{"id":26445,"date":"2026-06-13T10:57:06","date_gmt":"2026-06-13T08:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=26445"},"modified":"2026-06-13T11:10:19","modified_gmt":"2026-06-13T09:10:19","slug":"zukunftsinitiative-gute-pflege-soll-in-die-verlaengerung-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/06\/13\/zukunftsinitiative-gute-pflege-soll-in-die-verlaengerung-gehen\/","title":{"rendered":"Zukunftsinitiative \u201eGute Pflege\u201c soll in die Verl\u00e4ngerung gehen"},"content":{"rendered":"<p>(pmk). Das Erfolgskonzept der Zukunftsinitiative \u201eGute Pflege\u201c soll weiterentwickelt und bis 2029 weitergef\u00fchrt werden. Daf\u00fcr sprachen sich die Mitglieder des Ausschusses f\u00fcr Gesundheit und Soziales im L\u00fcdenscheider Kreishaus mehrheitlich aus. Als Erfolgskontrolle forderte die Politik j\u00e4hrliche Berichte an den Ausschuss. \u201eWir haben mit der Zukunftsinitiative \u201eGute Pflege\u201c in den vergangenen drei Jahren viel erreicht. Der Fachkr\u00e4ftemangel insbesondere im Bereich Altenpflege wird uns in den kommenden Jahren weiter umtreiben. Wie k\u00f6nnen wir neue Auszubildende f\u00fcr die Altenpflege gewinnen? Wie k\u00f6nnen wir F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Pflege daf\u00fcr sensibilisieren, Ausbildung und Rahmenbedingungen in der Altenpflege so zu gestalten, dass wir die Besch\u00e4ftigten in der Pflege auch halten k\u00f6nnen?,\u201c brachte Leslie Kamphuis, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales, die Herfleausforderungen auf den Punkt.<\/p>\n<p><strong>Pflegebericht vorgestellt<\/strong><\/p>\n<p>Ralf Kling, Fachdienstleiter Pflege, stellte den Kreispolitikern den Pflegebericht 2026 vor. Der Pflegebericht wird alle zwei Jahre aus eigenen, aber auch aus Erhebungen externer Quellen wie IT.NRW erstellt, die zeitlich teilweise etwas hinterherhinken. Stand 31. Dezember 2023 waren demnach im M\u00e4rkischen Kreis 32.652 Personen, also insgesamt acht Prozent der Bev\u00f6lkerung, pflegebed\u00fcrftig. Ambulant werden davon 86,9 Prozent (28.380 Personen) versorgt. Kling hob heraus, dass die Zahl der Pflegebed\u00fcrftigen innerhalb von sechs Jahren um rund 79 Prozent gestiegen ist.<\/p>\n<p>\u201eDie Versorgung alter und pflegebed\u00fcrftiger Menschen im M\u00e4rkischen Kreis ist derzeit grunds\u00e4tzlich sichergestellt. Es gibt keinen Grund, Schreckensszenarien auszumalen\u201c, betonte Ralf Kling. \u201eAllerdings haben sich die Versorgungsstrukturen im Kreisgebiet in den vergangenen zwei Jahren nicht entsprechend der st\u00e4ndig wachsenden Anforderungen der Zielgruppen weiterentwickelt.\u201c<\/p>\n<p>Die Suche nach einem station\u00e4ren Platz kann sich im Kreisgebiet mitunter schwierig gestalten. 4.272 pflegebed\u00fcrftige Personen (13,1 Prozent) sind in station\u00e4ren Pflegeeinrichtungen untergebracht. Insgesamt z\u00e4hlt der Kreis 56 station\u00e4re Einrichtungen mit rund 4.400 Pl\u00e4tzen sowie 16 Pflege-Wohngemeinschaften mit 290 Pl\u00e4tzen und sechs Intensiv-Pflege-Wohngemeinschaften mit rund 50 Pl\u00e4tzen. Dazu kommen noch 25 Tagespflegen mit 410 Pl\u00e4tzen und Kurzzeitpflege.