
Sie stellten auf Hof Emde die Erntebilanz 2026 vor: (von links) Nikola Galla, Imken Emde, Dr. Christina Große-Frericks, Ulrich Brinckmann und Christoph Emde. Foto: Hendrik Klein
Durchschnittliche Ernte 2026
Landwirte ziehen Bilanz – Auswirkungen durch den Klimawandel
Von Hendrik Klein
Sonnenschein und hohe Temperaturen haben die heimische Landwirtschaft über Monate in diesem Jahr begleitet. „Wir klagen nicht übers Wetter, wir stellen uns darauf ein. Die Sonne hat noch keinen Landwirt vom Hof geschienen“, stellt Ulrich Brinckmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, bei der 2026er Erntebilanz auf dem Hof Emde in Iserlohn fest. Seit nunmehr 22 Jahren informieren die Landwirte die heimischen Medien über die Ernte in der abgelaufenen Vegetationsperiode.
Kartoffeln sind kleiner
Die Erträge seien beim Getreide und beim Grünland noch durchschnittlich gewesen, so Brinckmann. „Selbst Gemüse konnte noch gerettet werden. Kartoffeln sind in diesem Jahr aber kleiner.“ Dass der Klimawandel auf den heimischen Bauernhöfen Auswirkungen zeige, sei für ihn der Grund für wichtige Weiterentwicklungen. Ulrich Brinckmann: „Schonende Bodenbearbeiten ohne Pflügen, ausgeklügelter Hitzeschutz für Tiere und der Anbau klimaresistenterer Sorten sind die aktuellen Stichworte auf unseren Höfen.“ Deutlich zuverlässiger geworden seien die Wettervorhersagen.
Eine Tonne pro Hektar weniger
Im nördlichen Kreisgebiet seien Getreide, Raps und Mais schön gewachsen. Der Ertrag sei allerdings um durchschnittlich eine Tonne je Hektar geschrumpft. „Die Ernte verlief störungsfrei, das Wetter war gut. Es hat zur Kostenersparnis bei der nicht erforderlichen Trocknung geführt.“ Wie sich die Preise entwickeln, müsse abgewartet werden. „Wenn die Menge gut ist, muss der Preis nicht gut sein“, erläuterte Dr. Christina Große-Frericks, zweite Vorsitzende des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e.V. (WLV) im Märkischen Kreis. „Die Einkäufer der großen Lebensmittelketten wollen im Mai schon die Preise wissen. Dann wissen wir aber noch gar nicht, wie die Ernte wird“, so Ulrich Brinckmann.
Finanzen zunehmendes Problem
Entsprechend groß sei bei vielen Betrieben das Thema der Finanzierung. Die Produktionsbedingungen seien in der EU nicht einheitlich, so die heimischen Verbandsvertreterinnen und -vertreter. Entsprechend suchten sich viele Betriebe eigene Nischen. Auch die Preise für Milch seien aktuell „nicht auskömmlich“, so der oberste Landwirt im Märkischen Kreis. „Wir können hier gute Lebensmittel erzeugen. Allerdings können wir es uns nicht leisten, zu reinen Landschaftspflegern zu werden“, wirbt Brinckmann für gleiche Produktionsbedingungen.
Deutsche Regelungswut
Die Regelungswut sei ein typisch deutsches Problem, so die Landwirtinnen und Landwirte übereinstimmend. „Es müssen klimaresistente Sorten gezüchtet werden. Wenn sie das hier nicht dürfen, gehen sie“, verweist der WLV-Vorsitzende auf die Möglichkeiten, beispielsweise in den USA. Der Spritpreis, die Kosten für Gas, Oel, Dünger und Lohnunternehmer steigen. Das ließe sich nicht immer über die Erzeugerpreise wieder hereinholen. Ulrich Brinckmann: „Die Weltmarktpreise entscheiden.“
Immer mehr Schädlinge
Die heimischen Landwirte haben auch immer mehr mit Schädlingen zu kämpfen. Brinckmann nannte beispielhaft die „Weiße Fliege“, den „Maiszünsler“, die „Glasflügelzikade“ und die „Asiatische Hornisse.“ Um die zu bekämpfen, brauche es auch schon einmal Gift. Die Ausbreitung des „Shamonda Virus`“, das bei Rindern für Fieber, Durchfall und verminderte Milchleistung sorgt, werde mit Sorge betrachtet, da es noch keinen Impfstoff gebe.
640 Betriebe im Märkischen Kreis
640 landwirtschaftliche Betriebe arbeiten im Märkischen Kreis. Die 200 Milchviehalter besitzen 11.700 Kühe, jeder der 86 Schweinehalter habe durchschnittlich 500 Schweine. 150 Sauen stehen im Durchschnitt in den Ställen der 26 Sauenhalter. Es gibt sieben Biogasanlagen, und die Forstwirtschaft ist für viele ein bedeutender Betriebszweig. Im nördlichen Kreisgebiet herrscht Ackerland, Schweinehaltung und Milchviehwirtschaft vor. Im südlichen Märkischen Kreis sind es vor allem Grünland, ebenfalls Milchvieh und ein hoher Waldanteil.

