{"id":25578,"date":"2026-04-20T10:09:04","date_gmt":"2026-04-20T08:09:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=25578"},"modified":"2026-04-20T10:09:04","modified_gmt":"2026-04-20T08:09:04","slug":"meine-ersten-worte-zu-meinem-chef-ich-kuendige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/04\/20\/meine-ersten-worte-zu-meinem-chef-ich-kuendige\/","title":{"rendered":"\u201eMeine ersten Worte zu meinem Chef: ,Ich k\u00fcndige!\u2018\u201c"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"font-size: 11.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Landrat Theo Melcher feiert Dienstjubil\u00e4um: 40 Jahre im \u00f6ffentlichen Dienst<\/span><\/h4>\n<p>(PKO). Zum zweiten Mal ist er Landrat \u2013 doch zur Kreisverwaltung Olpe geh\u00f6rt Theo Melcher schon viel l\u00e4nger. 40 Jahre im \u00f6ffentlichen Dienst liegen hinter ihm. Das Jubil\u00e4um ist eine Gelegenheit, in Vergangenheit und Zukunft zu blicken: Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber seinen holprigen Start beim Kreis Olpe, die digitale Verwaltung von morgen und seine Ziele bis zum Ende seiner Amtszeit 2030.<\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnen Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag beim Kreis Olpe erinnern? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Theo Melcher: Oh ja. Es war der 18. Juni 1990. Niemand wusste anscheinend, dass ich kommen w\u00fcrde \u2013 zumindest war nichts vorbereitet. Schlie\u00dflich f\u00fchrte mich auf Bitte der Sekret\u00e4rin des damaligen Oberkreisdirektors jemand in einen Raum im Untergeschoss und sagte: \u201eDas soll wohl Ihr B\u00fcro sein.\u201c Der Raum war aber v\u00f6llig leer: kein Schreibtisch, kein Stuhl. Die Einrichtung habe ich mit netten Kolleginnen und Kollegen in den Nachbarb\u00fcros zusammengesucht. Der Onboarding-Prozess, wie man heute sagen w\u00fcrde, war unterirdisch. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Was hat Ihnen nach diesem Start das Gef\u00fchl vermittelt, beim Kreis Olpe angekommen zu sein?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Einerseits die Kolleginnen und Kollegen. Das Menschliche hat beim Kreis Olpe schon damals gestimmt. Der Wendepunkt kam, als der damalige Oberkreisdirektor aus dem Urlaub zur\u00fcckkam, mich einbestellte und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich erwiderte: \u201eIch k\u00fcndige. Meine Aufgaben hier werden meinem Anspruch und meiner Ausbildung nicht gerecht.\u201c Er sagte nur: \u201eDas haben wir gleich.\u201c Ab diesem Moment wurde es anders \u2013 und das war gut so! <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Was waren denn Ihre Anspr\u00fcche und Ziele damals?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Nach einem vielseitigen Referendariat mit Einblicken in Justiz, Anwaltschaft und Verwaltung wollte ich mich mit Verwaltungsrecht besch\u00e4ftigen. Die Jobaussichten waren Anfang 1990 schwierig und ich war junger Familienvater und suchte ein sicheres Einkommen. Diese Sicherheit bot der \u00f6ffentliche Dienst. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Konnten Sie diese Ziele aus heutiger Sicht umsetzen? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Ja und nein. Im \u00f6ffentlichen Dienst bin ich noch. Doch das Juristische trat in den Hintergrund, als ich ein Jahr sp\u00e4ter Leiter des Umweltamts wurde. Ein eher technisches Amt mit vielen Mitarbeitenden, in dem gro\u00dfe Herausforderungen warteten: Im Grunde die Sicherung und damals komplette Umstrukturierung der Abfallentsorgung im Kreis Olpe. Das Managen komplexer Vorg\u00e4nge und das F\u00fchren von Menschen, das steht seither im Vordergrund.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Was ist aus Ihrer Sicht die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung seit 1990 in der Kreisverwaltung Olpe?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Die Technik und das Tempo. Das muss auch so sein, sonst w\u00e4re die Vielzahl der Aufgaben nicht mehr zu bew\u00e4ltigen. Damals gab es keinen PC. Man diktierte Schriftst\u00fccke f\u00fcr ein zentrales Schreibb\u00fcro, bekam einen Entwurf zur\u00fcck, redigierte ihn handschriftlich\u2026 Bis ein Schreiben rausging, konnten Tage und Wochen vergehen. Als ich den ersten PC auf den Tisch bekam, wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. Doch schon nach wenigen Tagen konnte ich mir die Arbeit ohne Computer nicht mehr vorstellen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Welche Aufgaben hat denn heute eine Kreisverwaltung, die sie damals nicht hatte?