{"id":27505,"date":"2026-08-14T10:06:52","date_gmt":"2026-08-14T08:06:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=27505"},"modified":"2026-08-14T10:06:52","modified_gmt":"2026-08-14T08:06:52","slug":"buerokratie-wachstumsbremse-fuer-das-handwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/08\/14\/buerokratie-wachstumsbremse-fuer-das-handwerk\/","title":{"rendered":"B\u00fcrokratie Wachstumsbremse f\u00fcr das Handwerk"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Ergebnisse der Umfrage der Kreishandwerkerschaft MK<\/strong><\/h4>\n<p>(EB). B\u00fcrokratie z\u00e4hlt seit Jahren zu den gr\u00f6\u00dften Belastungen f\u00fcr das Handwerk. Eine aktuelle Umfrage der Kreishandwerkerschaft M\u00e4rkischer Kreis unter rund 1.000 Innungsfachbetrieben zeigt deutlich: Dokumentationspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren und immer komplexere gesetzliche Vorgaben binden erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Rund jeder 10. Betrieb beteiligte sich an der Umfrage und lieferte damit ein aussagekr\u00e4ftiges Stimmungsbild aus der handwerklichen Praxis.<\/p>\n<p><strong>Beispiele geschildert<\/strong><\/p>\n<p>Abgefragt wurden zentrale b\u00fcrokratische Themenfelder des betrieblichen Alltags, darunter Dokumentations- und Nachweispflichten, Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren, rechtliche und steuerliche Vorgaben, Arbeitsschutz, Datenschutz, F\u00f6rdermittel, \u00f6ffentliche Ausschreibungen, Umweltauflagen sowie b\u00fcrokratische Anforderungen im Bereich der Ausbildung. Erg\u00e4nzend hatten die Betriebe die M\u00f6glichkeit, ihre Erfahrungen, konkrete Beispiele und Verbesserungsvorschl\u00e4ge zu schildern. Die Bewertung erfolgte anhand des Schulnotensystems (1 = geringe Belastung, 6 = sehr hohe Belastung). Das Ergebnis f\u00e4llt eindeutig aus: Nahezu alle abgefragten Themenfelder erreichen im Durchschnitt die Note 5 und werden damit als stark belastend bewertet.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrokratie bindet wertvolle Arbeitszeit<\/strong><\/p>\n<p>Besonders kritisch beurteilten die Betriebe Dokumentations- und Nachweispflichten sowie Genehmigungsverfahren. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer berichteten, dass Gef\u00e4hrdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Pr\u00fcfprotokolle, Datenschutzdokumentationen sowie zahlreiche Meldungen und Nachweise gegen\u00fcber Beh\u00f6rden einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen. Viele gaben an, inzwischen mehr Zeit mit der Dokumentation als mit ihrer eigentlichen Arbeit zu verbringen.<\/p>\n<p><strong>Anforderungen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls als besonders belastend werden Arbeitsschutz, steuerliche Vorgaben und rechtliche Vorschriften bewertet. Die Kritik richtete sich dabei ausdr\u00fccklich nicht gegen den Zweck der Regelungen, sondern gegen deren Umfang, Komplexit\u00e4t und die Vielzahl erforderlicher Nachweise. Vor allem kleine und mittlere Handwerksbetriebe empfinden die Anforderungen h\u00e4ufig als unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage lag auf der Bearbeitungsdauer beh\u00f6rdlicher Verfahren. Zahlreiche Betriebe berichteten von monatelangen Genehmigungsverfahren, langen Wartezeiten bei Schwertransportgenehmigungen oder komplizierten F\u00f6rderverfahren. Die Folgen sind verz\u00f6gerte Projekte, gebundene Kapazit\u00e4ten, Umsatzverluste und zus\u00e4tzliche Kosten.<\/p>\n<p><strong>Erhebliche wirtschaftliche Belastungen<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fcrokratie verursacht nach Angaben der Betriebe erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Neben zus\u00e4tzlichem Personal- und Verwaltungsaufwand entstehen Kosten f\u00fcr externe Beratung, Schulungen und Pr\u00fcfungen. Verz\u00f6gerte Genehmigungen f\u00fchren zudem zu Projektverschiebungen, Umsatzverlusten und gebundenen Kapazit\u00e4ten. Einzelne Betriebe beziffern ihre B\u00fcrokratiekosten auf mehrere tausend Euro pro Jahr. Ein deutliches Signal senden die Betriebe auch hinsichtlich der Digitalisierung: Digitale Verfahren werden ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dft \u2013 allerdings nur dann, wenn sie tats\u00e4chlich zu Vereinfachungen f\u00fchren. Gefordert werden einheitliche digitale Portale, medienbruchfreie Verfahren, weniger unterschiedliche Plattformen sowie ein besserer Datenaustausch zwischen Beh\u00f6rden. Digitalisierung darf aus Sicht der Betriebe nicht dazu f\u00fchren, dass bestehende B\u00fcrokratie lediglich digital abgebildet oder sogar ausgeweitet wird.