{"id":27306,"date":"2026-07-29T17:00:52","date_gmt":"2026-07-29T15:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=27306"},"modified":"2026-07-29T17:00:52","modified_gmt":"2026-07-29T15:00:52","slug":"chancen-schaffen-verantwortung-uebernehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/07\/29\/chancen-schaffen-verantwortung-uebernehmen\/","title":{"rendered":"Chancen schaffen, Verantwortung \u00fcbernehmen"},"content":{"rendered":"<p>(EB). F\u00fcr viele junge Menschen beginnt in diesen Wochen ein neuer Lebensabschnitt: Der Start in die Berufsausbildung. Doch der Zugang dazu ist alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Aktuelle Zahlen der Agentur f\u00fcr Arbeit im M\u00e4rkischen Kreis zeigen: Trotz vieler Bewerbungen bleiben hunderte Ausbildungspl\u00e4tze unbesetzt \u2013 insbesondere bei uns im Kreis schrumpft das Angebot, soweit der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Der fordert deshalb: Arbeitgeber und Politik m\u00fcssen endlich handeln.<\/p>\n<p><strong>Ausbildungspl\u00e4tze r\u00fcckl\u00e4ufig<\/strong><\/p>\n<p>Im Juni 2026 meldeten Betriebe im MK 1.932 Ausbildungspl\u00e4tze \u2013 ein deutlicher R\u00fcckgang um 16 % bzw. 367 Pl\u00e4tze im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Anzahl an Bewerberinnen und Bewerbern um 10,5 % auf 2.214 Personen (+210 absolut). Damit muss man eine negative Trendwende feststellen: Traditionell hatte es im M\u00e4rkischen Kreis bisher mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber gegeben. W\u00e4hrend die unversorgten Bewerber immer mehr werden (+8 % auf 918), bleiben auf der anderen Seite dennoch 959 Stellen unbesetzt. Trotz steigender Bewerbungen bleiben viele Stellen leer. Das zeigt: Das Problem ist nicht die unwillige Jugend \u2013 sondern ein System, das an ihnen vorbeiplant. Es gibt keine einfache \u201eNachfragel\u00fccke\u201c, sondern ein massives Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt, so der Gewerkschaftsbund<\/p>\n<p><strong>Warum finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ausbildungspl\u00e4tze werden zum Sparposten: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten reduzieren Betriebe ihr Ausbildungsangebot h\u00e4ufig zuerst \u2013 obwohl gerade dann in den Fachkr\u00e4ftenachwuchs investiert werden m\u00fcsste.<\/li>\n<li>Auswahlkriterien sind zu eng: Viele Betriebe suchen vermeintlich \u201epassende\u201c oder bereits nahezu fertige Bewerberinnen und Bewerber, statt jungen Menschen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten zu er\u00f6ffnen.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung und Qualit\u00e4t fehlen: Jugendliche mit Unterst\u00fctzungsbedarf, schw\u00e4cheren Schulabschl\u00fcssen oder Sprachbarrieren werden h\u00e4ufig fr\u00fchzeitig aussortiert. Zugleich beeinflussen Ausbildungsqualit\u00e4t, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven die Entscheidung junger Menschen.<\/li>\n<li>Orientierung und Vermittlung greifen zu sp\u00e4t: Berufsorientierung erreicht nicht alle Jugendlichen rechtzeitig. Dadurch bleiben Chancen ungenutzt und Bewerbungsprozesse scheitern.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00a0Sebastian Cramer (Jugendbildungsreferent DGB Ruhr-Mark):<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWas wir brauchen, sind Arbeitgeber, die wirklich ausbilden wollen \u2013 und keine, die fertige Fachkr\u00e4fte direkt aus der Schule erwarten. Nat\u00fcrlich sehen wir, dass junge Menschen heute mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Ausbildung starten. Aber gerade mit Blick auf den Fachkr\u00e4ftemangel von morgen m\u00fcssen wir jungen Menschen eine Chance geben \u2013 auch wenn sie nicht zu 100 % auf die Stellenanforderungen passen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das fordert der DGB:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Gesetzliche Ausbildungsgarantie f\u00fcr alle Jugendlichen<\/li>\n<li>Verbindliche Ausbildungsquoten und solidarische Umlagefinanzierung<\/li>\n<li>Qualitative Standards sichern \u2013 mit Ausbildungskonzepten, Anleitung und Mitbestimmung<\/li>\n<li>St\u00e4rkere Berufsorientierung und passgenaue Vermittlung<\/li>\n<li>F\u00f6rderung \u00fcberbetrieblicher Ausbildung in strukturschwachen Regionen<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Gewerkschaften \u2013 starke Partner vor Ort<\/strong><\/p>\n<p>Die Gewerkschaften im DGB sind die direkten Ansprechpartner f\u00fcr Auszubildende. Sie bieten:<\/p>\n<ul>\n<li>Tarifvertr\u00e4ge mit gerechter Ausbildungsverg\u00fctung durch Verhandlung mit Arbeitgebern<\/li>\n<li>Rechtsberatung und Rechtsschutz bei Konflikten im Betrieb<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung bei \u00dcbernahme, Pr\u00fcfungen, JAV-Arbeit sowie Fragen zur Ausbildungsqualit\u00e4t und zum Ausbildungsrecht<\/li>\n<li>Seminare, Netzwerke und pers\u00f6nliche Begleitung<\/li>\n<li>Solidarit\u00e4t bei Diskriminierung, Krisen sowie Hilfe bei Fragen zu \u00dcberstunden, Urlaub, Ausbildungsverg\u00fctung und dem Leben neben der Ausbildung<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Manuel Bunge-Altenberg, Vorsitzender DGB M\u00e4rkischer Kreis:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Gewerkschaften sind starke Partner und verl\u00e4ssliche Unterst\u00fctzer f\u00fcr Auszubildende \u2013 mit Beratung, Schutz und Engagement, wenn es darauf ankommt. Als Sozialpartner gestalten wir Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben \u2013 fair, sicher und zukunftsf\u00e4hig. Dazu geh\u00f6rt es auch, die Betriebe immer wieder an ihre Verantwortung zu erinnern. Bei jetzt schon 18.500 Arbeitslosen im M\u00e4rkischen Kreis ist ein weiterer Abbau von Ausbildungspl\u00e4tzen eine denkbar schlechte Perspektive f\u00fcr die junge Generation.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fazit: Verantwortung \u00fcbernehmen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWer heute nicht ausbildet, versch\u00e4rft den Fachkr\u00e4ftemangel von morgen. Ausbildung ist keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Region. Wer nur Idealbewerberinnen und Idealbewerber sucht, vergibt Chancen. Es braucht jetzt einen Kurswechsel: Mehr Offenheit, mehr Verantwortung \u2013 und echte Chancen f\u00fcr alle jungen Menschen.\u201c, so Manuel Bunge-Altenberg abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(EB). 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