Industrie bleibt Rückgrat Südwestfalens
Strukturkrise belastet Beschäftigungsentwicklung
(EB). „Südwestfalen bleibt eine starke Industrieregion“, stellt Martin Groß, Teamleiter der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), angesichts der achten Auflage der gemeinsamen Broschüre „Südwestfalen in Zahlen“ der drei südwestfälischen Industrie- und Handelskammern fest. Mit einem Beschäftigtenanteil von 42 Prozent bleibt das produzierende Gewerbe weiterhin der größte Wirtschaftsbereich der Region und hat damit einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland (26 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (25 Prozent).
Struktur verändert sich weiter
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass sich die wirtschaftliche Struktur Südwestfalens weiter verändert. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2015 und 2025 zwar insgesamt um rund 41.000 Personen beziehungsweise acht Prozent. Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen (+15 Prozent) und Deutschland (+13 Prozent) fiel das Beschäftigungswachstum jedoch schwächer aus. Maßgeblich getragen wurde die Entwicklung von den Dienstleistungsbranchen. In den Bereichen „Sonstige Dienstleistungen“ sowie „Handel, Gastgewerbe und Verkehr“ entstanden innerhalb von zehn Jahren zusammen mehr als 43.500 zusätzliche Arbeitsplätze. Im produzierenden Gewerbe setzte sich dagegen der Beschäftigungsrückgang fort. Mit knapp 236.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnete der Wirtschaftszweig 2025 den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Beschäftigten um rund 5.000 zurück.
Seit Jahren im Krisenmodus
Martin Groß: „Das produzierende Gewerbe prägt Südwestfalen weiterhin in besonderem Maße. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass sich insbesondere die Industrie seit mehreren Jahren im Krisenmodus befindet. Die anhaltende Konjunktur- und Strukturkrise macht sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.“ Beim Industrieumsatz ergibt sich allerdings ein differenziertes Bild. Nach den deutlichen Rückgängen des Vorjahres konnte der Umsatz der Industriebetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten in Südwestfalen im Jahr 2025 leicht zulegen. In Nordrhein-Westfalen musste die Industrie hingegen einen Verlust verbuchen. Positiv entwickelte sich in Südwestfalen insbesondere das Auslandsgeschäft: Der Auslandsumsatz legte um 6 Prozent zu, während der Inlandsumsatz um 3 Prozent zurückging.
Leichtes Umsatzplus
Martin Groß: „Das leichte Umsatzplus ist ein positives Signal, darf aber nicht überbewertet werden. Zahlreiche Unternehmen stehen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Getragen wurde die Entwicklung vor allem vom Auslandsgeschäft einzelner Branchen. Der rückläufige Inlandsumsatz zeigt, dass die wirtschaftliche Lage weiterhin angespannt bleibt.“ Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch am Arbeitsmarkt wider. Mit einer Arbeitslosenquote von sechs Prozent liegt Südwestfalen zwar weiterhin deutlich unter dem Landesdurchschnitt von acht Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Jahresverlauf 2025 jedoch um knapp fünf Prozent und damit etwas stärker als in Nordrhein-Westfalen insgesamt. Zunehmend gewinnt auch die demografische Entwicklung an Bedeutung. Während die Bevölkerungszahl in Deutschland und Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist, ging sie in Südwestfalen leicht zurück. Gleichzeitig ist der Anteil der über 50-Jährigen in der Region überdurchschnittlich hoch.
Fachkräftesicherung Zukunftsaufgabe
„Die Sicherung von Fachkräften bleibt damit eine der zentralen Zukunftsaufgaben für Südwestfalen. Die demografische Entwicklung und die Transformation der Wirtschaft erhöhen den Handlungsdruck für Unternehmen und Politik gleichermaßen“, betont Martin Groß. Der Zahlenspiegel liefert zudem Informationen zur Bevölkerungsentwicklung, zur Kaufkraft, zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Region sowie zu Südwestfalens Weltmarktführern. „Südwestfalen in Zahlen“ ist abrufbar unter sihk.de/statistik.


