
"Nach einer halben Stunde im Wald sinkt das Stresslevel um die Hälfte", sagt Stefan Alberts, Fachkrankenpfleger und Wildnispädagoge in der LWL-Klinik Hemer. Foto: LWL/GUCC
Waldspaziergang zu Ostern wirkt Wunder
(lwl). Viele Familien nutzen die Osterzeit, um ins Grüne zu gehen. Das tut nicht nur gut, sondern aktiviert nachweislich neue Kraftreserven für Körper und Psyche. In Zeiten, in denen Menschen zunehmend gestresst sind und immer mehr psychische Erkrankungen erleiden, kann der Wald helfen. Das weiß Wildnispädagoge Stefan Alberts aus der Klinik Hemer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und bietet den Patientinnen und Patienten eine Therapie im Wald an.
„Grübelpause“
„Im Wald haben die Leute Grübelpause“, sagt Alberts. Der Cortisolspiegel sinkt im Wald nachweislich – oft schon nach kurzer Zeit. Stress lässt nach, der Kopf wird klarer, der Körper kommt zur Ruhe. Genau hier setzt Wildnispädagoge Stefan Alberts an: Er bringt Menschen bewusst raus aus geschlossenen Therapieräumen und hinein in den Wald. „Die Wirkung ist live spürbar. Wir wissen, dass das Stresslevel im Wald nach einer halben Stunde bis Stunde um die Hälfte sinkt“, erklärt er.
Fachkrankenpfleger und Wildnispädagpoge
Stefan Alberts ist Fachkrankenpfleger für Psychiatrie und Wildnispädagoge. An der LWL-Klinik in Hemer arbeitet er mit Menschen, die u.a. unter Depressionen, Angst- oder Suchterkrankungen leiden und stationär behandelt werden. Mit den Patient:innen unternimmt Stefan Alberts Spaziergänge durch den Buchenwald und lässt sie dort Achtsamkeitsübungen ausprobieren. Beispielsweise werden sie mit verbundenen Augen um die Bäume herumgeführt. Dadurch wird das Vertrauen in andere gestärkt und die Konzentration auf die Gegenwart gelenkt.
Wald-Camp gebaut
In unmittelbarer Nähe der Klinik hat Stefan Alberts zudem ein Wald-Camp gebaut, in dem sich die Patientinnen und Patienten handwerklich ausprobieren und neben dem Behandlungsplan praktische Ablenkung finden können. „Wir sind Lebewesen, die eigentlich in der Natur leben sollten. Der Wald vermittelt uns Freiheit und Frieden. Diese Grundstimmung, die kann man in geschlossenen Räumen nicht erreichen. Die gibt’s nur im Wald“, sagt Alberts.
Hintergrund
Die LWL-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Hemer liegt inmitten großer Waldzüge des Landschaftsschutzgebietes Märkischer Kreis. Sie deckt mit ihren Angeboten das gesamte Spektrum psychiatrischer Diagnostik und Therapie ab. Der Wald aber ist hier ein ganz spezieller Therapieort: Der Ärztliche Direktor der LWL-Klinik Hemer, Dr. Patrick Debbelt, sagt: „Der Wald hat sehr positive Wirkungen auf unsere Patientinnen und Patienten. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Die LWL-Klinik Hemer hat sich deshalb die Vorteile ihrer grünen Umgebung zunutze gemacht und verbindet Achtsamkeitstraining in der Natur mit Bewegung.“

