{"id":24333,"date":"2026-02-09T09:51:08","date_gmt":"2026-02-09T07:51:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=24333"},"modified":"2026-02-09T09:51:08","modified_gmt":"2026-02-09T07:51:08","slug":"niemals-aufgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/02\/09\/niemals-aufgeben\/","title":{"rendered":"\u201eNiemals aufgeben\u201c"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Wie der Kinder- und Jugendhospizdienst einem Jungen und seiner Familie Kraft schenkt<\/strong><\/h4>\n<p>(EB ). Wenn es drau\u00dfen noch dunkel ist und die meisten Jugendlichen tief schlafen, beginnt f\u00fcr Filipe Becker der Tag. Es ist 4.30 Uhr, als der 15-J\u00e4hrige aus Hemer seine Augen \u00f6ffnet \u2013 nicht, weil er besonders fr\u00fch zur Schule will, sondern weil sein K\u00f6rper es so verlangt. Bevor er \u00fcberhaupt daran denken kann, wie jeder andere Neuntkl\u00e4ssler einfach aufzustehen, muss er seinen Blutzucker messen, eine Vibrationsmassage zur Lockerung der Lunge durchf\u00fchren und mehrere medizinische Schritte vorbereiten, ohne die er nicht in den Tag starten kann. \u201eEs dauert halt ein bisschen, bis ich fertig bin\u201c, sagt er und l\u00e4chelt sch\u00fcchtern. Dieses L\u00e4cheln ist eines, das man nicht so schnell vergisst. Es erz\u00e4hlt von Mut, Glauben und einem unersch\u00fctterlichen Willen, aus jedem Tag etwas zu machen.<\/p>\n<p><strong>Regelm\u00e4\u00dfige Klinikaufenthalte<\/strong><\/p>\n<p>Filipe lebt mit Mukoviszidose. Seine Nieren arbeiten eingeschr\u00e4nkt, seine Leber ist beeintr\u00e4chtigt. Regelm\u00e4\u00dfige Klinikaufenthalte geh\u00f6ren zu seinem Alltag, genauso wie die Tatsache, dass vieles, was andere Teenager selbstverst\u00e4ndlich tun \u2013 ins Freibad gehen, Fliegen, Reisen \u2013 f\u00fcr ihn nicht m\u00f6glich ist. \u201eSchwimmen w\u00e4re zu gef\u00e4hrlich, wegen der Bakterien \u2013 das geht nur im Salzwasser\u201c, erkl\u00e4rt er. Und Flugreisen? Unm\u00f6glich. Dabei w\u00e4re gerade das sein gr\u00f6\u00dfter Traum: einmal die Pyramiden von Gizeh sehen. Einmal in \u00c4gypten stehen, dessen Geschichte er so liebt, wie andere Kinder Superhelden-Comics. Doch Superhelden mag Filipe auch. In seinem Zimmer wachen Hulk, Thor und mehrere Wrestling-Figuren \u00fcber seine Fantasie. Was andere f\u00fcr Spielzeug halten, ist f\u00fcr ihn viel mehr: eine Art Fenster in eine Welt, in der St\u00e4rke und Unverwundbarkeit m\u00f6glich scheinen. Vielleicht auch ein stiller Wunsch, der aus seinem Inneren kommt.<\/p>\n<p><strong>Von der &#8222;Kleinen Raupe&#8220; begleitet<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2017 wird Filipe vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst \u201eKleine Raupe\u201c der Johanniter begleitet. Seine Mutter hatte damals um Unterst\u00fctzung gebeten \u2013 eigentlich nur wegen eines Pflegegrades. Doch aus dieser Anfrage entstand das, was heute eine tragende S\u00e4ule f\u00fcr die ganze Familie ist. Bettina Wichmann, die Leiterin des Hospizdienstes, begleitet Filipe seit acht Jahren. \u201eF\u00fcr mich ist sie eine Freundin\u201c, sagt er, ohne zu z\u00f6gern. Eine Freundin, der man alles erz\u00e4hlen kann \u2013 Sorgen, \u00c4ngste, Mutmachgedanken. Und eine Freundin, die nicht nur ihm, sondern auch seinen Eltern und Gro\u00dfeltern Halt gibt.