{"id":26609,"date":"2026-06-23T11:53:38","date_gmt":"2026-06-23T09:53:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=26609"},"modified":"2026-06-23T11:53:38","modified_gmt":"2026-06-23T09:53:38","slug":"macherland-wo-industrie-geschichte-schreibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/06\/23\/macherland-wo-industrie-geschichte-schreibt\/","title":{"rendered":"\u201eMacherland. Wo Industrie Geschichte schreibt\u201c"},"content":{"rendered":"<h4>Sonderausstellung im Sauerland-Museum bis 4. April 2027<\/h4>\n<p>(PHK). Ausf\u00fchren, umsetzen, herstellen: Das machen die Sauerl\u00e4nder seit jeher \u2013 dabei lassen sie sich auch nicht von widrigen Umst\u00e4nden aufhalten. Im 19. Jahrhundert bringt S\u00fcdwestfalen alles mit, um von der industriellen Revolution zu profitieren: Reichlich Bodensch\u00e4tze, Wasser und Wald. Der Hemmschuh ist die fehlende Eisenbahnverbindung, denn ohne diese kommt keine Kohle aus dem Ruhrgebiet in die Berge, W\u00e4lder und T\u00e4ler entlang der Flussl\u00e4ufe im s\u00fcd\u00f6stlichen Westfalen \u2013 und die Waren kommen auch nicht an die M\u00e4rkte. Trotz Gewerbefreiheit ger\u00e4t die industrielle Entwicklung ins Stocken, bis sich findige Unternehmer und ambitionierte T\u00fcftler zusammenfinden, um 1851 gemeinsam mit Politik und Verwaltung die Handelskammer zu Arnsberg zu begr\u00fcnden. Mit der Gr\u00fcndung der Handelskammer am 11. Juni 1851 war auch der Anlass f\u00fcr diese Sonderausstellung entstanden \u2013 175 Jahre IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland.<\/p>\n<p><strong>1872 erste Eisenbahn<\/strong><\/p>\n<p>Politik, Verwaltung und Unternehmer machen fortan der Entwicklung Dampf: 1872 f\u00e4hrt die erste Eisenbahn durch das Ruhrtal und legt damit den Grundstein f\u00fcr die weitere Industrialisierung, Firmengr\u00fcndungen und wirtschaftliche Prosperit\u00e4t. Zu den Urspr\u00fcngen dieser Entwicklung und der daraus entstehenden besonderen Unternehmenskultur entlang von Hellweg, Ruhr und Lenne entf\u00fchrt das Sauerland-Museum mit einem Blick auf 200 Jahre Industriegeschichte und das Land der &#8222;Hidden Champions&#8220;: Willkommen im &#8222;Macherland&#8220;!<\/p>\n<p><strong>Zur Ausstellung<\/strong><\/p>\n<p>Ausgehend von den vorindustriellen Bedingungen in einem Land voller Bodensch\u00e4tze und nat\u00fcrlicher Ressourcen untersucht die Ausstellung, wie Unternehmen und ihre Arbeitskr\u00e4fte in unserer Region einen anderen Weg der Industrialisierung beschreiten oder aber auch beschreiten m\u00fcssen, um voranzukommen. Im Schatten der schwerindustriellen Entwicklung in den Ballungsr\u00e4umen entlang von Rhein, Ruhr und Wupper spielen immerhin Wasser- und Ressourcenreichtum der Region eine entscheidende Rolle, insbesondere dank der Talsperren. Die Gr\u00fcnder und Macher im Sauerland ergehen sich aber zwangsl\u00e4ufig im unternehmerischen Klein-Klein spezialisierter, teils kleiner Produktionsmengen auf Grundlage gro\u00dfer Handwerkskunst und Erfindungsgeistes \u2013 und dabei verkaufen sie ihre Ware traditionell weiter fu\u00dfl\u00e4ufig und von T\u00fcr zu T\u00fcr. So zieht der eigentliche industrielle Aufschwung erst nach dem Zweiten Weltkrieg in S\u00fcdwestfalen ein, denn nun haben die Firmen alles, was die Menschen der Wirtschaftswunderjahre brauchen \u2013 oder sie erfinden es einfach.