{"id":27303,"date":"2026-07-29T16:42:29","date_gmt":"2026-07-29T14:42:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=27303"},"modified":"2026-07-29T16:42:29","modified_gmt":"2026-07-29T14:42:29","slug":"hoher-handlungsdruck-zur-konsolidierung-des-haushaltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/07\/29\/hoher-handlungsdruck-zur-konsolidierung-des-haushaltes\/","title":{"rendered":"Hoher Handlungsdruck zur Konsolidierung des Haushaltes"},"content":{"rendered":"<h4><strong>\u00dcber\u00f6rtliche Pr\u00fcfung der Stadt Altena durch die gpaNRW<\/strong><\/h4>\n<p>(EB). Im Rahmen der turnusm\u00e4\u00dfigen Pr\u00fcfungen von Kommunen in NRW durch die Gemeindepr\u00fcfungsanstalt (gpaNRW) wurden j\u00fcngst auch im Rechnungspr\u00fcfungsausschuss der Stadt Altena die von der gpaNRW analysierte Haushaltssituation und die Pr\u00fcfungsergebnisse vorgestellt. Pr\u00fcfer Martin Dornseifer (KKM, GA), Projektleiterin Anika Wolff und Michael Esken, Pr\u00e4sident der gpaNRW, pr\u00e4sentierten der Lokalpolitik die Ergebnisse aus den untersuchten Pr\u00fcfgebieten und Handlungsfeldern.<\/p>\n<p><strong>Seit 2024 wieder Defizite<\/strong><\/p>\n<p>Die globalen Krisen und schwache Konjunktur, fehlende Steuereinnahmen und zugleich steigende Transferaufwendungen sowie Personal- und Versorgungsaufwendungen belasten auch die Haushaltssituation der Stadt Altena. Nach einigen positiven Jahresergebnissen, die erstmals wieder zu einem positiven Eigenkapital gef\u00fchrt haben, hat sich die Situation ab 2024 wieder mit deutlichen Defiziten ge\u00e4ndert. Die Plandaten zeigen, dass auch f\u00fcr den mittleren Betrachtungszeitraum bis 2028 eine durchweg negative Entwicklung der Haushaltssituation erwartet wird. \u201eAltena muss weitere Konsolidierungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Haushaltssicherungskonzept finden. Der Handlungsdruck ist somit hoch\u201c, stellt Michael Esken fest.<\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Anstieg der Schulden erwartet<\/strong><\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Belastung ergibt sich in Altena durch die Gesamtverbindlichkeiten. Diese sind h\u00f6her als bei den meisten Vergleichsst\u00e4dten. Die Plandaten mit n\u00f6tigen Investitionen f\u00fcr Sanierungsma\u00dfnahmen lassen einen weiteren Anstieg der Schulden mit steigender Kapitaldienstbelastung erwarten, auch wenn die Hilfen durch das Altschuldenentlastungsgesetz f\u00fcr eine einmalige Entlastung in 2026 sorgen.<\/p>\n<p><strong>Zielgerichtete Haushaltssteuerung<\/strong><\/p>\n<p>Zur Konsolidierung tr\u00e4gt eine zielgerichtete Haushaltssteuerung bei. Hierbei gewinnt allge-mein der Aspekt der Nachhaltigkeit an Bedeutung. Um dies zu unterst\u00fctzen, m\u00f6chte die Stadt Altena die Planung der finanziellen Ressourcen noch st\u00e4rker mit Nachhaltigkeitszielen und -kennzahlen verkn\u00fcpfen. Vor Investitionsentscheidungen f\u00fchrt die Stadt Altena in Teilen Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durch. Da diese dezentral von den jeweils zust\u00e4ndigen Fachdiensten erstellt werden, empfiehlt die gpaNRW, hierf\u00fcr Wertgrenzen und Mindeststandards zu definieren. Zudem sollte die Stadt vorsorglich den vorhandenen verbindlichen Handlungsrahmen f\u00fcr ihr Kreditmanagement um Hinweise f\u00fcr das Anlagemanagement erweitern.