{"id":27517,"date":"2026-08-14T11:55:46","date_gmt":"2026-08-14T09:55:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mk-journal.de\/?p=27517"},"modified":"2026-08-14T11:55:46","modified_gmt":"2026-08-14T09:55:46","slug":"ein-leben-zwischen-praxis-und-bande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mk-journal.de\/index.php\/2026\/08\/14\/ein-leben-zwischen-praxis-und-bande\/","title":{"rendered":"Ein Leben zwischen Praxis und Bande"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Roosters-Mannschaftsarzt Dr. Jochen Veit geht in seine 20. Saison<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Von Hendrik Klein<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es nach Dr. Jochen Veit geht, kann die Saison f\u00fcr die Iserlohn Roosters in der PENNY-DEL beginnen. \u201eAlle Spieler sind gesundheitlich in guter Verfassung\u201c, so das Urteil des Mediziners. Er muss es wissen, der 54-J\u00e4hrige ist ausgewiesener Sportmediziner und geht in seine mittlerweile 20. Saison bei den Sauerl\u00e4ndern. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern mit Arztpraxis im m\u00fcnsterl\u00e4ndischen Nordwalde erinnert sich noch genau an sein erstes Heimspiel in der Saison 2007\/2008 am Seilersee: \u201eDas ging seinerzeit mit 9:10 gegen die damaligen Sinupret Ice Tigers aus N\u00fcrnberg verloren.\u201c Karsten Mende, Manager der Roosters, habe ihm danach gesagt: \u201eDoc, glaube mal nicht, dass es in jedem Spiel so geht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eltern hatten abgeraten<\/strong><\/p>\n<p>Der Eishockey-Sport habe ihn schon als Kind begeistert, verr\u00e4t der Facharzt f\u00fcr Allgemeinmedizin mit Zusatzausbildung als Sportmediziner und f\u00fcr die Chirotherapie.\u00a0 \u201eMeine Eltern haben dringend abgeraten \u2013 die Spieler h\u00e4tten doch alle eine krumme Nase\u201c, erinnert sich Dr. Jochen Veit. Vom Eishockey-Virus war er dann aber endg\u00fcltig befallen, als er im Rahmen eines Sch\u00fcleraustauschs in der kanadischen Provinz Alberta zum Training des dortigen Eishockey-Teams mitgenommen wurde.<\/p>\n<p><strong>16 Jahre Zeitsoldat<\/strong><\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst gab es andere Priorit\u00e4ten f\u00fcr Dr. Jochen Veitz. Nach dem Abitur ging es 1991 zun\u00e4chst zur Bundeswehr. 16 Jahre war er Zeitsoldat. Voraussetzung f\u00fcr die sportmedizinische Zusatzausbildung war die medizinische Betreuung eines Vereins. Die Wahl fiel auf den Fu\u00dfball-Bezirksligisten 1.FC Nordwalde. In Nordwalde betreibt er seine Arztpraxis gemeinsam mit einem Kollegen. \u201eWenn es meine Zeit erlaubt, dann gehe ich immer noch zu den Spielen meines Fu\u00dfballvereins \u2013 zum Beispiel, wenn die Roosters ausw\u00e4rts antreten\u201c, sagt Dr. Jochen Veit.<\/p>\n<p><strong>Einstieg in Oberhausen<\/strong><\/p>\n<p>Die Liebe zum Eishockey erkaltete deshalb jedoch nie. \u00dcber den Verein der \u201eDeutschen Eishockey-\u00c4rzte e.V.\u201c bekam der 54-J\u00e4hrige Kontakt zu Dr. Strich. \u201eDer war Teamarzt der damaligen Revierl\u00f6wen Oberhausen.\u201c Dass er nach seinen Anf\u00e4ngen dort von der Mannschaft auf seine Frage \u201eWo ist denn Dr. Strich?