<\/p>\n<p><strong>Geringe Wahlm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Insbesondere in den St\u00e4dten und Gemeinden Balve (6,71), Neuenrade (8,24) Halver (9,29), Schalksm\u00fchle (9,55), Altena (10,27), Hemer (10,8) und Herscheid (11,39) liegt die Versorgungsquote allerdings unter zw\u00f6lf Pl\u00e4tzen je 100 Personen im Alter von 80 Jahren und \u00e4lter. Es bestehen oft keine oder wenig Wahlm\u00f6glichkeiten. Nicht selten ist ein Umzug in einen anderen Ort notwendig. Auch die Suche nach einem ambulanten Pflegedienst oder einem Unterst\u00fctzungs- und Betreuungsangebot ist oft nicht einfach und regional sehr unterschiedlich erfolgreich. 4.884 Pflegebed\u00fcrftige (knapp 15 Prozent) werden durch einen der insgesamt 92 ambulanten Pflegedienste im Kreisgebiet versorgt. In Herscheid ist kein Dienst ans\u00e4ssig. Die Versorgung in l\u00e4ndlich gelegenen Gebieten bleibt eine Herausforderung. 4827 Pflegebed\u00fcrftige (14,8 Prozent) nehmen ausschlie\u00dflich Entlastungsleistungen f\u00fcr Hilfen im Alltag in Anspruch. Aktuell sind im Kreisgebiet rund 130 solcher Dienste anerkannt. Die Nachfrage steigt. Allein im vergangenen Jahr wurden 26 Dienste anerkannt. Dabei sind die Angebote im s\u00fcdlichen Kreisgebiet ausbauf\u00e4hig.<\/p>\n<p><strong>Versorgung durch pflegende Angeh\u00f6rige<\/strong><\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Bedeutung bei der ambulanten Versorgung haben pflegende Angeh\u00f6rige. Der \u00fcberwiegende Teil der Pflegebed\u00fcrftigen (57 Prozent oder 18.669 Personen) wird im M\u00e4rkischen Kreis ohne die Inanspruchnahme professioneller Dienste oder Angebote unterst\u00fctzt. Aufgrund der demografischen Entwicklung zeichnet sich allerdings ab, dass die Gruppe der pflegenden Angeh\u00f6rigen in den kommenden Jahren deutlich abnehmen wird, weil sie selbst in die Jahre kommen.<\/p>\n<p>Der Fachdienst Pflege erwartet daher einen wachsenden Bedarf an professioneller Pflege. Insbesondere zwischen 70 und 80 Jahren sowie ab 90 Jahren wird mit einem Zuwachs an pflegebed\u00fcrftigen Seniorinnen und Senioren gerechnet. Es wird prognostiziert, dass die Anzahl der pflegebed\u00fcrftigen Seniorinnen und Senioren ab 2035 um 2000 auf rund 8.800 wachsen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auf diese Herausforderungen muss sich der Gesundheits- und Pflegesektor einstellen und seine Bem\u00fchungen um die Gewinnung und Ausbildung geeigneter Fach- und Arbeitskr\u00e4fte intensivieren. Der Arbeitsmarkt gestaltet sich seit Jahren prek\u00e4r, so Ralf Kling. Weil das erforderliche Personal nicht ausreichend zur Verf\u00fcgung steht, k\u00f6nnen ambulante Pflegedienste zeitweise keine Neukunden mehr aufnehmen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die station\u00e4re Pflege. Hinzu kommt, dass eine hohe Zahl an Pflegemitarbeitern in den kommenden Jahren selbst altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden wird.<\/p>\n<p><strong>Zukunftsinitiative \u201eGute Pflege\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Pflegeplanung des M\u00e4rkischen Kreises unterst\u00fctzt daher im Rahmen ihrer Ressourcen seit Jahren die Unternehmen und Akteure in der Pflegebranche bei ihren Aktivit\u00e4ten, Menschen f\u00fcr die Arbeit in der Pflege zu gewinnen oder die in der Pflege aktiven Menschen auch in der Branche zu halten. Mit dem Ziel, die Versorgung im M\u00e4rkischen Kreis sicherzustellen, starten der M\u00e4rkische Kreis und die agentur mark im Juni 2023 das Kooperationsprojekt \u201eZukunftsinitiative Gute Pflege \u2013 M\u00e4rkischer Kreis\u201c. Beide setzten sich im Ausschuss f\u00fcr Gesundheit und Soziales im