Trotz der anhaltenden Trockenheit sind die Talsperren des Ruhrverbands, hier die Biggetalsperre, noch zu 80 Prozent gefüllt. Luftbild: Archiv Ruhrverband

Extreme Trockenheit: 22 Millimeter Niederschlag im Juli an der Ruhr

Zuletzt geändert: 10. August 2026Von

Ohne Talsperren wäre der Fluss an 18 von 31 Tagen streckenweise trockengefallen

(EB). Nur 22 Millimeter Niederschlag, 77 Prozent weniger als üblich, gab es nach den vorläufigen Auswertungen des Ruhrverbands im Juli im Einzugsgebiet der Ruhr. Damit steht schon vor der endgültigen Datenvalidierung fest: Es war einer der zwei trockensten, vermutlich sogar der trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen vor 100 Jahren. Ein zusätzlicher Blick auf die Vormonate zeigt, wie herausfordernd die wasserwirtschaftliche Situation in diesem Jahr insgesamt ist: Seit November 2025, dem Beginn des aktuellen Abflussjahres, waren mit Ausnahme des (durchschnittlichen) Monats Februar und des (sehr nassen) Monats Mai alle Monate trockener als im Durchschnitt – der November, der Dezember und der März um mehr als die Hälfte, der Juli (siehe oben) voraussichtlich um mehr als drei Viertel.

30 Prozent weniger Niederschlag

Insgesamt hat es in den ersten neun Monaten des Jahres rund 30 Prozent weniger Niederschlag gegeben als üblicherweise in diesem Zeitraum. Um einen annähernd durchschnittlichen Jahresniederschlag zu erreichen, müssten die verbleibenden Monaten bis Ende Oktober sehr nass ausfallen – was sich nach derzeitigen Prognosen für die kommenden Wochen allerdings nicht abzeichnet. Für das Talsperrensystem des Ruhrverbands bedeutet die gegenwärtige Situation vor allem eines: Schwerarbeit. An allen 31 Tagen im Juli bestand Zuschusspflicht, um die gesetzliche Mindestwasserführung am Pegel Villigst bei Schwerte aufrechtzuerhalten. An 18 Tagen wäre die Ruhr an diesem Pegel sogar vollständig trockengefallen, weil die Entnahmemengen höher waren, als es der Durchfluss ohne das Zuschusswasser aus den Talsperren gewesen wäre.

Hohe Bedeutung der Talsperren

„Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, dass die Bedeutung der Talsperren für die sichere Trinkwasserversorgung unserer Region gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, unterstreicht Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands. „Aufgrund des Klimawandels werden Trockenphasen, wie wir sie im Moment erleben, ebenso wie Starkregen, Stürme und Hochwasser zu einem Teil unserer neuen Lebensrealität. Im Zusammenwirken mit renaturierten Gewässern, entsiegelten Flächen, Schwammstädten und -wäldern sind unsere Talsperren wichtige Multifunktionsspeicher – heute schon und in Zukunft noch mehr. Das Wasser dort zu halten, wo es gebraucht wird, und die natürlichen und künstlichen Speicherkapazitäten gezielt weiterzuentwickeln, wird daher unsere Aufgabe in der Wasserwirtschaft sein.“

Füllstand der Talsperren bei 80 Prozent

Der Ruhrverband ist verantwortlicher Träger der umfassenden Wasserwirtschaft im gesamten Flussgebiet der Ruhr mit einem System von Talsperren zur Bewirtschaftung der Wassermengen und einem flächendeckenden Netzwerk von Abwasserbehandlungsanlagen zur Reinhaltung der Gewässer für 60 Kommunen. Mit Blick auf die kommenden Monate kann Christoph Donner Beruhigendes verkünden: „Der Füllstand unseres Talsperrensystems liegt aktuell bei rund 80 Prozent vom Vollstau, das entspricht einer Gesamtmenge von etwa 380 Millionen Kubikmetern. Damit können wir die Wasserversorgung sicherstellen, auch wenn es in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin trocken bleiben sollte.“

Wasser ist keine Selbstverständlichkeit

Allerdings, so der Vorstandsvorsitzende weiter, habe der Ruhrverband allein im Juli seine Talsperren um 31 Millionen Kubikmeter Wasser abstauen müssen, um die Mindestwasserführung der Ruhr aufrechtzuerhalten. „Wasser ist keine Selbstverständlichkeit“, lautet daher Christoph Donners eindringlicher Appell. „Es ist ein kostbares Gut, mit dem wir achtsam umgehen müssen. Deshalb unterstützen wir als Ruhrverband das von der Bezirksregierung Arnsberg ausgesprochene Verbot der Wasserentnahme aus Ruhr und Lenne. Damit kann jeder und jede einzelne von uns dazu beitragen, unsere Wasserreserven zu schonen.“

Hintergrund:

Abflussjahre (auch hydrologische Jahre oder Wasserwirtschaftsjahre genannt) weichen von den Kalenderjahren ab, damit in der Jahresbilanz auch Niederschläge in Form von Schnee und Eis, die bereits im Frühwinter fallen, erfasst werden können. Sie werden nämlich erst im folgenden Kalenderjahr als Schmelzwasser abflusswirksam. In Deutschland legt eine DIN-Norm das Abflussjahr jeweils vom 1. November bis zum 31. Oktober fest, weil die Wasserreserven Ende Oktober erfahrungsgemäß am geringsten sind.