<\/p>\n<p><strong>Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung<\/strong><\/p>\n<p>Die Umfrage macht deutlich, dass B\u00fcrokratie eine der gr\u00f6\u00dften strukturellen Herausforderungen des Handwerks ist. Die Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Gesetze oder Beh\u00f6rden, sondern gegen die Summe der Vorschriften, Dokumentationspflichten und Verwaltungsverfahren, die den betrieblichen Alltag zunehmend erschweren. Besonders kleine und mittlere Handwerksbetriebe verf\u00fcgen h\u00e4ufig nicht \u00fcber eigene Verwaltungsabteilungen. Die b\u00fcrokratischen Aufgaben werden daher unmittelbar von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie ihren Fachkr\u00e4ften \u00fcbernommen \u2013 zulasten von Produktivit\u00e4t, Wertsch\u00f6pfung und Kundenservice.<\/p>\n<p><strong>Erwartungen klar formuliert<\/strong><\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen zugleich klar auf, welche Erwartungen das Handwerk an Politik und Verwaltung richtet: weniger Dokumentations- und Nachweispflichten, schnellere und einheitliche Genehmigungsverfahren, praxistaugliche Regelungen, eine konsequente Digitalisierung sowie mehr Vertrauen und Eigenverantwortung anstelle zus\u00e4tzlicher Kontrollb\u00fcrokratie. Ein wirksamer B\u00fcrokratieabbau w\u00fcrde nicht nur die Betriebe entlasten, sondern zugleich Fachkr\u00e4fte freisetzen, Investitionen erleichtern und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Handwerks nachhaltig st\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Signal aus der Praxis<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse der Umfrage sind ein deutliches Signal aus der handwerklichen Praxis. Unsere Betriebe wollen sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, stattdessen verbringen sie immer mehr Zeit mit Formularen, Nachweisen und Verwaltungsaufgaben. B\u00fcrokratieabbau ist eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, dass unsere Betriebe auch k\u00fcnftig wettbewerbsf\u00e4hig bleiben und gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr ihre Kunden und die Ausbildung junger Menschen haben\u201c, so Markus M\u00e4rtens, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft MK.<\/p>\n<p><strong>Arbeitskreis wird eingerichtet<\/strong><\/p>\n<p>Um die Ergebnisse der Umfrage in konkrete Handlungsempfehlungen zu \u00fcberf\u00fchren, richtet die Kreishandwerkerschaft einen Arbeitskreis ein. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Innungsfachbetriebe sollen die identifizierten Problemfelder weiter vertieft und konkrete L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge erarbeitet werden. Ziel ist es, praxisnahe Vorschl\u00e4ge zu entwickeln und diese gegen\u00fcber Politik, Verwaltung und weiteren Entscheidungstr\u00e4gern einzubringen. Die Umfrage bildet hierf\u00fcr die Grundlage und den Auftakt eines kontinuierlichen Dialogs mit dem Handwerk vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Ergebnisse zum Staatssekret\u00e4r\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zudem wurden die Ergebnisse auch an Dr. Bernd Schulte, Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Bundesangelegenheiten und Medien sowie Amtschef der Staatskanzlei des Landes NRW, \u00fcbermittelt, mit dem die Kreishandwerkerschaft den Austausch zum Thema B\u00fcrokratieabbau fortsetzen und die Ergebnisse des Arbeitskreises teilen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ergebnisse der Umfrage der Kreishandwerkerschaft MK (EB). 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