<\/p>\n<p><strong>Glaube an Heilung ungebrochen<\/strong><\/p>\n<p>Filipe spricht offen \u00fcber sein Leben, \u00fcber seine Krankheit und sogar \u00fcber den Tod. Nicht verzweifelt, nicht \u00e4ngstlich \u2013 eher weise und erstaunlich klar. \u201eMama, wenn es irgendwann soweit ist, dann passe ich vom Himmel aus auf dich auf\u201c, hat er einmal gesagt. Ein Satz, der seine Mutter tief getroffen hat \u2013 und gleichzeitig zeigt, wie selbstverst\u00e4ndlich Filipe sich mit Dingen auseinandersetzt, vor denen andere weglaufen w\u00fcrden. Doch auch wenn er \u00fcber das Sterben spricht, m\u00f6chte er leben. Sehr lange leben. \u201eIch glaube daran, dass sie meine Krankheit 2040 oder 2050 heilen k\u00f6nnen. Wenn die Gen-Therapie kommt, dann fliege ich nach \u00c4gypten\u201c, sagt er, und in seinem Blick liegt keine Naivit\u00e4t, sondern Hoffnung.<\/p>\n<p><strong>Titanic aus Lego gebaut<\/strong><\/p>\n<p>Diese Hoffnung zeigt sich auch in seinen H\u00e4nden. Filipe baut Lego \u2013 und zwar so, wie andere Menschen meditieren. Konzentriert, ruhig, von innen heraus motiviert. Lego ist f\u00fcr ihn kein Spielzeug. Es ist Therapie. Jedes kleine Teil trainiert seine Motorik, die durch die Krankheit eingeschr\u00e4nkt ist. Und so hat er in nur drei Tagen die riesige Titanic aus \u00fcber 11.000 Teilen zusammengesetzt. Auch der Eiffelturm \u2013 ein Geschenk, das er durch Spenden und \u00fcber den Kinderhospizdienst erhielt \u2013 wurde zu einem Projekt, das ihm nicht nur Freude, sondern auch Kraft schenkt. Kraft, die er braucht, um mit seiner Erkrankung zurechtzukommen.<\/p>\n<p><strong>Praktikum in der Tagespflege<\/strong><\/p>\n<p>Im November 2025 wagte Filipe etwas Neues: ein dreiw\u00f6chiges Praktikum in der Johanniter-Tagespflege in Iserlohn. Ein junger Mann mit einer schweren Erkrankung zwischen hochbetagten Menschen mit Demenz \u2013 ungew\u00f6hnlich, vielleicht. Aber es passte sofort. Filipe h\u00f6rte zu, stellte Fragen, lernte Geschichten aus einer Zeit kennen, die ihn fasziniert. \u201eEs war so spannend zu h\u00f6ren, wie die Senioren fr\u00fcher gelebt haben. Alles aus erster Hand \u2013 besser als jedes Geschichtsbuch\u201c, erz\u00e4hlt er begeistert. Auch das gemeinsame Basteln, Singen und Spielen am digitalen Aktiv-Tisch gefiel ihm. Und als man merkte, wie wohl er sich f\u00fchlte, wussten viele: Filipe hat hier etwas gefunden, das mehr ist als ein Praktikum. Er selbst sagt: \u201eIch m\u00f6chte sp\u00e4ter einen Beruf machen, bei dem ich Menschen helfen kann. So wie mir geholfen wurde.\u201c Sein Traum: ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Johannitern.