
Para-Dressur beim Longines Balve Optimum 2026
Mit viel Herzblut und neuen Spendenkonzepten kämpfen die deutschen Para-Reiterinnen in Balve für die Zukunft ihres Sports.
Beim renommierten Reitturnier in Balve geht es für die deutsche Paradressur-Elite um weit mehr als nur um sportliche Erfolge und goldene Schleifen. Die Aktiven haben die Initiative ergriffen, um den Parasport endlich aus der Nische und mitten in den Fokus der breiten Öffentlichkeit zu rücken. Mit kreativen Ideen wie der Aktion „100 für 100“ soll die Nachwuchsarbeit in den Landesverbänden gezielt gefördert und finanziell auf solidere Beine gestellt werden. Das große, langfristige Ziel der engagierten Sportlerinnen ist dabei fest definiert und richtet sich bereits auf die kommenden Paralympischen Spiele in Los Angeles und Brisbane.
Starke Initiativen für Inklusion auf dem Dressurplatz in Walde
„Wir mussten dem Kind ja einen Namen geben, also haben wir gesagt: 100 für 100“, erklärt Aktivenvertreterin Regine Mispelkamp den Ursprung der neuen Spendenkampagne. Zusammen mit der Stiftung Deutscher Pferdesport als starkem Partner im Hintergrund soll Unternehmen und Privatleuten der Einstieg in das Sponsoring erleichtert werden. Neben der finanziellen Unterstützung geht es den Reiterinnen vor allem darum, Barrieren in den Köpfen abzubauen und den Nachwuchs zu rekrutieren. „Wir haben jetzt auch schon ein Format, das nennt sich Politik und Wirtschaft mit Paradressur, dass wir Veranstaltungen machen, um Politiker aus der Gegeneinlage ins Gespräch zu bringen und viel über Inklusion zu sprechen“, berichtet Mispelkamp stolz.
Die positive Resonanz auf das Engagement der Reiterinnen zeigt sich nicht nur in den Gesprächen am Rande des Vierecks, sondern auch im spürbaren Teamgeist. Dass die Initiative direkt aus den Reihen der Sportler kommt, gilt in der Szene als absolutes Novum und echtes Paradebeispiel. Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer zeigt sich von dem unbändigen Einsatz ihrer Mannschaft abseits des Sattels sichtlich beeindruckt. „Das hat es meines Wissens bisher noch nicht gegeben“, betont Silke Fütterer-Sommer die Vorreiterrolle der Aktiven.
Optimale Bedingungen und glückliche Reiterinnen beim Turnier in Weidel
Auch sportlich läuft es für das deutsche Team hervorragend, obwohl die äußeren Bedingungen zu Beginn der Woche alles andere als einladend waren. Nach heftigen Regenfällen glich der Trainingsplatz zunächst einer Seenlandschaft, was die Organisatoren vor logistische Herausforderungen stellte. Dank des unermüdlichen Einsatzes der vielen ehrenamtlichen Helfer präsentierte sich der Boden zu den Prüfungen jedoch in einem absoluten Top-Zustand. „Und ja, ich habe mir einen Plan gemacht für meine Ritte. Und jetzt ist alles aufgegangen. Super“, zieht Heidemarie Dresing ein rundum zufriedenes Zwischenfazit.
Für eine der großen Überraschungen im Viereck sorgte Gianna Regenbrecht, die erst seit kurzer Zeit mit einem neuen Pferd unterwegs ist. Nach kleinen Fehlern in der Abstimmung am ersten Tag gelang dem Paar am Folgetag eine harmonische und fehlerfreie Runde. „Ich bin schockverliebt und freue mich ganz doll, dass ich das hier jetzt schon direkt so zeigen durfte und schon so ins Viereck gekriegt habe“, strahlt die Reiterin. Aufgrund einer inkompletten Querschnittlähmung nach einem Reitunfall reitet sie im Alltag und im Wettkampf mit kompensatorischen Hilfsmitteln wie zwei Gerten.
Fokus und blindes Vertrauen auf dem Weg nach Aachen und Beirut
Der sportliche Blick des gesamten Teams richtet sich nun scharf auf das anstehende Heim-Championat in Aachen, das eine völlig neue Dimension an Aufmerksamkeit verspricht. Die Erwartungen sind nach dem historischen Gold-Erfolg bei der vergangenen Europameisterschaft entsprechend hoch, was den Druck auf die Paare spürbar erhöht. Die internationale Konkurrenz, allen voran die finanzstarken Amerikaner sowie die Teams aus Dänemark und den Niederlanden, schläft allerdings nicht. „Wir versuchen natürlich besser zu sein. Das ist ganz klar unser Ziel“, blickt Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer kämpferisch auf die kommenden Aufgaben.
Um in der Kulisse eines großen Stadions zu bestehen, setzen die Reiterinnen vor allem auf mentale Stärke und die tiefe Verbindung zum Partner Pferd. Nur wer sich im entscheidenden Moment voll fokussiert, kann die geforderte Leistung im Viereck abrufen und die Stärken optimal ausspielen. Nach den abschließenden Ritten in Westfalen geht der Sichtungsweg für die endgültige Nominierung bei einem internationalen Turnier in Österreich weiter.

