
Trotz Kündigung und Hausverbot: Olaf Loock ist in den neuen Betriebsrat der SCHEU-DENTAL GmbH in Iserlohn gewählt worden. Archivfoto: Hendrik Klein
Betriebsrat bei SCHEU-DENTAL ist gewählt
IG Metall freut sich über „Sieg für die Mitbestimmung“
Von Hendrik Klein
Es ist geschafft: Beim Iserlohner Zahntechnik-Hersteller SCHEU-DENTAL GmbH ist am Montag, 17. August, erstmals ein Betriebsrat gewählt worden. „Die Wahlbeteiligung war mit 80 Prozent sehr hoch. Trotz der Urlaubszeit haben 129 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den insgesamt 162 Stimmberechtigten auf der Wählerliste ihr Votum abgegeben. 21 Beschäftigte hatten für den siebenköpfigen Betriebsrat kandidiert. Das ist ein tolles Ergebnis!“, freut Nicole Lira von der IG Metall. Sie weist zudem noch auf eine Besonderheit hin, bei drei Männern und vier Frauen ist das männliche Geschlecht nun in der Unterzahl. Lira: „Das haben wir auch nicht so oft.“
Olaf Loock im Gremium vertreten
Gewählt worden ist auch Olaf Loock. Der Iserlohner ist einer der Mitinitiatoren der Betriebsratswahl bei SCHEU-DENTAl gewesen und war nach seiner Wahl in den Wahlvorstand fristlos durch seinen Arbeitgeber gekündigt worden (wir berichteten). Look, der seit 2000 bei dem Zahntechnik-Hersteller beschäftigt ist, hatte zudem ein Hausverbot bekommen. Erste Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht hatten gezeigt, dass der Arbeitgeber hier die Rechte des Beschäftigten verletzt hat. Der 56-jährige Iserlohner war mit seiner einstweiligen Verfügung auf Wiedereinstellung gegen seinen Arbeitgeber, die SCHEU-DENTAL GmbH im Iserlohner Ortsteil Oestrich, erfolgreich (auch darüber berichtete diese Redaktion). Zurück an seinen Arbeitsplatz kann er dennoch nicht, weil das Gericht erst eine Entscheidung über die ausgesprochene Kündigung in der Hauptsache treffen wird. Die Hauptverhandlung darüber ist für den 16. September terminiert. Der gewählte Wahlvorstand hat nun die Wahl ohne weitere Widerstände im Betrieb durchführen dürfen.
Strafantrag wird geprüft
„Ein schlimmer Vorgang“, findet dennoch Nicole Lira von der IG Metall dennoch den Versuch seitens der Geschäftsführung, die Betriebsratswahl zu behindern. Lira hat die Belegschaft bei SCHEU-DENTAL zusammen mit Gewerkschaftssekretär Adem Bulut, Rechtsanwalt Daniel Musinsky und dem Erschließungsteam der IG Metall Nordrhein-Westfalen in den letzten Monaten begleitet. Man werde nun die weiteren Gerichtsverfahren abwarten und dann gemeinsam mit den Gremien der IG Metall darüber beraten, ob Strafanzeige gegen den Geschäftsführer wegen der Behinderung einer Betriebsratswahl gestellt wird. „Viel wichtiger ist aber“, so betont sie, „dass nun der Mut der Belegschaft gegen die Widerstände aus der Unternehmensführung belohnt worden ist.“
Ihr Kollege Adem Bulut ergänzt: „Die Wahl von Olaf Loock heute in den Betriebsrat zeigt zudem, dass die aggressive Positionierung des Arbeitgebers gegen ihren langjährigen Beschäftigten wie Wahlkampf für unseren Kollegen gewirkt hat. Die Wahlbeteiligung von über 80 Prozent ist ein wahnsinniger Vertrauensbeweis für die erste Amtszeit.“
Olaf Loock erleichtert
Olaf Loock ist erleichtert: „Ich habe in den letzten Monaten eine Berg- und Talfahrt erlebt. Dabei wollte ich nur eines: Dass die Arbeitsbedingungen für uns im Betrieb gut werden. Ich möchte nämlich, dass es unserem Betrieb gut geht und die Menschen sich bei uns wohlfühlen. Die Belegschaft hat hier ein starkes Signal ausgesendet, dass sie bei wichtigen Entscheidungen mit am Tisch sitzen will. Dafür hat sie sich einen Betriebsrat gewählt.“ Nach der Wahl werde nun die konstituierende Sitzung der Arbeitnehmervertretung vorbereitet. Zur Betriebsratsarbeit gehören auch umfangreiche Schulungen im Betriebsverfassungs- und Arbeitsrecht. „Wir wollen nun dabei unterstützen, dass der neue Betriebsrat schnell auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber beraten kann“, betont Nicole Lira.
Mut hat sich ausgezahlt
„Damit haben wir wieder ein Unternehmen mehr mit einem Betriebsrat. Es ist ein Sieg für die Mitbestimmung“, freut sich Fabian Ferber, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis. „Es zeigt sich, dass der Mut sich auszahlt. Demokratie im Betrieb ist möglich. Schicht- und Urlaubspläne, Einstellungen, Versetzungen und viele weitere Maßnahmen müssen nun zusammen mit dem Betriebsrat bestimmt werden. Die IG Metall ist erste Ansprechpartnerin für Betriebsratsgründungen im Kreis. Auch hier haben wir unter Beweis gestellt: Wenn die IG Metall eine Betriebsratswahl im Märkischen Kreis vorantreibt, findet sie auch statt. Wer Interesse an einem Betriebsrat im eigenen Betrieb hat, meldet sich bitte bei uns. Wir sind für die Beschäftigten da.“
Zukunft gemeinsam gestalten
Nicole Lira ergänzt: „Die Wahl mit einem tollen Wahlergebnis ist der erste Schritt. Es war im Vorfeld alles sehr aufregend und turbulent. Ich hoffe, dass die Kolleginnen und Kollegen jetzt auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung kommunizieren können. Letztlich geht es darum, die Zukunft des Unternehmens gemeinsam zu gestalten.“

