Markus Märtens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK, stellt die Umfrage-Ergebnisse vor. Foto: Kreishandwerkerschaft

Bürokratie Wachstumsbremse für das Handwerk

Zuletzt geändert: 14. August 2026Von

Ergebnisse der Umfrage der Kreishandwerkerschaft MK

(EB). Bürokratie zählt seit Jahren zu den größten Belastungen für das Handwerk. Eine aktuelle Umfrage der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis unter rund 1.000 Innungsfachbetrieben zeigt deutlich: Dokumentationspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren und immer komplexere gesetzliche Vorgaben binden erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Rund jeder 10. Betrieb beteiligte sich an der Umfrage und lieferte damit ein aussagekräftiges Stimmungsbild aus der handwerklichen Praxis.

Beispiele geschildert

Abgefragt wurden zentrale bürokratische Themenfelder des betrieblichen Alltags, darunter Dokumentations- und Nachweispflichten, Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren, rechtliche und steuerliche Vorgaben, Arbeitsschutz, Datenschutz, Fördermittel, öffentliche Ausschreibungen, Umweltauflagen sowie bürokratische Anforderungen im Bereich der Ausbildung. Ergänzend hatten die Betriebe die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, konkrete Beispiele und Verbesserungsvorschläge zu schildern. Die Bewertung erfolgte anhand des Schulnotensystems (1 = geringe Belastung, 6 = sehr hohe Belastung). Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Nahezu alle abgefragten Themenfelder erreichen im Durchschnitt die Note 5 und werden damit als stark belastend bewertet.

Bürokratie bindet wertvolle Arbeitszeit

Besonders kritisch beurteilten die Betriebe Dokumentations- und Nachweispflichten sowie Genehmigungsverfahren. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer berichteten, dass Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Prüfprotokolle, Datenschutzdokumentationen sowie zahlreiche Meldungen und Nachweise gegenüber Behörden einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen. Viele gaben an, inzwischen mehr Zeit mit der Dokumentation als mit ihrer eigentlichen Arbeit zu verbringen.

Anforderungen unverhältnismäßig

Ebenfalls als besonders belastend werden Arbeitsschutz, steuerliche Vorgaben und rechtliche Vorschriften bewertet. Die Kritik richtete sich dabei ausdrücklich nicht gegen den Zweck der Regelungen, sondern gegen deren Umfang, Komplexität und die Vielzahl erforderlicher Nachweise. Vor allem kleine und mittlere Handwerksbetriebe empfinden die Anforderungen häufig als unverhältnismäßig. Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage lag auf der Bearbeitungsdauer behördlicher Verfahren. Zahlreiche Betriebe berichteten von monatelangen Genehmigungsverfahren, langen Wartezeiten bei Schwertransportgenehmigungen oder komplizierten Förderverfahren. Die Folgen sind verzögerte Projekte, gebundene Kapazitäten, Umsatzverluste und zusätzliche Kosten.

Erhebliche wirtschaftliche Belastungen

Die Bürokratie verursacht nach Angaben der Betriebe erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Neben zusätzlichem Personal- und Verwaltungsaufwand entstehen Kosten für externe Beratung, Schulungen und Prüfungen. Verzögerte Genehmigungen führen zudem zu Projektverschiebungen, Umsatzverlusten und gebundenen Kapazitäten. Einzelne Betriebe beziffern ihre Bürokratiekosten auf mehrere tausend Euro pro Jahr. Ein deutliches Signal senden die Betriebe auch hinsichtlich der Digitalisierung: Digitale Verfahren werden ausdrücklich begrüßt – allerdings nur dann, wenn sie tatsächlich zu Vereinfachungen führen. Gefordert werden einheitliche digitale Portale, medienbruchfreie Verfahren, weniger unterschiedliche Plattformen sowie ein besserer Datenaustausch zwischen Behörden. Digitalisierung darf aus Sicht der Betriebe nicht dazu führen, dass bestehende Bürokratie lediglich digital abgebildet oder sogar ausgeweitet wird.

Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung

Die Umfrage macht deutlich, dass Bürokratie eine der größten strukturellen Herausforderungen des Handwerks ist. Die Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Gesetze oder Behörden, sondern gegen die Summe der Vorschriften, Dokumentationspflichten und Verwaltungsverfahren, die den betrieblichen Alltag zunehmend erschweren. Besonders kleine und mittlere Handwerksbetriebe verfügen häufig nicht über eigene Verwaltungsabteilungen. Die bürokratischen Aufgaben werden daher unmittelbar von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie ihren Fachkräften übernommen – zulasten von Produktivität, Wertschöpfung und Kundenservice.

Erwartungen klar formuliert

Die Ergebnisse zeigen zugleich klar auf, welche Erwartungen das Handwerk an Politik und Verwaltung richtet: weniger Dokumentations- und Nachweispflichten, schnellere und einheitliche Genehmigungsverfahren, praxistaugliche Regelungen, eine konsequente Digitalisierung sowie mehr Vertrauen und Eigenverantwortung anstelle zusätzlicher Kontrollbürokratie. Ein wirksamer Bürokratieabbau würde nicht nur die Betriebe entlasten, sondern zugleich Fachkräfte freisetzen, Investitionen erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks nachhaltig stärken.

Signal aus der Praxis

„Die Ergebnisse der Umfrage sind ein deutliches Signal aus der handwerklichen Praxis. Unsere Betriebe wollen sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, stattdessen verbringen sie immer mehr Zeit mit Formularen, Nachweisen und Verwaltungsaufgaben. Bürokratieabbau ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass unsere Betriebe auch künftig wettbewerbsfähig bleiben und genügend Zeit für ihre Kunden und die Ausbildung junger Menschen haben“, so Markus Märtens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK.

Arbeitskreis wird eingerichtet

Um die Ergebnisse der Umfrage in konkrete Handlungsempfehlungen zu überführen, richtet die Kreishandwerkerschaft einen Arbeitskreis ein. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Innungsfachbetriebe sollen die identifizierten Problemfelder weiter vertieft und konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Ziel ist es, praxisnahe Vorschläge zu entwickeln und diese gegenüber Politik, Verwaltung und weiteren Entscheidungsträgern einzubringen. Die Umfrage bildet hierfür die Grundlage und den Auftakt eines kontinuierlichen Dialogs mit dem Handwerk vor Ort.

Ergebnisse zum Staatssekretär 

Zudem wurden die Ergebnisse auch an Dr. Bernd Schulte, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten und Medien sowie Amtschef der Staatskanzlei des Landes NRW, übermittelt, mit dem die Kreishandwerkerschaft den Austausch zum Thema Bürokratieabbau fortsetzen und die Ergebnisse des Arbeitskreises teilen wird.