<\/p>\n<p><strong>Weltkinderhospiztag<\/strong><\/p>\n<p>Die Hospizarbeit begleitet Filipe nicht nur medizinisch oder organisatorisch. Sie erm\u00f6glicht ihm Normalit\u00e4t. Sie schenkt ihm Erlebnisse, Zugeh\u00f6rigkeit, Gespr\u00e4che. Sie entlastet seine Eltern, schafft R\u00e4ume, in denen Sorgen ausgesprochen werden d\u00fcrfen, ohne Angst vor Bewertung. Vor allem aber zeigt sie eines: dass Kinderhospizarbeit Leben bedeutet. Leben mit Krankheit, aber auch mit Freude, mit Zielen, mit Mut und mit Zukunft. Zum Weltkinderhospiztag am 10. Februar wird genau das sichtbar. Er erinnert daran, dass Kinder wie Filipe nicht nur Unterst\u00fctzung brauchen \u2013 sondern sie verdienen. Und dass ein ambulanter Kinderhospizdienst weit mehr ist als Begleitung am Lebensende. Er ist ein Teil der Kindheit, ein Teil der Familie, ein Teil der Hoffnung. Filipe fasst es in einem Satz zusammen, der wohl sinnbildlich f\u00fcr diesen Tag steht \u2013 und f\u00fcr sein ganzes Leben: \u201eNiemals aufgeben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Bef\u00e4higungskurs startet<\/strong><\/p>\n<p>Bettina Wichmann: &#8222;Wer Menschen wie Filipe helfen m\u00f6chte, kann gern an unserem neuen Bef\u00e4higungskurs f\u00fcr ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer teilnehmen, der am 4. M\u00e4rz startet.&#8220; Der Kurs findet in der Johanniter-Dienststelle in Iserlohn, Handwerkerstra\u00dfe 27, statt und endet am 27. Mai mit der Zertifikats\u00fcbergabe. Jeweils mittwochs von 17:00 bis 20:15 Uhr sowie an drei zus\u00e4tzlichen Samstagen, lernen die Teilnehmenden, was Sterbende wirklich brauchen, wie man mit Ablehnung umgeht und wie die eigene Haltung zu Tod und Abschied gest\u00e4rkt werden kann.<\/p>\n<p><strong>Infoabend am Dienstag<\/strong><\/p>\n<p>Am Dienstag, den 10.02.2026 findet um 18 Uhr eine Infoveranstaltung statt, in der Johanniter-Dienststelle Iserlohn (Handwerkerstr. 27 in 58638 Iserlohn. Hier k\u00f6nnen sich Interessierte zun\u00e4chst unverbindlich und kostenfrei informieren lassen und schauen, ob der Bef\u00e4higungskurs f\u00fcr sie geeignet ist. Teilnehmen werden dabei zwei ehrenamtliche Hospizhelferinnen, die \u00fcber die wertvolle Arbeit im Hospizdienst bzw. im Kinderhospizdienst erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Jetzt anmelden f\u00fcr den Infoabend am 10.02. oder direkt f\u00fcr den Bef\u00e4higungskurs \u2013 Pl\u00e4tze sind begrenzt<\/strong><\/p>\n<p>Interessierte k\u00f6nnen sich ab sofort unverbindlich informieren oder direkt anmelden. Die Kursgeb\u00fchr betr\u00e4gt 59 Euro.<\/p>\n<p>\ud83d\udc49 <strong>Kontakt<\/strong>: Bettina Wichmann, Leitung Ambulanter Hospizdienst der Johanniter<br \/>\n\ud83d\udccd Handwerkerstra\u00dfe 27 in Iserlohn<br \/>\n\ud83d\udcde 0 2371\/21913-216<br \/>\n\u2709\ufe0f <a href=\"mailto:bettina.wichmann@johanniter.de\">bettina.wichmann@johanniter.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Kinder- und Jugendhospizdienst einem Jungen und seiner Familie  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":24334,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"two_page_speed":[],"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-24333","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dies-und-das"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24333"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24335,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24333\/revisions\/24335"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24334"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}