 ein Verlustrisiko von rund drei Millionen Euro.<\/p>\n<p><strong>Patienten in Vorkasse<\/strong><\/p>\n<p>Die Folge: Die Kommunen w\u00e4ren dazu gezwungen, f\u00fcr jede \u201eFehlfahrt\u201c \u2013 bei ausstehender Definition \u2013 Geb\u00fchrenbescheide an die betroffenen Patienten zu verschicken. Die Patienten wiederum m\u00fcssten in Vorkasse gehen und sich das Geld selbst bei den Krankenkassen zur\u00fcckholen. Weil ihnen allerdings nur der reduzierte Festbetrag erstattet w\u00fcrde, m\u00fcssten sie die verbleibende Differenz aus eigener Tasche zahlen. Die Spannweite reicht hier je nach Einsatzart von rund 180 bis hin zu 425 Euro. Das entspricht jeweils rund einem Drittel der Transportkosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Eins\u00e4tze, bei denen der Patient tats\u00e4chlich ins Krankenhaus transportiert wird, w\u00fcrden einen Geb\u00fchrenbescheid nach sich ziehen. Die Differenz zwischen den reduzierten Festbetr\u00e4gen f\u00fcr Kreise und Kommune, die die Krankenkassen ansetzen, und der tats\u00e4chlichen Geb\u00fchr m\u00fcssten Patienten n\u00e4mlich ebenfalls aus eigener Tasche zahlen. Auch das entspr\u00e4che jeweils rund 33 Prozent der Kosten.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrokratischer Aufwand<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re ein immenser b\u00fcrokratischer Aufwand f\u00fcr alle Beteiligten und au\u00dferdem \u00e4u\u00dferst kompliziert\u201c, sagt Fabian Kesseler. Vor allem sieht der Erste Beigeordnete aber die Gefahr, dass Menschen im Notfall aus Sorge vor m\u00f6glicherweise auf sie zukommenden Kosten nicht oder zu sp\u00e4t den Rettungsdienst anfordern \u2013 mit schlimmstenfalls dramatischen Folgen f\u00fcr auf Hilfe angewiesene Patienten. \u201eDa muss jetzt dringend etwas passieren\u201c, fordert Kesseler. \u201eDas ist ein Thema, das die Kommunen und vor allem die Patienten enorm belastet, w\u00e4hrend Bund und L\u00e4nder von der Ersatzbank aus zuschauen und die Krankenkassen ihre Patienten allein und im Ungewissen lassen.\u201c<\/p>\n<p><strong>St\u00e4dtetag NRW appelliert an Landesregierung<\/strong><\/p>\n<p>Der St\u00e4dtetag NRW hat die Landesregierung bereits dazu aufgefordert, die Krankenkassen an den Verhandlungstisch zur\u00fcckzuholen und eine gemeinsame L\u00f6sung zu finden. Notfalls m\u00fcssten die Kosten f\u00fcr sogenannte \u201eFehlfahrten\u201c aus Landesmitteln finanziert werden, weil das Land f\u00fcr das Rettungswesen zust\u00e4ndig sei, argumentiert der St\u00e4dtetag. Fabian Kesseler bringt eine weitere Option ins Spiel: \u201eDer Bund k\u00f6nnte in den Regelungen zur gesetzlichen Krankenversicherung gesetzgeberisch festhalten, dass das, was seit Jahrzehnten galt und nun von den Kassen in Abrede gestellt wird, weiterhin gilt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Noch keine Geb\u00fchrenbescheide\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Stadt L\u00fcdenscheid beobachtet die Entwicklung ganz genau. In n\u00e4chster Zeit wird die Verwaltung, sofern die Pl\u00e4ne der Kassen \u00fcberhaupt Realit\u00e4t werden, noch keine Geb\u00fchrenbescheide verschicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belastungen f\u00fcr Patienten und Kommunen (PSL). 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