{"id":24979,"date":"2026-03-16T10:19:28","date_gmt":"2026-03-16T08:19:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=24979"},"modified":"2026-03-16T10:19:28","modified_gmt":"2026-03-16T08:19:28","slug":"raubgrabung-auf-dem-burgberg-bei-iserlohn-oestrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/03\/16\/raubgrabung-auf-dem-burgberg-bei-iserlohn-oestrich\/","title":{"rendered":"Raubgrabung auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich"},"content":{"rendered":"<h4><strong><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif;\">&#8222;Gl\u00fccklicherweise nur noch Ausnahme&#8220;<\/span><\/strong><\/h4>\n<p>(lwl). Zu Jahresbeginn haben Raubgrabungen im Nordosten der Wallanlage auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich (M\u00e4rkischer Kreis) gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den verursacht. Im Bereich einer der Erdw\u00e4lle war ein gro\u00dfer Graben in Form eines &#8222;L&#8220; angelegt worden. Das berichtet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).<\/p>\n<p><strong>Hausfriedensbruch und Straftat<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Gr\u00f6\u00dfere Raubgrabungen an Bodendenkm\u00e4lern in Westfalen waren in den vergangenen Jahren eine Ausnahme geworden. Denn diese sogenannten Schachtungen zerst\u00f6ren Fundzusammenh\u00e4nge. Daneben sind sie nicht nur Hausfriedensbruch und eine Ordnungswidrigkeit, sondern bei Mitnahme von wissenschaftlich bedeutenden Funden auch eine Straftat&#8220;, so LWL-Chefarch\u00e4ologin Dr. Sandra Peternek.<\/p>\n<p><strong>Weitere Zerst\u00f6rung<\/strong><\/p>\n<p>Vor Jahren hatten LWL-Arch\u00e4ologen der Au\u00dfenstelle Olpe zum Beispiel von einer derartigen Raubgrabung auf einer kleinen mittelalterlichen Burganlage bei Arnsberg erfahren. Dabei war eine sonst im Boden verborgene Steinmauer teilweise freigelegt worden, wodurch die Erosion zugleich tiefer in die noch erhaltene Substanz eingriff. Dies f\u00fchrte zu weiteren Zerst\u00f6rungen. Mithilfe der Grundeigent\u00fcmer konnte das Loch aber wieder verschlossen werden.<\/p>\n<p><strong>Illegales Sondengehen verursacht Sch\u00e4den<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber einige Jahrzehnte &#8211; besonders, als die Ger\u00e4te erschwinglich wurden &#8211; sind Raubgrabende mit Metallsonden auf viele Burgen und andere Bodendenkm\u00e4ler gezogen und haben gro\u00dfe Mengen an aussagekr\u00e4ftigem Fundmaterial entfernt. &#8222;Heute ist es f\u00fcr viele Bodendenkm\u00e4ler nicht mehr m\u00f6glich, Buntmetalle wie bronzene Gegenst\u00e4nde aufzusp\u00fcren &#8211; zur\u00fcck blieben die vermeintlich wertlosen Eisenfunde&#8220;, konstatiert LWL-Fachmann Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Au\u00dfenstelle Olpe. &#8222;Der &#8211; vor allem &#8211; wissenschaftliche Schaden ist kaum zu beziffern&#8220;, so Baales weiter.<\/p>\n<p><strong>Bronzene Lanzenspitze gefunden<\/strong><\/p>\n<p>So hatte ein Sondeng\u00e4nger vor \u00fcber 15 Jahren im Umfeld der Wallanlage auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich ohne Genehmigung auf Brachland gesucht und dort eine bronzene Lanzenspitze gefunden. Dieser Fund fand aber ihren Weg nach Olpe und war damals in Westfalen ein absolutes Einzelst\u00fcck. Au\u00dferdem belegte es Beziehungen nach S\u00fcdosteuropa, die die Menschen im Westfalen vor etwa 3.000 Jahren pflegten. Baales: &#8222;Dar\u00fcber, ob eventuelle neue Erkenntnisse durch eine gr\u00f6\u00dfere Raubgrabung auf dem Burgberg selbst verlogen gegangen sind, k\u00f6nnen wir nur spekulieren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Raubgrabung am Burgberg: &#8222;Einfach nur sinnlos&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Zu Jahresbeginn erhielt Daniel Riemenschneider, Grabungstechniker beim LWL, von einem Mitglied des Heimatvereins Letmathe e.V. die Mitteilung, dass im Nordosten der Wallanlage auf dem Burgberg eine neue, gr\u00f6\u00dfere Erdschachtung angelegt wurde. Kurze Zeit sp\u00e4ter dokumentierten Fachleute der LWL-Au\u00dfenstelle Olpe den erheblichen Schaden. Im Bereich einer der Erdw\u00e4lle war ein Graben in Form eines &#8222;L&#8220; mit einer Gesamtkantenl\u00e4nge von rund zwei Metern und etwa 50 Zentimetern Breite bis zu 90 Zentimeter tief in die Erde gegraben wurden. Dabei sind zuvor auch kleine B\u00e4ume und B\u00fcsche beschnitten und Wurzeln entfernt worden. &#8222;In dem ausgeworfenen Material lagen bis zu 60 Zentimeter gro\u00dfe Kalksteine des anstehenden Kalkfelsens, der Raubgr\u00e4ber hat hier wirklich viel Aufwand betrieben&#8220;, stellt Riemenschneider fest.<\/p>\n<p>Die sauber geputzten und dann dokumentierten Erdprofile zeigen unter anderem eine graue Schicht, die auf eine nicht n\u00e4her zu datierende Nutzungsphase auf dem Burgberg zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Zudem lie\u00dfen sich Hinweise darauf fassen, dass hier, nah an noch vorhandenen Erdw\u00e4llen, m\u00f6glicherweise eine \u00e4ltere Befestigungsphase erfasst wurde. &#8222;Eine Nachsuche der Stelle mit dem Metalldetektor blieb erfolglos. Derartige Zerst\u00f6rungen sind einfach nur sinnlos&#8220;, so Riemenschneider.<\/p>\n<p><strong>Neue Forschungen an den westf\u00e4lischen Wallburgen<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell stehen die Wallburganlagen wie der Burgberg bei Iserlohn-Oestrich verst\u00e4rkt im Fokus der Forschung. Die LWL-Altertumskommission hat in Zusammenarbeit mit der LWL-Arch\u00e4ologie an mehreren Burganlagen Kernbohrungen durchgef\u00fchrt, um die herausgebohrten Holzkohlenresten f\u00fcr neue C14-Datierungen (Radiokarbonmethode) zu untersuchen. Es liegen bereits eine Vielzahl neuer Ergebnisse vor, auch f\u00fcr den Burgberg. So konnte hier eine eisenzeitliche Befestigungsphase durch diese naturwissenschaftliche Datierungsmethode nachgewiesen werden. Diese Arbeiten fanden und finden in enger Abstimmung mit dem Eigent\u00fcmer, dem F\u00f6rderverein Naturschutz M\u00e4rkischer Kreis, statt. Auch hier herrscht Unverst\u00e4ndnis \u00fcber diese Zerst\u00f6rung auf seinem Gel\u00e4nde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gl\u00fccklicherweise nur noch Ausnahme&#8220; (lwl). 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