<\/p>\n<p><strong>165 &#8222;Hidden Champions&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Heute stehen 165 mittelst\u00e4ndische Unternehmen als sogenannte &#8222;Hidden Champions&#8220; aus S\u00fcdwestfalen und 57 Weltmarktf\u00fchrer allein im Kammergebiet der IHK f\u00fcr die bundesweite industrielle Bedeutung der Region mit Weltmarktf\u00fchrungsanspruch. Ausgangspunkt dieser wirtschaftlichen Bl\u00fcte ist einerseits die besondere westf\u00e4lische Unternehmenskultur der vielen mittelst\u00e4ndischen Familienunternehmen, andererseits die stark handwerklich gepr\u00e4gte Bev\u00f6lkerung mit ihrer Findigkeit, T\u00fcftelneigung und ihrem Improvisationstalent. Daraus entstehen Markenprodukte von Weltrang sowie zahllose innovative und insbesondere nachhaltige L\u00f6sungen f\u00fcr Mensch, Umwelt und Wirtschaft.<\/p>\n<p><strong>Spannende Objekte<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt spannende Objekte aus der Geschichte der heimischen Unternehmen und \u00fcber die Menschen, die dort arbeiteten. Dazu geh\u00f6ren herausragende Entwicklungen, bahnbrechende Produkte und unterhaltsame Dokumente, Fotos und Medien zu Arbeit, Alltag und Kulturgeschichte der Wirtschaft.\u00a0 Dabei gelingt es dem Sauerland-Museum, ma\u00dfgebliche Artefakte zur (fr\u00fch-)industriellen Entwicklung der Region zusammenzutragen wie zum Beispiel ein Federhammer aus einem westf\u00e4lischen Hammerwerk, ein Webstuhl aus der Heimarbeit oder eine Drehmaschine der Firma Oventrop. Jedoch legt die Ausstellung auch einen Schwerpunkt auf die Darstellung industrieller Antriebskr\u00e4fte: Ein nachgebildeter Kohlenmeiler erl\u00e4utert die Bedeutung der Holzkohle f\u00fcr fr\u00fche Schmieden und H\u00fctten, ein Ausflug in das M\u00fchlenwesen unterstreicht die Bedeutung der Wasserkraft f\u00fcr die Industrie und schlie\u00dflich zeigt ein Exponat die Kraft\u00fcbertragung \u00fcber Transmissionsriemen, um auf die Auswirkung der industriellen Revolution durch Dampfkraft hinzuweisen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Medienstationen beleuchten Rolle der IHK<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Doch das ist l\u00e4ngst nicht alles&#8220;, wei\u00df Museumsleiter Dr. Oliver Schmidt, &#8222;denn zu den vielen Unternehmen, die im 19. Jahrhundert entstanden, geh\u00f6ren auch die vielen einfachen und ausgebildeten Facharbeitskr\u00e4fte, die als Belegschaften die Erzeugnisse fertigten, entwickelten und verkauften.&#8220; \u00a0F\u00fcnf Medienstationen beleuchten die Rolle der IHK auf dem industriellen Werdegang der Region. An zehn Branchen verdeutlicht die Ausstellung die vielen Entwicklungswege ma\u00dfgeblicher Unternehmen und ihrer Produkte vom Motorrad \u00fcber den Kleinschnittger bis zur Achterbahnkette.<\/p>\n<p><strong>Highlight Roboter &#8222;Lumi&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonderes Highlight speziell f\u00fcr j\u00fcngere Besucher ist Roboter &#8222;Lumi&#8220;, die im gro\u00dfen Ausstellungsraum &#8222;Westfalen&#8220; zu einer F\u00fchrung auf besondere Weise einl\u00e4dt. Lumi f\u00e4hrt von Station zu Station und erkl\u00e4rt den kleinen und gro\u00dfen Besuchern Einzelheiten zu den ausgestellten Objekten. \u00a0Neben diesem Interaktionsroboter umfasst die Ausstellung weitere spielerische Medienstationen und aktivierende Elemente, die an Science-Centre-Exponate erinnern und sich speziell an Familien mit Kindern richten.