{"id":22505,"date":"2025-11-03T15:52:42","date_gmt":"2025-11-03T13:52:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=22505"},"modified":"2025-11-03T15:52:42","modified_gmt":"2025-11-03T13:52:42","slug":"wirtschaft-in-suedwestfalen-tritt-auf-der-stelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2025\/11\/03\/wirtschaft-in-suedwestfalen-tritt-auf-der-stelle\/","title":{"rendered":"Wirtschaft in S\u00fcdwestfalen tritt auf der Stelle"},"content":{"rendered":"<h4>IHKs fordern wirtschaftspolitischen Aufbruch statt Ank\u00fcndigungen<\/h4>\n<p>(EB). Die s\u00fcdwestf\u00e4lische Wirtschaft kommt weiterhin nicht vom Fleck. Der regionale Konjunkturklimaindex stagniert bei 87 Punkten (Fr\u00fchjahr: 88). Das zeigt die gemeinsame Konjunkturumfrage der drei Industrie- und Handelskammern Siegen, Hagen und Arnsberg, an der sich 1.265 Unternehmen mit mehr als 100.000 Besch\u00e4ftigten beteiligt haben. Der Herbst-Einbruch wie in den vergangenen Jahren bleibt damit zwar aus. Der angek\u00fcndigte Herbst der wirtschaftspolitischen Reformen kommt noch nicht bei den Unternehmen an. Lage- und Erwartungswerte bleiben negativ. Die Lageeinsch\u00e4tzungen fallen mit einem Saldo von minus 17 Punkten deutlich schlechter aus als die Erwartungen (Saldo -8 Punkte). Insgesamt fehlt der s\u00fcdwestf\u00e4lischen Wirtschaft aktuell eine erkennbare Entwicklungsdynamik sowie neue Impulse, um die voranschreitende Rezession zu stoppen.<\/p>\n<p><strong>Kampf an zu vielen Fronten<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie regionale Wirtschaft k\u00e4mpft an zu vielen Fronten zugleich: Schwache Inlandsnachfrage, hohe Arbeits- und Energiekosten und die marode Infrastruktur sind daf\u00fcr nur einige Beispiele\u201c, erkl\u00e4rt Ralf Stoffels, Pr\u00e4sident der SIHK zu Hagen. In der Industrie beurteilen mehr als 40 Prozent der Unternehmen die Gesch\u00e4ftslage als schlecht, nur knapp ein F\u00fcnftel sieht Besserung in Sicht. \u201eIn der Industrie verharren die Exporterwartungen im negativen Bereich \u2013 die USA fallen als verl\u00e4sslicher Handelspartner aus, umso mehr braucht Europa einen starken Binnenmarkt und weitere Freihandelsabkommen\u201c, betont Stoffels. Die exportorientierte Industrie meldet weiterhin eine schwache Auslandsnachfrage: Nur 17 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Exporten, 29 Prozent mit R\u00fcckg\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>S\u00fcdwestfalens industrielles Herz schl\u00e4gt noch<\/strong><\/p>\n<p>Walter Viegener, Pr\u00e4sident der IHK Siegen, bringt es auf den Punkt: \u201eDas industrielle Herz S\u00fcdwestfalens schl\u00e4gt noch \u2013 doch der Druck steigt und steigt: Der von der Bundesregierung ausgerufene \u201aHerbst der Reformen\u2018 ist bei den Unternehmen bislang nicht angekommen. Bleiben konkrete Ma\u00dfnahmen aus, drohen nicht nur ein weiterer Vertrauensverlust, sondern auch verpasste Chancen. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln: Die Stromsteuer senken, Netzentgelte reduzieren, Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen. Nur so gelingt die Wende, damit wir Unternehmen Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze in der Region sichern k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Leichte Entspannung am Bau<\/strong><\/p>\n<p>Im Baugewerbe zeigt sich dagegen eine leichte Entspannung. In keiner anderen Branche wird die aktuelle Gesch\u00e4ftslage so positiv bewertet. Mehr als ein Drittel der Betriebe spricht inzwischen wieder von einer guten Gesch\u00e4ftslage. Die Investitionsbereitschaft und erwarteten Besch\u00e4ftigtenzahlen der Baubranche nehmen hingegen wieder ab. W\u00e4hrend die Dienstleistungsbranchen in weiten Teilen robust aufgestellt sind, bleibt im Gro\u00df- und Einzelhandel die Stimmung \u00e4u\u00dferst d\u00fcster. Jeweils etwa ein Drittel der regionalen Gro\u00df- und Einzelh\u00e4ndler bewertet ihre aktuelle Gesch\u00e4ftslage als schlecht und blicken zugleich pessimistisch in die Zukunft. Anhaltende Konsumzur\u00fcckhaltung, hohe Beschaffungskosten, aber auch der Personalmangel bremsen die Entwicklung aus verschiedenen Seiten.