\u201c die Antwort bekam: \u201cDu bist jetzt unser Mannschaftsarzt\u201c, war dann doch \u00fcberraschend. Zwei Jahre, von 2004 bis 2006, blieb Dr. Jochen Veit in Diensten der Revierl\u00f6wen Oberhausen, die im Jahr 2007 Konkurs anmelden mussten. \u00dcber den Herner EV \u2013 2006\/2007 &#8211; f\u00fchrte sein Weg schlie\u00dflich an den Seilersee nach Iserlohn.<\/p>\n<p><strong>Nachfolger von Dr. Thomas Schmidt<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch hatte in der Eishockey-News gelesen, dass Roosters-Mannschaftsarzt Thomas Schmidt aufh\u00f6ren m\u00f6chte. Also habe ich Karsten Mende angerufen\u201c, erinnert sich Dr. Jochen Veit. Der Roosters-Manager meldete sich allerdings erst nach \u201emehreren penetranten Versuchen\u201c zur\u00fcck. Man traf sich, man wurde sich einig. Das passte dem Mediziner aus dem M\u00fcnsterland gut, weil im Juli 2007 sein Vertrag bei der Bundeswehr ausgelaufen war. Somit war die Spielzeit 2007\/2008 die erste f\u00fcr Dr. Jochen Veit als Mannschaftsarzt bei den Sauerl\u00e4ndern. Dort ist er jetzt gemeinsam mit seinem Stellvertreter Dr. Dirk Mallmann, Facharzt f\u00fcr Chirurgie, Sportmedizin und Notarzt aus Iserlohn, Prof. Dr. Stefan Esenwein, Leitender Arzt Unfallchirurgie am Marien-Hospital Borken, verantwortlich. Neu im \u00c4rzte-Team ist in dieser Saison Zahnarzt Lutz Feser. Der hat mit seinen Br\u00fcdern Klaas und Till eine Vergangenheit als Aktiver beim damaligen EDD Iserlohn vorzuweisen.<\/p>\n<p><strong>Nur wenige Heimspiele verpasst<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch habe in all den Jahren nicht viele Heimspiele der Roosters verpasst\u201c, so Dr. Jochen Veit. Seine Praxis in Nordwalde ist an den Wochenenden ohnehin geschlossen, und wenn es mal terminliche Schwierigkeiten gibt, dann kann er auf das Verst\u00e4ndnis seines Partners z\u00e4hlen. Die gut eineinhalbst\u00fcndigen Hin- und R\u00fcckfahrten bleiben ihm dennoch nicht erspart. \u201eDie Roosters-Spiele bestimmen nat\u00fcrlich meistens den Dienstplan und die Freizeitplanung. Bei Heimspielen unter der Woche wird es dann schon mal problematischer.\u201c<\/p>\n<p><strong>Drei Stunden vorher in der Halle<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Anreise ist Dr. Jochen Veit in der Regel drei bis vier Stunden vor dem ersten Bully und nach den Spielen in der Halle. Dann schaut er sich den Gesundheits- und Genesungszustand nach eventuellen Verletzungen bei den Kufencracks an. \u201eDa wird auch schon mal ein Familienmitglied mit untersucht.\u201c Hilfreich daf\u00fcr ist, dass der Mediziner gut Englisch spricht. Das erleichtert die Verst\u00e4ndigung mit den Akteuren aus Nordamerika. \u201eImmerhin war mein Vater Englischlehrer.\u201c Erleichtert wird seine Arbeit auch dadurch, dass er seit vielen Jahren \u00fcber ein Netzwerk mit Kollegen aus allen Fachgebieten verf\u00fcgt. \u201eZu Thomas Schmidt habe ich auch immer noch Kontakt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Umfassender Medizincheck<\/strong><\/p>\n<p>Am Medizinscheck kommt vor der Saison kein Spieler vorbei. \u201eDaf\u00fcr gibt es klare Vorgaben von der Deutschen Eishockeyliga, es muss ein Untersuchungsbogen ausgef\u00fcllt werden. Es gibt Infos zu Krankenversicherungen, alte OP-Narben werden in Augenschein genommen, die Funktion der Gelenke getestet. Blut und Urin werden untersucht, eine Lungenfunktionspr\u00fcfung vorgenommen und ein Ultraschall-Bild vom Herzen im Elisabeth-Hospital gemacht.\u201c Zum Fitness-Test geht es auf den Fahrrad-Trainer.