
Amtsübergabe: Landrätin Eva Irrgang überreicht ihrem Nachfolger Heinrich Frieling symbolisch vor dem Kreishaus das Kreis-Wappen und wünscht ihm für die Zukunft viel Erfolg. Foto: Judith Wedderwille/ Kreis Soest
Vollgas bis zum Schluss
Landrätin Eva Irrgang verabschiedet sich nach 18 Jahren an der Spitze des Kreises
Reformen und Krisen
Die 1957 in Dortmund geborene Verwaltungschefin blickt auf eine Zeit umfassender Modernisierung und struktureller Reformen, aber auch zahlreicher Krisen zurück: vom Legionellenausbruch 2013 über die Flüchtlingsbewegung 2015, die Corona-Pandemie und den Ukrainekrieg bis hin zum Cyber-Angriff 2023 auf die Südwestfalen-IT. Schlussendlich habe man alles gut bewältigt, betont die Landrätin und führt dies nicht nur auf die gut vorbereiteten Strukturen zurück. „Ohne den großen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das nicht möglich gewesen. Und dafür bin ich sehr dankbar.“
Schwerpunkte gesetzt
Ein besonderer Schwerpunkt Irrgangs Arbeit lag auf der Wirtschaftsförderung. Auf ihre Initiative hin wurde 2008 die Wirtschaftsförderung Kreis Soest GmbH (wfg) gegründet. „Bis heute eine Erfolgsgeschichte“, bilanziert Eva Irrgang. Ein weiteres Herzensanliegen war der Bereich Integration. Bereits 2009 erklärte Irrgang die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zur „Chefinnensache“. Auch die Finanzpolitik prägte ihr Wirken. Die gelernte Industriekauffrau mit Berufserfahrung bei IBM Deutschland und im familieneigenen IT-Unternehmen hielt an einer soliden Haushaltsführung fest: „Ohne Moos nichts los“, lautete ihr Leitspruch. Unter ihrer Führung gelang es, den Kreis finanziell zu stabilisieren, ohne die Servicequalität der Verwaltung zu beeinträchtigen.
Kreis wie Unternehmen geführt
„Manche sagen, ich hätte den Kreis geführt wie ein Unternehmen – das nehme ich als Kompliment“, erklärt Irrgang. In der Tat setzte sie auf unternehmerisches Denken, verlässliche Strukturen und klare Entscheidungen. Nachhaltig sichtbar sind ihre Spuren unter anderem beim Glasfaserausbau, im Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung und bei bedeutenden Bauprojekten wie zum Beispiel dem Rettungszentrum oder dem Kreis- und Stadtarchiv. Schlussendlich beruhten die Erfolge, das unterstreicht die Verwaltungschefin immer wieder, auf der hervorragenden Zusammenarbeit im Haus. „Ich kann nur so gut sein, wie meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es sind. Sie leisten ganz tolle Arbeit, und dafür danke ich ihnen sehr.“
Blick über die Kreisgrenzen hinaus
Auch der Blick über die Kreisgrenzen hinaus war Eva Irrgang stets wichtig. Gemeinsam mit den Landräten der Nachbarkreise trieb sie die Zusammenarbeit in der Region Südwestfalen voran – sichtbar in den Projekten der REGIONALE 2013 und REGIONALE 2025. Ihr Engagement im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) rundete ihre überregionale Arbeit ab. Auch als Landrätin a. D. hat die CDU-Fraktionsvorsitzende der Landschaftsversammlung vor, sich weiterhin an entscheidender Stelle im Westfalenparlament einzubringen.
Keine Langeweile
Und sonst? Langweilig, da darf man sich sicher sein, wird es Eva Irrgang so schnell nicht. Dafür sorgen schon die Familie und die zwei Enkelkinder, die verlässlich das einfordern, was Eva Irrgang gewohnt ist zu geben: Vollgas, na klar. Begegnen werde man sich ganz gewiss immer mal wieder im schönen Kreis Soest. Das versicherte die scheidende Landrätin in den vergangenen Monaten immer wieder, als sie regelrecht auf Abschiedstournee durch Gremien, bei Versammlungen und Dienstbesprechungen war. „Ich ziehe ja schließlich nicht nach Australien.“
Verabschiedung am 20. November
Die Verabschiedung durch den Kreistag erfolgt am 20. November in der konstituierenden Sitzung, in der auch ihr Nachfolger Heinrich Frieling offiziell ins Amt eingeführt wird. „Wenn ich mir etwas wünschen darf“, hält Landrätin Eva Irrgang fest, „dann, dass die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Kreis Soest erhalten bleibt.“

