
Die Wanderfalken im Märkischen Kreis haben Nachwuchs bekommen. Sieben Wanderfalken-Küken kann die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises bestätigen. Foto: Märkischer Kreis
Tierisches Glück
Sieben Wanderfalken-Küken im Märkischen Kreis geschlüpft
Zwischen 16. und 18. Mai geschlüpft
Der gefiederte Nachwuchs ist ein riesiger Erfolg für den Wanderfalken-Schutz und ein Kompliment an die biologische Vielfalt unserer Region. „Die Woche der Eiablage und das Schlüpfen waren an Spannung kaum zu übertreffen. Man schaut jeden Tag mehrfach nach, hofft bei jedem Blick in die Kästen, das alles okay ist und fragt sich, wie viele Eier es wohl noch werden beziehungsweise wann die Eierschale durchbrochen wird. Diese Ungewissheit packt einen so richtig“, erzählt die Biologin der Unteren Naturschutzbehörde. Ab Mitte April konnte es jederzeit soweit sein, dass die Küken schlüpfen. Und das war es: Im Zeitraum vom 16. bis 18. April sind alle sieben Küken geschlüpft. Weitere Standorte, an denen Wanderfalken bekannt sind, jedoch keine Kameras vorhanden sind, werden in den nächsten Wochen mit Fernglas und Spektiv, einem Beobachtungsfernrohr, auf Nachwuchs überprüft.
Kameras für den Nistkasten
Dass die Biologin der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises die Schritte von der Eiablage bis zum Flüggewerden der Wanderfalken-Küken überhaupt live verfolgen kann, liegt an neuen Kameras für einen der Nistkästen der Greifvögel. Bereits im Februar wurden eine Innen- und eine Außenkamera installiert. Die Tiere werden dadurch nicht gestört. Vielmehr werden ein störungsfreies Monitoring, eine lückenlose Verhaltensforschung und eine Erfassung sowie Dokumentation von Brutbiologie, Gelegegröße (Anzahl der Eier in einem Nest) und Schlupfrate ermöglicht. „Durch die hochauflösende Außenoptik wird zudem eine berührungslose Ringauslesung ermöglicht. Auch mögliche Nest-Kriminalität kann so gesehen und präventiv vorgebeugt werden“, berichtet die Biologin der Unteren Naturschutzbehörde.
Geschichte der Wanderfalken im MK
Rückblickend konnten die Wanderfalken nicht immer im Märkischen Kreis heimisch werden. Wichtige Meilensteine ihrer Geschichte in der Region gehen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Wo es vor 1970 noch wenige Paare der Felsbrüter im Sauerland gab, galt die Art ab 1970 in ganz Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. „Das lag vorwiegend an Umweltgiften und der illegalen Verfolgung der Tiere“, fasst die Untere Naturschutzbehörde zusammen. Über mehrere Jahrzehnte gab es keine Nachweise einer Rückansiedlung. Bis zum Wendepunkt im Jahr 2000: Nachdem die erste Nisthilfe installiert wurde, fanden im Jahr 2001 Sichtungen und im Jahr 2002 die erste nachgewiesene Brut im Kreisgebiet statt. Bis heute haben sich fünf bis sechs bekannte Brutpaare im Märkischen Kreis niedergelassen. Dass die Wanderfalken im Märkischen Sauerland wieder ansässig sind, ist nicht zuletzt der große Verdienst der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) NRW, mit denen die Untere Naturschutzbehörde eine gute, enge Zusammenarbeit pflegt.
Suche nach eigenen Revieren
Mit Blick auf die nahe Zukunft erwartet die Untere Naturschutzbehörde an ihrem Nistkasten mit Kameras, dass die Wanderfalken-Küken ihre Augen öffnen und Gefieder bilden. In Wechselschicht von Wanderfalkenvater und -mutter werden sie gewärmt, geschützt und versorgt. Ab dem 20. Tag erfolgen die ersten Eigenbewegungen. Bereit für erste Flugversuche sind sie ab etwa dem 32. bis 42. Tag. Unter Schutz ihrer Eltern erreichen sie nach etwa weiteren zwei Wochen ausreichend Flugsicherheit und können Gefahren besser erkennen. Danach verlassen sie den Kasten und suchen eigene Reviere beziehungsweise Partner. Bis dahin ist für die Wanderfalken-Küken aber noch viel Zeit.
Im Einsatz für die Wanderfalken
Wer sich für die schnellen Jäger der Lüfte engagieren möchte, kann in Vereinen wie der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) NRW oder dem NABU mitarbeiten, an Vereine oder Greifvogelstationen spenden sowie illegale Handlungen melden. „Wer beispielsweise große Glasflächen hat, kann Vogelschlag durch das Aufkleben von Mustern auf Glasflächen verhindern. Es sind wichtige Schritte, damit die Wanderfalken weiterhin bei uns zuhause bleiben“, rät die Biologin der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises.

