{"id":24146,"date":"2026-01-30T10:58:05","date_gmt":"2026-01-30T08:58:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=24146"},"modified":"2026-01-30T10:58:22","modified_gmt":"2026-01-30T08:58:22","slug":"loesung-fuer-das-projekt-wisente-am-rothaarsteig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/01\/30\/loesung-fuer-das-projekt-wisente-am-rothaarsteig\/","title":{"rendered":"L\u00f6sung f\u00fcr das Projekt \u201eWisente am Rothaarsteig\u201c"},"content":{"rendered":"<h4><strong>WWF und Zoologische G\u00e4rten Berlin erm\u00f6glichen Auswilderung im Kaukasus<\/strong><\/h4>\n<p>(PSW) In den letzten Tagen haben sechs Wisente aus dem Projekt \u201eWisente am Rothaarsteig\u201c eine lange Reise hinter sich gebracht: Sie sind zusammen mit anderen Wisenten aus dem Tierpark Berlin in den Shahdag Nationalpark nach Aserbaidschan transportiert worden und gut und gesund in ihrem neuen Lebensraum angekommen. Die Umsiedlung wurde vom WWF Deutschland und den Zoologischen G\u00e4rten Berlin gemeinsam organisiert und fachlich eng begleitet.<\/p>\n<p><strong>Ausreichend Nahrung und R\u00fcckzugsr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Umsiedlung von nordrhein-westf\u00e4lischen Wisenten wird dazu beitragen, einen \u00fcberlebensf\u00e4higen Wisent-Bestand im S\u00fcd-Kaukasus aufzubauen\u201d, erkl\u00e4rt Aurel Heidelberg, Leiter des Wisent-Wiederansiedlungsprojekts vom WWF Deutschland. \u201eDie f\u00fcr eine erfolgreiche Wiederansiedlung notwendigen Voraussetzungen sind im Shahdag Nationalpark gegeben. Insbesondere gro\u00dffl\u00e4chige, nicht wirtschaftlich genutzte Wald\u00f6kosysteme bieten ausreichend Nahrung und R\u00fcckzugsr\u00e4ume. Neben der \u00f6kologischen Eignung sind eine kontinuierliche fachliche Betreuung und ein angepasstes Wildtiermanagement unter Einbeziehung von Beh\u00f6rden, Wissenschaft und lokalen Akteuren einschneidende Schl\u00fcsselfaktoren, um dort langfristig eine stabile und gesunde Wisent-Population aufzubauen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Nationalpark mit 130.000 Hektar<\/strong><\/p>\n<p>Der Shahdag Nationalpark, mit einer Fl\u00e4che von \u00fcber 130.000 Hektar eines der gr\u00f6\u00dften Schutzgebiete im Kaukasus, bietet den Wisenten ideale Bedingungen: weitl\u00e4ufige, naturnahe Bergmischw\u00e4lder, ausreichend Nahrung und R\u00fcckzugsr\u00e4ume. Da das Gebiet nur d\u00fcnn besiedelt ist, besteht ein geringes Mensch-Wisent Konfliktpotential. Die Betreuung und das Monitoring der Wildrinder wird durch geschulte Wildh\u00fcter und mit Einsatz von GPS-Technik und Kamerafallen sichergestellt.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6sung nach jahrelangem Rechtsstreit<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem jahrelangen Rechtsstreit um die Wisente im Rothaargebirge ist damit eine zukunftsweisende L\u00f6sung f\u00fcr einen Gro\u00dfteil dieser Herde gefunden: Neben den bereits jetzt in den Shahdag Nationalpark umgesiedelten Tieren sollen noch weitere Wisente aus dem Projekt \u201eWisente am Rothaarsteig\u201c bis 2027 im Rahmen des international etablierten Artenschutzprogramms im Kaukasus ausgewildert werden.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n<p>Was 2013 als Pilotprojekt begann \u2013 die erste Auswilderung von Wisenten in Deutschland \u2013 entwickelte sich in den Folgejahren zu einem juristischen Tauziehen. Die Herde im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen stie\u00df vor allem bei umliegenden Waldbesitzern auf Widerstand, die Sch\u00e4den durch die Tiere beklagten. Infolge langj\u00e4hriger Rechtsstreitigkeiten und wachsender Herausforderungen vor Ort war der Tr\u00e4gerverein Wisent-Welt-Wittgenstein e.V. schlie\u00dflich nicht mehr in der Lage, die langfristigen Voraussetzungen f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Projekts zu gew\u00e4hrleisten. Mit der Insolvenz des Vereins wurde die Zukunft der \u00fcber 30 Wisente zunehmend ungewiss. F\u00fcr alle beteiligten Akteure jedoch stand fest: F\u00fcr die Wisente muss eine langfristige, verantwortungsvolle L\u00f6sung gefunden werden \u2013 im Sinne des internationalen Artenschutzes, aber auch mit Blick auf den Tierschutz.<\/p>\n<p><strong>Population bereits im Aufbau<\/strong><\/p>\n<p>WWF Deutschland und der Tierpark Berlin bringen nun ihre umfassende Erfahrung aus internationalen Wiederansiedlungsprojekten ein, um den Tieren eine Zukunft im nat\u00fcrlichen Lebensraum zu erm\u00f6glichen. So sollen einige der\u00a0 Wisente aus dem Rothaargebirge im Shahdag Nationalpark in Aserbaidschan ausgewildert werden \u2013 einem Schutzgebiet, in dem bereits eine Wisent-Population im Aufbau ist.<\/p>\n<p><strong>Wisent galt als ausgestorben<\/strong><\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Wisent galt Anfang des 20. Jahrhunderts in der Wildnis als ausgestorben. Nur durch konsequente Erhaltungszuchtprogramme in Zoologischen Einrichtungen sowie gezielte Wiederansiedlungen in geeigneten Lebensr\u00e4umen konnte die Art gerettet werden. Heute leben weltweit wieder knapp 10.000 Wisente im nat\u00fcrlichen Lebensraum \u2013 unter anderem in Polen, Rum\u00e4nien, Russland und Aserbaidschan.