L\u00fcdenscheider Kreishaus f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Projekts ein. Kirsten Kling von der agentur mark stellte den Ausschussmitgliedern die Aktivit\u00e4ten und Ergebnisse des bisherigen Projektverlaufs vor und erl\u00e4uterte die Planung f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Projektes. \u201eDer Arbeitsmarkt in der Pflege ist lokal. Daher m\u00fcssen alle Aktivit\u00e4ten zur Versorgungssicherung lokal entfaltet werden. Dazu geh\u00f6rt die St\u00e4rkung der Pflegeanbieter und der dazugeh\u00f6rigen Ausbildungsstruktur\u201c, machte Kirsten Kling deutlich.<\/p>\n<p><strong>Neue Herausforderungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt die Kurve nach oben: Die sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung in Heimen und dem Sozialwesen ist 2025 auf 13.250 Arbeitsverh\u00e4ltnisse gestiegen. Das bedeutet einen Zuwachs von 14 Prozent innerhalb der vergangenen f\u00fcnf Jahre. Dabei liegt die Teilzeitbesch\u00e4ftigung in der Altenpflege mit 62 Prozent \u00fcberproportional hoch. Bei den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen (insgesamt 10.902 Besch\u00e4ftigte) betr\u00e4gt sie nur 35 Prozent. Als ein gutes Signal wertet Kirsten Kling auch die schnellere Anerkennung von Berufsqualifikationen, die im Ausland erworben wurden. Der Referenzberuf Pflegefachkraft f\u00fchrt 2024 in Nordrhein-Westfalen mit 7.968 bearbeiteten Antr\u00e4gen die Top-Liste an, f\u00fcr die ein Antrag auf Anerkennung gestellt wurde.<\/p>\n<p><strong>Nachwuchsgewinnung Handlungsschwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p>In den kommenden Jahren sieht Kirsten Kling nach wie vor den zentralen Handlungsschwerpunkt in der Nachwuchsgewinnung. Sie setzt dabei unter anderem auf die Fortf\u00fchrung des Ansatzes \u201ePflege macht Schule\u201c, bei der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler durch verschiedene Projekte f\u00fcr eine Ausbildung im Gesundheits- und Pflegesektor begeistert werden sollen. Als neue Zielgruppe will die Zukunftsinitiative auch Berufsr\u00fcckkehrerinnen mehr in den Blick nehmen und sich f\u00fcr Angebote f\u00fcr Teilzeitqualifizierungen unter Einbindung von Online-Formaten einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Wachstumsmarkt ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Wachstumsmarkt sieht Kirsten Kling bei Pflegekr\u00e4ften und Auszubildenden aus dem Ausland. In Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberschmiede setzt die agentur mark hier den Fokus auf die Sprachunterst\u00fctzung ausl\u00e4ndischer Auszubildender und Pflegekr\u00e4ften auch mit Einsatz von KI sowie auf eine verbesserte Willkommenskultur.<\/p>\n<p>Weitere Handlungsfelder sind Fortbildungen der Pflegeanbieter in den Bereichen Ausbildung und F\u00fchrung, Unternehmenskultur sowie Digitalisierung. Zudem sollen Lehrkr\u00e4fte auf die neuen Herausforderungen in der Ausbildung vorbereitet werden, um die Ausbildung f\u00fcr junge Leute attraktiver zu gestalten. Neu im Konzept ist auch das Thema der Karrierepfade. Um den Beruf interessanter zu machen, sollen von Anfang an m\u00f6gliche berufliche Aufstiegsm\u00f6glichkeiten durch zus\u00e4tzliche Qualifizierungen aufgezeigt werden. Hierbei sollen die Kooperationen mit Hochschulen ausgebaut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(pmk). 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