\u00a0Konzipiert wird die Ausstellung gemeinsam mit dem Gestaltungsb\u00fcro S\u00fcdstudio aus Stuttgart und ist gepr\u00e4gt von einem klaren und industriellen Stil, der die Exponate bewusst in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>F\u00f6rderer<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung wird anl\u00e4sslich ihres 175-j\u00e4hrigen Bestehens von der IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland gesponsert und von der LWL-Kulturstiftung gef\u00f6rdert. \u00a0&#8222;Erneut beleuchtet das Sauerland-Museum mit &#8222;Macherland&#8220; ein gesellschaftsrelevantes Thema &#8211; den industriellen Wandel aus regionaler Perspektive, verkn\u00fcpft im Begleitprogramm mit aktuellem Zeitgeschehen. Durch diesen Ansatz kann kulturelles historisches Erbe zur Basis f\u00fcr neue Perspektiven auf heutige Diskurse werden&#8220;, erl\u00e4utert Dr. Georg Lunemann, der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung. Nach den Ausstellungen zur Hexenverfolgung und Demokratiegeschichte f\u00f6rdert die LWL-Kulturstiftung das Sauerland-Museum zum dritten Mal und unterst\u00fctzt das Projekt mit 75.000 Euro. &#8222;Die Ausstellung erz\u00e4hlt von Menschen, die mit Mut zur Innovation und besonderer Verbundenheit zu S\u00fcdwestfalen den technischen Fortschritt pr\u00e4gten &#8211; diese Kraft ist Motor f\u00fcr unser Leben heute und morgen&#8220;, so Lunemann weiter.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Vermittlungsprogramme f\u00fcr Schulen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr alle Schulformen und Jahrgangsstufen bietet das Museum ein umfangreiches Vermittlungsprogramm an. Junge Sch\u00fcler entdecken, wie Erz, Holz und Wasser das Sauerland zu einer Industrieregion gemacht haben. Jugendliche und erwachsene Sch\u00fcler erforschen, was viele Sauerl\u00e4nder Familienunternehmen zu &#8222;Hidden Champions&#8220; gemacht hat. Sie lernen zudem die bedeutenden heimischen Wirtschaftszweige kennen und entwickeln Zukunftsszenarien.<\/p>\n<p>Und auch die ganz jungen Besucher werden nicht vergessen. Klangdetektive entdecken im Macherland die Ger\u00e4usche der Arbeit und finden damit einen eher spielerischen Zugang zur Ausstellung. Dr. Ulrike Schowe, stellvertretende Museumsleiterin, verantwortet die Konzeption der Programme: &#8222;Als au\u00dferschulischer Lernort m\u00f6chten wir mit unseren Vermittungsprogrammen den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern die heimische Wirtschafts- und Kulturgeschichte plastisch n\u00e4her bringen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Rahmenprogramm<\/strong><\/p>\n<p>Besonders im Rahmenprogramm werden die Auswirkungen gegenw\u00e4rtiger Krisen und k\u00fcnftiger Entwicklungen von Wirtschaft und Arbeit als zentrale S\u00e4ulen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Blick genommen. Neben vertiefenden Vortr\u00e4gen hierzu bietet das Museum auch einen Workshop &#8222;Letterpress&#8220; oder die beliebten lyrischen F\u00fchrung mit dem Titel &#8222;Maschinenpoesie&#8220; an. Regelm\u00e4\u00dfige \u00f6ffentliche F\u00fchrungen \u2013 auch als Familienf\u00fchrung \u2013 runden das Angebot ab. Konkrete Termine und weitere Informationen sind abrufbar auf der Homepage unter sauerland-museum.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonderausstellung im Sauerland-Museum bis 4. April 2027 (PHK). 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