<\/p>\n<p><strong>Automatisierungsgrad in der Zahlungsabwicklung steigern<\/strong><\/p>\n<p>In den Handlungsfeldern Zahlungsabwicklung und Vollstreckung zeigen sich f\u00fcr die Stadt Altena einige Optimierungsm\u00f6glichkeiten. In der Zahlungsabwicklung sind die Aufwendungen vergleichsweise hoch, da manuelle Arbeiten, die zum Beispiel in Zusammenhang mit ungekl\u00e4rten Einzahlungen stehen, einen hohen Arbeitsaufwand verursachen. Um die Effizienz zu erh\u00f6-hen, sollte die Stadt anstreben, den Automatisierungsgrad in der Zahlungsabwicklung zu steigern. Dies w\u00fcrde sich auch positiv auf die Prozesse in der Forderungsabwicklung auswirken. Bei der Vollstreckung liegen Personaleinsatz und Aufwendungen interkommunal im durchschnittlichen Bereich. Dabei erreicht die Stadt Altena eine hohe Erfolgsquote. Den hohen Bestand bestehender Vollstreckungsforderungen sollte sie weiter abbauen.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6glichkeit digitaler Gremiensitzungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufwendungen f\u00fcr die Gremienarbeit der Stadt Altena liegen trotz verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig weniger Sitzungstermine interkommunal auf \u00fcberdurchschnittlichem Niveau. Die Gremienstruktur stellt sich weitgehend unauff\u00e4llig dar. Die Stadt Altena sollte kurzfristig \u2013 wie beabsichtigt \u2013 ihre Hauptsatzung \u00e4ndern und an die rechtlichen Voraussetzungen anpassen. Die Gremienarbeit ist in Altena bereits weitgehend digitalisiert. Die Stadt hat formale Voraussetzungen f\u00fcr digitale und hybride Sitzungen geschaffen, um die Handlungsf\u00e4higkeit des Rates in Krisensituationen sicherzustellen. Perspektivisch sollte sie sich mit den dazu notwendigen technischen Voraussetzungen befassen.<\/p>\n<p><strong>Strategien bei Personal und Digitalisierung n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Im Pr\u00fcfgebiet Personal, Organisation und Informationstechnik zeigt sich, dass die Stadt Altena Grundlagen geschaffen hat, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Es fehlt vielfach aber noch an Strategien zur Bew\u00e4ltigung der Personalfluktuation aufgrund der demografischen Entwicklung bei geleichzeitigem Fachkr\u00e4ftemangel sowie der steigenden Anforderungen an die Digitalisierung und die IT-Sicherheit. Im Hinblick auf Personalentwicklung und -management kann Altena die bestehenden Strukturen verbessern, indem sie ihr Wissensmanagement weiter ausbaut. Zudem sollte sie sich der M\u00f6glichkeiten bewusst sein, die eine interkommunale Zusammenarbeit grunds\u00e4tzlich bietet. Ein zentrales Prozessmanagement zur Optimierung der Verwaltungsabl\u00e4ufe ist in Altena nicht installiert. Auch Aspekte zur Aufgabenerledigung erfolgen eher anlassbezogen als systematisch. Dies bietet ebenfalls Optimierungspotenzial. Die Stadt Altena erreicht bisher ein niedriges Digitalisierungsniveau ihrer Dienstleistungen und sollte daran arbeiten, die Homepage der Stadt und das Serviceportal nach dem Cyber-Angriff auf den IT-Dienstleister wieder aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>Krisenmanagement hat viel Optimierungspotenzial<\/strong><\/p>\n<p>Krisensituationen wie die Flutkatastrophe oder den Cyber-Angriff musste die Stadt Altena in der Vergangenheit bew\u00e4ltigen. Die Stadt beabsichtigt, die Erkenntnisse daraus zusammen mit den Handlungsempfehlungen der gpa zu nutzen, um ein Krisenmanagement aufzubauen und kon-krete Risiken f\u00fcr das Stadtgebiet zu eruieren. Bisher fehlt es der Stadt an formellen und \u00fcber-greifenden Konzepten. Dazu sollte sie zun\u00e4chst eine Dienstanweisung f\u00fcr den Stab f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnliche Ereignisse (SAE) aufstellen und den SAE personell besetzen. Gro\u00dfes Potenzial zur Verbesserung gibt es zudem bei den Bew\u00e4ltigungsstrategien, der Identifizierung von Risiken sowie bei Schulungen und \u00dcbungen, die auf den Krisenfall vorbereiten, sowie bei deren strukturierter Nachbereitung. Dar\u00fcber hinaus sollte sich die Stadt Altena mit der Kommunikation und der Handlungsf\u00e4higkeit der Verwaltung im Krisenfall besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Fachsoftware kann