Die sozialdemokratische Gratulantenrunde: (von links) Eva Kitz, Michael Scheffler, Dagmar Freitag, Heinz-Alfred Steiner und Bettina Lugk. Foto: Hendrik Klein

Heinz-Alfred Steiner 90 Jahre alt!

Zuletzt geändert: 3. April 2026Von

Ehemaliger SPD-Abgeordneter bei bester Gesundheit

Von Hendrik Klein

Wenn sich so viel politische SPD-Prominenz in einem Wohnzimmer trifft, dann muss es ein besonderer Tag und ein wichtiger Anlass sein. Iserlohns Vize-Bürgermeister und SPD-Stadtverbandsvorsitzender Michael Scheffler, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, deren Nachfolgerin Bettina Lugk und die SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Kitz sind gekommen, um einem ganz besonderen Sozialdemokraten zu dessen Ehrentag zu gratulieren. Heinz-Alfred Steiner feierte seinen 90. Geburtstag, und das in einer beneidenswerten Konstitution. Wenn so viel lokale Politprominenz beisammen ist, dann gibt es viel zu erzählen. Ein Thema wurde aber in der Runde bewusst sehr klein gehalten – der aktuelle Zustand der SPD. Die Gratulanten wollten Heinz-Alfred Steiner dessen Ehrentag nicht verderben. Der meinte dennoch: „Es sieht gerade nicht gut aus. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.“

14 Jahre im Bundestag

Bessere Zeiten ihrer Partei haben Steiner und dessen Geburtstagsgäste über viele Jahre miterlebt. Heinz-Alfred Steiner unter anderem Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er von 1980 bis 1994 angehörte. Der 90-Jährige war seinerzeit über die Landesliste seiner Partei im Wahlkreis 150 – heute 149, Märkischer Kreis II – mit den Städten Altena, Balve, Hemer, Iserlohn, Menden, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade, Plettenberg und Werdohl ins Parlament gerückt. 1994 hatte er seinen Platz für die Iserlohnerin Dagmar Freitag geräumt. Die erinnert sich noch sehr genau an den damaligen Anruf des Parteifreundes: „Ich mache Schluss. Ich habe meine Kinder nicht aufwachsen sehen. Ich möchte zumindest meine Enkel aufwachsen sehen.“

Dreher gelernt

In Wattenscheid geboren war Heinz-Alfred Steiner 1972 an die Truppendienstliche Fachschule der Luftwaffe nach Iserlohn gekommen. 1974 war er erstmals in den Rat der Stadt gewählt worden. Er hatte Dreher gelernt und zuvor einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. 1959 war er in die Bundeswehr eingetreten und wurde Berufssoldat. Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand nach seiner Wahl in den Deutschen Bundestag hat er es bis zum Hauptmann gebracht, aktuell ist er Major der Reserve. Steiner war zwischenzeitlich Vorsitzender des Verbandes der Reservisten, 1998 Ehrenmitglied des Bundeswehr-Sozialwerks und Ehrenpräsident des Reservistenverbandes.

„Bundeswehr ein Abbruchunternehmen“

„Die Bundeswehr war 1992 ein Abbruchunternehmen“, fällt Steiners Urteil über die damalige Armee niederschmetternd aus. Er muss es wissen, von 1990 bis 1994 war er stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Eine Position, die heute seine Nach-Nachfolgerin Bettina Lugk ebenfalls innehat. Schnell fand Steiner eine Aufgabe, „die ich mit viel Freude und gerne ausgeübt habe.“ Als Mitglied des Ausschusses für Innerdeutsche Beziehungen nämlich. Der Ausschuss war ein ständiger parlamentarischer Ausschuss des Deutschen Bundestages, der sich mit den Beziehungen zur DDR, Fragen der Wiedervereinigung und der Förderung des Zonenrandgebietes befasste.

Minen-Räumgerät entwickelt

„Dazu gehörte auch die Minenräumung an der innerdeutschen Grenze, denn die Liegenschaften gehörten damals der Nationalen Volksarmee der DDR“, so Steiner. Mit einem Schmunzeln im Gesicht erzählt er den Geburtstagsgästen, dass er eine Straßenbau-Fräse für die Minenräumung hatte umbauen lassen. „Die Methode haben andere Länder später gerne übernommen.“ In seine Abgeordnetenzeit fällt auch seine Arbeit in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union. Dort war er Vizepräsident. „Ich hatte ein Büro in Paris. Mindestens einmal pro Woche bin ich deshalb nach Paris geflogen“, erinnert sich Heinz-Alfred Steiner. Schon 1993 sind dem Iserlohner die 16-stündigen Arbeitstage zu viel geworden. „Da habe ich meinem Körper schon sehr viel zugemutet.“ Es reifte die Entscheidung für den Ausstieg aus der Politik. Seine Nachfolge wusste er bei Dagmar Freitag in guten Händen.

Große Familie gratuliert

Jetzt war endlich mehr Zeit für die Familie. Dazu gehören neben Ehefrau, drei Töchter und einem Sohn auch neun Enkelkinder und zehn Ur-Enkel. Wie herzlich die Beziehung ist, zeigt sich am Geburtstag, als eine Ur-Enkelin ihren Ur-Großvater leidenschaftlich herzte. Trotz des inzwischen großen Abstands verfolgt Steiner die Politik in Bund, Land und vor allem in Iserlohn noch sehr interessiert. Wann immer es passt, sieht man ihn auch noch auf den Parteiveranstaltungen. Bis vor zwei Jahren war er auch noch viel auf Reisen – jetzt erfreut sich Heinz-Alfred Steiner an der Gartenarbeit.