<\/p>\n<p><strong>Ein Akteur zum Herzspezialisten<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs gab auch schon mal Spieler, bei denen ich Bedenken \u00e4u\u00dfern musste. Ich erinnere mich an einen Akteur, der zum ersten Mal nach Europa kam und auf dem Fahrrad bei zunehmender Belastung extra Herzschl\u00e4ge hatte. Den haben wir dann zum Herzspezialisten geschickt. Der gab dann aber gr\u00fcnes Licht f\u00fcr einen Einsatz\u201c, erinnert sich der Mannschaftsarzt. Sein Attest ist ausschlaggebend f\u00fcr einen Einsatz. Dr. Jochen Veit: \u201eDie DEL verlangt vor dem ersten Saisonspiel eine entsprechende Unbedenklichkeits-Erkl\u00e4rung.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gehirnersch\u00fctterung stoppt Brad Tapper<\/strong><\/p>\n<p>Eishockey ist ein k\u00f6rperbetonter Sport. Obwohl die Spieler durch ihre Ausr\u00fcstung gut gesch\u00fctzt sind, kommt es doch manchmal zu Verletzungen. Knochenbr\u00fcche, Kreuzbandrisse, gebrochene Kniescheiben, l\u00e4dierte Schulter, H\u00fcfte, Bandscheibe, Verletzungen des Gelenk-Aufh\u00e4ngungsapparats sind dann durchaus m\u00f6glich. Ein besonders trauriger Fall, erinnert sich Dr. Jochen Veit, war Brad Tapper. Der ehemalige Spieler, sp\u00e4tere Co-Trainer und Headcoach der Roosters, musste nach seiner dritten schlimmen Gehirnersch\u00fctterung seine aktive Laufbahn beenden.<\/p>\n<p><strong>Begrenzte Zweckgemeinschaften<\/strong><\/p>\n<p>Und woran k\u00f6nnte es liegen, wenn sich Eishockey-Spieler verletzen? Dr. Jochen Veit: \u201eMan pfercht junge Menschen in eine Mannschaft, es gibt keine gew\u00e4hlten Freundschaften, es sind zeitlich begrenzte Zweckgemeinschaften. Manche Erkrankungen treten auf, weil die Spieler keinen anderen Lebensmittelpunkt haben.\u201c Dann gibt es da noch die Verletzungen aus dem Spiel heraus. Dr. Jochen Veit erinnert sich an einen Zwischenfall im Spiel gegen die damaligen Hamburg Freezers. Im Powerplay traf Christoph Schubert Brandon Brooks mit einem Schlagschuss im Gesicht und verletzte ihn schwer. \u201eGl\u00fccklicherweise sind die absoluten Ausnahmen\u201c, wei\u00df Dr. Jochen Veit aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung an der Bande.<\/p>\n<p><strong>Musik mit \u201eDer Band hei\u00dft Horst\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der neuen Saison fiebert der 54-J\u00e4hrige &#8211; wie das gesamte Roosters-Team &#8211; entgegen. Er m\u00f6chte wieder ein bis zwei Ausw\u00e4rtsspiele besuchen. \u201eIn diesem Jahr bin ich auch beim Vorbereitungs-Turnier in Dresden dabei.\u201c Seine Praxis in Nordwalde ist n\u00e4mlich urlaubsbedingt Ende August geschlossen. Neben den Roosters und seiner Familie \u2013 \u201eMeine Frau ist Reiterin mit einer Reitbeteiligung im M\u00fcnsterland, ich habe aber eine Pferdehaare-Allergie\u201c \u2013 ist die Musik seine gro\u00dfe Leidenschaft. Mit seiner Gruppe \u201eDer Band hei\u00dft Horst\u201c und seinem Soloprojekt \u201eCrasy Doc\u201c steht er h\u00e4ufig auf der B\u00fchne. \u201eEin Abend in der Woche geh\u00f6rt der Musik\u201c verr\u00e4t Dr. Jochen Veit. Die Heimspiel-Wochenenden sind w\u00e4hrend der Saison f\u00fcr die Roosters reserviert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roosters-Mannschaftsarzt Dr. Jochen Veit geht in seine 20. 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