
Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden noch schnell die letzten Informationen abgegli-chen. Foto: Hendrik Klein
Iserlohn soll 78 Jobs streichen
Verwaltung legt Politik ein Stelleneinsparkonzept vor
Von Hendrik Klein
Die Verwaltung der Stadt Iserlohn hat dem Rat in dessen jüngster Sitzung jetzt einen ersten Entwurf für ein Stelleneinsparkonzept vorgestellt. Danach sollen bis zum Jahr 2030 genau 77,83 Jobs wegfallen. Die Verwaltung übererfüllt mit ihrem Vorschlag die Vorgabe der Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, die eine Reduzierung des Rathaus-Personals von 60 Planstellen vorgegeben hatten. Bürgermeister Michael Joithe machte in der Ratssitzung an die Mitarbeitenden gerichtet deutlich: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“
Ressort Kultur, Sicherheit und Bürger stark betroffen
Am stärksten vom geplanten Personalabbau betroffen wäre demnach das Ressort Kultur, Sicherheit und Bürger. Dort sollen 29,384 Stellen wegfallen. 26,129 Jobs sollen im Ressort Generationen und Soziales bis 2030 gestrichen werden. Es ist mit insgesamt mehr als 544 Mitarbeitenden das größte Ressort. Im Ressort Finanzen sollen 6,037 Stellen gestrichen werden, im Ressort Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz 5,5, im Personalbereich sollen 5,491 Planstellen wegfallen und im Ressort Zentrale Verwaltung mit dem Bürgermeisterreferat, der Pressestelle, der örtlichen Rechnungsprüfung sowie der Personalvertretung 4,81 Stellen. Gemessen am Bestand würde der Personalbereich mit Jobcenter, Personalpool und Altersteilzeit mit 10,7 Prozent den größten Mitarbeiterverlust stemmen müssen.
Aufgaben und Standards anpassen
Die Verwaltung machte in ihrer Sitzungsvorlage deutlich, „dass Stellenabbau kein Selbstzweck sein darf. Die Stadtverwaltung Iserlohn ist nicht aufgebläht. Ein interkommunaler Vergleich zeigt das Gegenteil – so ist die Iserlohner Verwaltung in den zurückliegenden Jahren stark unterproportional gewachsen. Eine nachhaltige Reduzierung von Stellen ist nur möglich, wenn Aufgaben entfallen, Standards angepasst, Prozesse verändert oder digitale und automatisierte Lösungen tatsächlich wirksam werden.“
Digitalisierung, Automatisierung, Aufgabenkritik
Sie halte am Ziel fest, bis Ende 2030 mindestens 60 Stellen zu reduzieren. Sie verbindet dieses Ziel aber ausdrücklich mit der Erwartung, dass Digitalisierung, Automatisierung, Aufgabenkritik und politische Standardentscheidungen gemeinsam betrachtet werden. „Nur so kann ein Stellenabbau gelingen, der haushaltspolitisch wirksam, organisatorisch verantwortbar, sozialverträglich und gegenüber Bürgerinnen und Bürgern vertretbar ist.“
Stellenabbau wird Folgen haben
Die Verwaltung ließ in der Ratssitzung allerdings auch keine Zweifel darauf aufkommen, dass Stellenreduzierungen ohne ausreichende Kompensation Folgen haben können. Insbesondere in publikumsintensiven Bereichen könne dies bedeuten:
- längere Wartezeiten,
- weniger kurzfristige Termine,
- eingeschränkte persönliche Beratung
- stärkere Verlagerung auf digitale Antragswege,
- geringere telefonische Erreichbarkeit
- längere Reaktionszeiten bei Beschwerden und Anliegen
- sowie stärkere Priorisierung dringender oder gesetzlich gebundener Fälle.
Sie werde daher bei jeder konkreten Stelleneinsparung prüfen, ob und in welchem Umfang Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger zu erwarten sind, so die Verwaltung. Die Vorschläge werden nun in der Politik diskutiert.