<\/p>\n<p><strong>Es ehlen Nachfrage und Personal<\/strong><\/p>\n<p>Andreas Knappstein, Pr\u00e4sident der IHK Arnsberg, warnt: \u201eAuf der einen Seite fehlt die Nachfrage \u2013 Handel und personenbezogene Dienstleistungen sp\u00fcren die Zur\u00fcckhaltung der Verbraucher weiterhin deutlich. Auf der anderen Seite fehlt Personal. Der Fachkr\u00e4ftemangel ist und bleibt eine wesentliche Wachstumsbremse \u2013 quer durch alle Branchen. Wir brauchen echte Perspektiven f\u00fcr den Arbeitsmarkt: Zielgerichtete Qualifizierung aus der Arbeitslosigkeit, bessere Erwerbsanreize, moderne Zuwanderung und digitale Verfahren, die Ankommen und Arbeiten beschleunigen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fachkr\u00e4ftemangel gr\u00f6\u00dftes Hemmnis<\/strong><\/p>\n<p>Die Umfrage best\u00e4tigt Knappsteins Befund eindr\u00fccklich: Der Fachkr\u00e4ftemangel wird in den Branchen, die vermehrt eine gute Gesch\u00e4ftslage melden (Baugewerbe, Dienstleistungen, Verkehrsgewerbe), als gr\u00f6\u00dftes Hemmnis f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung genannt. Damit einher geht die Bef\u00fcrchtung, dass der Fachkr\u00e4ftemangel mit einer konjunkturellen Belebung in anderen Branchen \u2013 etwa in der Industrie \u2013 wieder zunimmt und zu einem ernstzunehmenden Engpass f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung S\u00fcdwestfalens wird.\u00a0 Gesamtwirtschaftlich liegt weiterhin die Sorge \u00fcber die schwache Inlandsnachfrage mit 66 Prozent an der Spitze der Risikoliste. Dahinter folgen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und steigende Arbeitskosten (jeweils 61 Prozent). Auch Energiepreise und Rohstoffkosten belasten weiterhin jedes zweite Unternehmen. Die Risiken kumulieren in einem Umfeld, das von vorsichtigem Kostenmanagement und verhaltenen Zukunftsinvestitionen gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p><strong>Finanzielle Situation problematisch<\/strong><\/p>\n<p>Nur 17 Prozent der Betriebe planen h\u00f6here Investitionen, 38 Prozent rechnen hingegen mit K\u00fcrzungen. Bei der Besch\u00e4ftigung erwarten 32 Prozent eine sinkende Mitarbeiterzahl, w\u00e4hrend lediglich acht Prozent einen Personalaufbau planen. Gleichzeitig ist die Finanzierungslage kritisch: Seit einem Jahr bewertet fast die H\u00e4lfte der Unternehmen ihre finanzielle Situation als problematisch, jedes sechste Unternehmen berichtet von Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen, rund ein F\u00fcnftel von sinkendem Eigenkapital. Die Reserven bei vielen Unternehmen schwinden und damit die M\u00f6glichkeiten, diese langwierige wirtschaftliche Schw\u00e4chephase zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p><strong>IHKs erwarten deutliches Signal von der Politik<\/strong><\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sidenten sehen S\u00fcdwestfalen damit als Spiegelbild der gesamtdeutschen Lage: Viele Betriebe stehen noch solide da, doch der Mut f\u00fcr neue Projekte schwindet. Von der Bundesregierung erwarten die IHKs z\u00fcgig ein deutliches Signal f\u00fcr Aufbruch und Entlastung \u2013 durch geringere Steuer- und Abgabenlast, weniger B\u00fcrokratie, verl\u00e4ssliche Energiepreise und eine Fachkr\u00e4ftestrategie, die in der Praxis greift. \u201eJetzt entscheidet sich, ob Vertrauen zur\u00fcckkehrt\u201c, betonen Viegener, Stoffels und Knappstein gemeinsam. \u201eS\u00fcdwestfalen ist bereit, in Zukunft und Wachstum zu investieren \u2013 wenn der wirtschaftspolitische Reformstau endlich aufgel\u00f6st wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IHKs fordern wirtschaftspolitischen Aufbruch statt Ank\u00fcndigungen (EB). 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