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Zun\u00e4chst einmal sind neue Aufgaben hinzugekommen, zum Beispiel die Eingliederung der staatlichen Umwelt\u00e4mter und der staatlichen Versorgungsverwaltung. Doch sind vor allem die Aufgaben gewachsen. Am st\u00e4rksten im Bereich der Sozialleistungen und der Jugendhilfe. Ein Beispiel aus dem Rettungsdienst, der auch zu unseren Aufgaben geh\u00f6rt, macht es deutlich: Anfang der 90er Jahre hatten wir vier Rettungswagen rund um die Uhr im Einsatz. Heute sind es acht Rettungswagen und drei Notarzteinsatzfahrzeuge, die 24 Stunden jeden Tag mit entsprechendem Personal zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen. Die Anzahl der Mitarbeitenden in diesem Bereich hat sich mehr als verdoppelt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Was bedeutet Ver\u00e4nderung f\u00fcr Sie?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Geh\u00f6rt zum Leben. Es gibt eine Kraft in uns, die uns treibt, Dinge voranzubringen und sich nicht mit dem Vorhandenen zufriedenzugeben. Man sollte Ver\u00e4nderung als Chance und nicht als Zumutung begreifen. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Welche Ver\u00e4nderungen in der Kreisverwaltung Olpe wollen Sie bis zum Ende Ihrer Amtszeit 2030 umsetzen? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em><strong>F\u00fcr den Kreis Olpe:<\/strong> Auf dem Erfolg unseres Wirtschaftsstandorts baut unser Wohlstand auf. Diese Grundlage m\u00fcssen wir erhalten, durch gute Kitas, Schulen, unser Berufskolleg, intakte Kreisstra\u00dfen sowie Glasfaseranbindungen bis fast zur letzten Milchkanne. Ich will weiter meinen Beitrag leisten, dass diese gute Infrastruktur erhalten bleibt und weiter ausgebaut wird.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em><strong>F\u00fcr die Verwaltung:<\/strong> Es geht weiter mit der Modernisierung. Eine Schwierigkeit f\u00fcr digitale Services in Verwaltungen \u2013 im Gegensatz zu etwas wie einer Banking-App \u2013 ist die Vielfalt unserer Leistungen: Wir haben nicht nur eine Art von Produkt, sondern sehr unterschiedliche, von Rettungsdienst bis Jugendhilfeplanung. Unsere Fachdienste nutzen \u00fcber 100 Fachverfahren, die wiederum mit Fachverfahren anderer Stellen verbunden sind. Manches, wie die Kfz-Zulassung per i-Kfz, gibt es schon online. Oft ist das aber noch zu kompliziert. Meine Vorstellung ist, dass wir in zwei bis vier Jahren viele B\u00fcrgerservices wirklich einfach und komfortabel auf dem Smartphone anbieten k\u00f6nnen. Ohne Mails, ohne Termin, ohne umst\u00e4ndliche Registrierung. Das ist mein Wunsch. Mal sehen, ob der Rechtsrahmen das dann auch hergibt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong>Drei pers\u00f6nliche Fragen<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Wie w\u00fcrden Sie den Job als Landrat in drei Worten beschreiben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>Vielseitig, spannend, verantwortungsvoll. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Habe ich nie dr\u00fcber nachgedacht. Es sind wohl nur wenige Wochen mit 40 Stunden und, Gott sei Dank, auch nur wenige mit mehr als 60 Stunden. Alle anderen Wochen bewegen sich dazwischen. Man muss als Landrat wissen, dass einem das Wochenende nicht allein geh\u00f6rt und auch nicht allein der Familie. Die repr\u00e4sentativen Aufgaben sind nicht zu untersch\u00e4tzen, jedoch sch\u00f6n. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em>Von welchem Buch w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen, dass alle Menschen es gelesen h\u00e4tten?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u201eWer bin ich \u2013 und wenn ja, wie viele?\u201c von Richard David Precht<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong>Kurzvita Theo Melcher<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Herkunfts- und Wohnort: Finnentrop-Fretter<\/li>\n<li>Familie: verheiratet, drei Kinder, ein Enkel<\/li>\n<li>Ausbildung: Volljurist<\/li>\n<li>Beruflicher Weg: seit 1990 bei der Kreisverwaltung Olpe, zun\u00e4chst als Justiziar; ab 1991 als Leiter des Umweltamtes. Ab 1997 Kreisdirektor, bei der Kommunalwahl 2020 zum Landrat gew\u00e4hlt; 2025 wiedergew\u00e4hlt. Bei der Berechnung der Dienstjahre im \u00f6ffentlichen Dienst werden das Referendariat und der Wehrdienst mit eingerechnet.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Landrat Theo Melcher feiert Dienstjubil\u00e4um: 40 Jahre im \u00f6ffentlichen Dienst  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":25579,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"two_page_speed":[],"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-25578","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gute-nachricht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25578"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25581,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25578\/revisions\/25581"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}