Jugendhilfe entlasten<\/strong><\/p>\n<p>Die Haushaltsbelastung bei den gestiegenen Aufwendungen f\u00fcr die Hilfen zur Erziehung ist bei der Stadt Altena h\u00f6her als in den meisten Vergleichsst\u00e4dten. Zus\u00e4tzlich zu der h\u00f6heren Falldichte belastet die Stadt Altena der vergleichsweise h\u00f6here Anteil station\u00e4rer Hilfen im Vergleich zu den ambulanten Hilfen. Die Personalsituation in der Wirtschaftlichen Jugendhilfe (WiJu) stellt sich aufgrund der Gr\u00f6\u00dfendimension des Jugendamtes besonders dar. Die Stadt sollte eine Stellenbemessung vornehmen und auch Arbeitshilfen und Abl\u00e4ufe verschriftlichen. Eine effizientere und entlastende Fallbearbeitung der WiJu w\u00e4re mit dem Einsatz einer Fachsoftware gegeben, die auch die digitale Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Der Austausch zwischen WiJu und ASD ist aufgrund der \u00f6rtlichen N\u00e4he sehr gut, die WiJU wird sehr fr\u00fch in den Hilfeprozess eingebunden. Eine Digitalisierung der Abl\u00e4ufe k\u00f6nnte hilfreich f\u00fcr ein Finanzcontrolling sein. Die Stadt Altena sollte zudem Kos-tenerstattungen differenzierter ausweisen, um Kenntnisse f\u00fcr die Steuerung zu erlangen. \u201eWir sehen ihre Bem\u00fchungen, um bei anhaltenden Belastungen den Haushalt ihrer Kommune zu sanieren. Unsere Pr\u00fcfungsergebnisse und Optimierungsvorschl\u00e4ge k\u00f6nnen Sie dabei unterst\u00fctzen. Zudem stehen wir Ihnen mit unserer Expertise bei Bedarf gerne individuell weiter zur Seite\u201c, so gpa-Pr\u00e4sident Michael Esken.<\/p>\n<p><strong>Nehmen die Hinweise ernst<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Guido Thal erkl\u00e4rt zu den Ergebnissen der gpaNRW: \u201eIch danke der Gemeindepr\u00fcfungsanstalt f\u00fcr den kritischen Blick von au\u00dfen. Die Ergebnisse zeigen, dass wir trotz oder gerade wegen der schwierigen Haushaltslage zielgerichtet investieren und verantwortungsvoll handeln m\u00fcssen. Wir nehmen die Hinweise ernst, setzen notwendige Ma\u00df-nahmen z\u00fcgig um und entwickeln unsere Stadt auch in der Zukunft nachhaltig weiter \u2013 transparent, fair und gemeinsam mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.\u201c<\/p>\n<p><strong>Infos zur gpaNRW und deren turnusgem\u00e4\u00dfen Pr\u00fcfung<\/strong><\/p>\n<p>Die gpaNRW hat die Stadt Altena im Rahmen der turnusgem\u00e4\u00dfen Pr\u00fcfung aller mittleren kreis-angeh\u00f6rigen Kommunen mit einer Einwohnerzahl von bis zu 60.000 in folgenden Pr\u00fcfgebieten untersucht:<\/p>\n<ul>\n<li>Finanzen<\/li>\n<li>Zahlungsabwicklung und Vollstreckung<\/li>\n<li>Gremienarbeit<\/li>\n<li>Personal, Organisation und IT<\/li>\n<li>Kommunales Krisenmanagement<\/li>\n<li>Hilfe zur Erziehung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Feststellungen und Empfehlungen der gpaNRW zu den thematischen Handlungsfeldern sind im Pr\u00fcfungsbericht f\u00fcr die Stadt Altena zusammengefasst.<\/p>\n<p>Die gpaNRW ist Teil der staatlichen Aufsicht des Landes \u00fcber die Kommunen und wurde im Jahr 2003 gegr\u00fcndet. Sie hat ihren Sitz in Herne. Ihr ist durch Gesetz und Gemeindeordnung die \u00fcber\u00f6rtliche Pr\u00fcfung aller 396 Kommunen, der 30 Kreise sowie der St\u00e4dteregion Aachen, der beiden Landschaftsverb\u00e4nde und des Regionalverbandes Ruhr (RVR) \u00fcbertragen. Pr\u00e4si-dent der gpaNRW ist seit 15. September 2023 B\u00fcrgermeister a. D. Michael Esken. Die ausf\u00fchrlichen Pr\u00fcfungsberichte mit allen Pr\u00fcfgebieten, Handlungsfeldern und Empfehlun-gen ver\u00f6ffentlicht die gpaNRW unter <a href=\"http:\/\/www.gpa.nrw.de\/\">www.gpa.nrw.de.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber\u00f6rtliche Pr\u00fcfung der Stadt Altena durch die gpaNRW (EB). 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