Der Hauptsitz der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen am Pastorenweg in Iserlohn. Foto: Ev. Jugendhilfe

Ev. Jugendhilfe geht Hinweisen sexualisierter Gewalt nach

Zuletzt geändert: 17. April 2026Von

Öffentlicher Meldeaufruf

(EB). Zum 250-jährigen Jubiläum nimmt die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen ihre Geschichte in den Blick – und will dabei auch möglichen Hinweisen auf sexualisierte Gewalt nachgehen und diese aufarbeiten. Seit zweieinhalb Jahrhunderten begleitet die Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen Kinder und Jugendliche auf vielfältige Weise – immer mit dem Ziel, ihnen Schutz, Unterstützung und Perspektiven zu geben. Ein sol-ches Jubiläum lädt ein, innezuhalten: auf das zu blicken, was in dieser Zeit gut gelungen ist – aber auch dorthin, wo unsere Geschichte schmerzhaft ist. Wir müssen davon ausgehen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auch in der Verantwortung und Obhut der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen sexualisierte Gewalt erfahren haben. Dieses Leid anzuerkennen, ist notwendig und wichtig.

Jubiläum verpflichtet

„Dieses Jubiläum verpflichtet uns, nicht nur auf das Erreichte zu blicken, sondern auch dorthin zu schauen, wo Menschen in unserer Verantwortung sexualisierte Gewalt erleben mussten. Dieses widerfahrene Leid können wir weder entschuldigen noch wiedergutmachen. Es ist uns daher sehr wichtig, dass dieser Teil unserer Geschichte nicht im Verborgenen bleibt. Wir möchten den Betroffenen Raum geben – sie zu hören, uns mit ihrer Geschichte bzw. dem Erlebten auseinandersetzen und ihnen Unterstützung anbieten“, erläutert Vanessa Simon, Geschäftsführerin der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen.

Ein konkreter Fall 

Vanessa Simon: „Derzeit gehen wir einem konkreten Fall sexualisierter Gewalt nach: Es geht um sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person, die in einer Außenwohngruppe in Hagen gelebt hat. Die Hinweise beziehen sich auf die späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere Betroffene geben könnte.“ Zudem gebe es Hinweise auf ein Verfahren aus den 1960er-Jahren wegen des Verdachts sexualisierter Gewalt eines damaligen Mitarbeiters, das durch die Evangelische Kirchengemeinde Iserlohn seinerzeit eingeleitet wurde. „Die Hinweise gehen auf aktuelle Recherchearbeiten zurück, die im Zuge der Erstellung einer Chronik für das 250-jährige Jubiläum der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen betrieben wurden. Es liegen jedoch keinerlei Informationen zum Verlauf und Ergebnis des Verfahrens vor. Ebenso liegen keine Meldungen von Betroffenen vor. Es lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend feststellen, ob es eine oder gar mehrere betroffene Personen gibt.“

Sorgfältige Aufarbeitung

Das Bekanntwerden dieser Fälle habe die Institution veranlasst, nicht nur diese Situationen sorgfältig aufzuarbeiten, sondern grundsätzlich hinzusehen: „Was ist in früheren Jahrzehnten geschehen? Welche Erfahrungen wurden möglicherweise noch nicht thematisiert? Welche Perspektiven fehlen uns? Wenn Sie in einer Einrichtung der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen oder einer ihrer Vorgängerinstitutionen sexualisierte Gewalt erlebt oder beobachtet haben – oder wenn Sie Hinweise auf mögliche Fälle geben können –, möchten wir Sie ermutigen und Sie darum bitten, sich zu melden. Ob zu diesen beiden konkreten Fällen oder darüber hinaus: Jede Schilderung – auch wenn die Ereignisse schon länger zurückliegen – kann helfen, mehr Klarheit zu schaffen und Aufarbeitung zu ermöglichen. Die Kirchenkreise der Diakonie Mark-Ruhr, Hagen, Iserlohn, Hattingen-Witten und Schwelm unterstützen den Aufruf und die damit verbundene Auf-arbeitung. Viele der Einrichtungen der Jugendhilfe sind im Laufe der 250-jährigen Geschichte aus der Trägerschaft der Kirchen übernommen worden.“

Externe unabhängige Ansprechstelle

Vanessa Simon weiter: „Wir haben bewusst eine externe und unabhängige Ansprechstelle eingerichtet. Betroffene Personen und Menschen, die Hinweise mitteilen möchten, können sich dort melden. Susanne Deitert und in Vertretung Kristina Apel nehmen Ihre Schilderungen vertraulich entgegen, beraten und vermittelt auf Wunsch weitere Unterstützung.

Unabhängige Ansprechstelle „Aufruf EJH“

Telefon: 0163/4872307

E-Mail: aufruf-ejh@posteo.de

Sprechzeiten

  • Montag 10:00 – 12:00 Uhr
  • Mittwoch 14:00 – 16:00 Uhr

Außerhalb der Sprechzeiten können Sie eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen.

Weitere Informationen und wichtige Fragen und Antworten rund um den Aufruf der Evangelischen Jugendhilfe finden Sie unter www.250jahre-ejh.de .