<\/p>\n<p><strong>Logistische und fachliche Begleitung durch Experten<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnsere Expertinnen und Experten begleiten die Auswahl und Vorbereitung geeigneter Tiere in Deutschland und stehen dem gesamten Prozess beratend zur Seite \u2013 von der Beurteilung der gesundheitlichen Eignung bis hin zur fachlichen Begleitung vor Ort im Kaukasus\u201c, erl\u00e4utert Katharina Sperling, Teamleitung Artenschutz der Zoologischen G\u00e4rten Berlin. Grundlage sind die Erfahrungen aus internationalen Wiederansiedlungsprojekten sowie fundierte veterin\u00e4r-, tierpflegerische und wildbiologische Expertise. Damit wird gew\u00e4hrleistet, dass die Wisente bestm\u00f6glich auf die R\u00fcckkehr in ein geeignetes nat\u00fcrliches Habitat vorbereitet sind und das Vorhaben fachlich verantwortungsvoll umgesetzt wird.<\/p>\n<p><strong>Provisorisches Gehege<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Wisente im Rothaargebirge werden derzeit in einem provisorischen Gehege ohne langfristige Perspektive gehalten \u2013 eine Situation, die auf Dauer nicht tragf\u00e4hig ist. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind sowohl die instabile Gruppenstruktur mit mehreren konkurrierenden Jungbullen, als auch ein steigendes Risiko f\u00fcr Infektionskrankheiten. Gleichzeitig eignen sich die Tiere aufgrund ihrer wertvollen genetischen Merkmale sehr gut f\u00fcr eine Wiederansiedlung im Shahdag Nationalpark\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Wanda Olech, Pr\u00e4sidentin der Internationalen Gesellschaft der Freunde des Europ\u00e4ischen Wisents und Co-Vorsitzende der IUCN-Bison-Specialist Group. Die Auswahl der Tiere f\u00fcr Wiederansiedlungsprojekte erfolgt unter anderem auf Grundlage genetischer Informationen mit dem Ziel, eine m\u00f6glichst hohe genetische Variabilit\u00e4t in den entstehenden Populationen sicherzustellen.<\/p>\n<p><strong>Enge Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Die beteiligten Organisationen arbeiten dabei eng mit den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in Deutschland und Aserbaidschan sowie mit internationalen Artenschutznetzwerken zusammen. Ziel ist es, die f\u00fcr den Artenschutz so wertvollen Tiere in das bestehende Auswilderungsprojekt im Kaukasus zu integrieren \u2013 ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Erhaltung des Europ\u00e4ischen Wisents.<\/p>\n<p><strong>Verantwortung \u00fcber Grenzen hinweg<\/strong><\/p>\n<p>\u201eArtenschutz endet auch nicht mit der Auswilderung\u201c, betonen WWF und Tierpark Berlin gemeinsam. \u201eErfolgreicher Artenschutz bedeutet, Verantwortung \u00fcber Grenzen hinweg zu \u00fcbernehmen und bedrohten Tierarten eine echte Zukunft in der Wildnis zu erm\u00f6glichen.\u201c Als sogenannte Schl\u00fcsselart leisten Wisente einen wesentlichen Beitrag zur St\u00e4rkung nat\u00fcrlicher Prozesse in den \u00d6kosystemen: Durch ihre Wanderungen verbreiten sie Pflanzensamen im Fell, ihr Kot f\u00f6rdert die Bodenfruchtbarkeit, und ihr Fressverhalten schafft offene Strukturen, die zahlreichen anderen Arten zugutekommen. \u201eWisente zerst\u00f6ren keine Lebensr\u00e4ume \u2013 sie ver\u00e4ndern sie. In unserem Projekt zeigen wir, wie aus jahrelanger Erhaltungszucht aktiver Naturschutz wird \u2013 mit Nutzen f\u00fcr ganze \u00d6kosysteme\u201c, erg\u00e4nzt die Initiative.<\/p>\n<p><strong>Kreistag forderte Verkleinerung der Herde<\/strong><\/p>\n<p>Die Umsiedlung der Wisente aus dem Rothaargebirge in den Shahdag Nationalpark erm\u00f6glicht gleichzeitig die Verkleinerung der ehemals dem Freisetzungsprojekt zuzurechnenden Herde, die u.a. auch in einem vom Kreistag des Kreises Siegen-Wittgenstein beschlossenen Handlungskonzept gefordert worden war. Die zust\u00e4ndigen Stellen im nordrhein-westf\u00e4lischen Umweltministerium, beim Kreis Siegen-Wittgenstein und bei der Bezirksregierung Arnsberg stehen in engem Austausch und arbeiten gemeinsam daran, eine L\u00f6sung f\u00fcr die verbleibenden Wisente des Projekts in Bad Berleburg zu finden, die sowohl dem Tier- als auch dem Artenschutz gerecht wird. Da es weiterhin an einer belastbaren Perspektive f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung des Freisetzungsprojektes im Rothaargebirge fehlt, verfolgen alle Beteiligten das gemeinsame Ziel, den Tieren eine verantwortungsvolle Perspektive zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WWF und Zoologische G\u00e4rten Berlin erm\u00f6glichen Auswilderung im Kaukasus (PSW)  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":24147,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"two_page_speed":[],"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-24146","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachbarschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24146"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24146\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24148,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24146\/revisions\/24148"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}