
Auf dem Foto von links: Immanuel Bartz (Dramaturg Un-Label), Miriam Engelmann (Kulturvermittlerin | Parktheater Iserlohn), Nils Rottgardt (Künstlerischer Leiter | Un-Label), Antje Welz (Geschäftsführerin | Kultursekretariat NRW Gütersloh), Niels Gamm (Intendant | Parktheater Iserlohn) , Dr. Karl Gerhard Junge (Vorsitzender | Förderverein Parktheater Iserlohn e. V. und Patricia Benthien (Stellvertretende Leiterin | Parktheater Iserlohn). Foto: Stadt Iserlohn
Neue Spielräume im Parktheater Iserlohn.
„Dein Raum. Dein Theater.“ – Vom Zuschauen zum Mitgestalten
(PSI). Mit dem neuen Projekt „Dein Raum. Dein Theater.“ setzt das Parktheater Iserlohn die erfolgreiche Arbeit des Pop-Up-Theaters fort und überträgt die dort erprobten Formen der Beteiligung in das eigene Haus. Möglich wird das dreijährige Projekt durch eine großzügige Unterstützung im Rahmen des Programms SPIELRAUM des Kultursekretariats NRW Gütersloh, das mit Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird. Unterstützt wird das Parktheater zudem vom Förderverein Parktheater Iserlohn, der sich an den notwendigen Eigenmitteln beteiligt.
Fokus auf Inklusion
Ausgangspunkt sind die Erfahrungen aus dem Pop-Up-Theater in der Iserlohner Innenstadt mit einem Fokus auf Inklusion, Diversität und Teilhabe. Dort konnten neue Zielgruppen erreicht und neue Formen kultureller Teilhabe erprobt werden. Mit „Dein Raum. Dein Theater.“ folgt nun der nächste Schritt: vom Outreach zum Inreach – hinein ins Parktheater und hin zu einer langfristigen Verbindung mit dem Haus. Für Intendant Niels Gamm knüpft das Projekt damit unmittelbar an die programmatische Entwicklung des Parktheaters an. Er versteht das Haus als einen „gläsernen Ort“ – wie ein Schaufenster, das Einblicke ermöglicht und neugierig auf das macht, was darin geschieht. „Wir möchten Menschen nicht nur für einzelne Vorstellungen gewinnen. Sie sollen das Parktheater als ihr Theater entdecken, unterschiedliche Zugänge finden und im besten Fall selbst zu Mitgestaltenden werden.“ Die bestehenden Programm- und Abonnementstrukturen werden deshalb bewusst mit neuen Beteiligungsforma-ten verzahnt.
Werkstattlinien verbinden Beteiligung und Spielplan
Der künstlerische Arbeitsprozess verläuft auf drei Ebenen, die ineinandergreifen, ohne voneinander abhängig zu sein. Mittelpunkt ist das bereits geplante Abonnement-Programm des Parktheaters. Drei inklusive Werkstattlinien in den Bereichen Musik, Schauspiel und Tanz eröffnen unterschiedliche Zugänge zu den Themen der Vorstellun-gen und zu eigenen künstlerischen Ausdrucksformen. In der dritten Ebene etabliert sich eine Community-Bühne, die mit eigenem, ästhetischen Ausdruck auf aktive Mitgestaltung und künstlerische Beteiligung ausgerichtet ist.
Studiobühne spielt eine zentrale Rolle
Bei allen Planungen kann nicht von klassischen Begleitprogrammen die Rede sein: Zuschauen, Ausprobieren, Mitmachen und eigenes künstlerisches Arbeiten sollen sich vielmehr gegenseitig beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Studiobühne. „Dieser bisher eher punktuell genutzte Raum darf von den Teilnehmenden regel-recht erobert werden“, freut sich Kulturvermittlerin Miriam Engelmann. „Die Community, die mit dem Pop-Up-The-ater entstanden ist, bekommt damit ein neues Zuhause auf der Alexanderhöhe – und gleichzeitig ist der Raum offen für alle, die neu dazukommen möchten.“
Neue Formen der Beteiligung
Nils Rottgardt (Künstlerischer Leiter) und Immanuel Bartz (Dramaturg) von Un-Label, einer internationalen und inklusiven Performing Arts Company aus Köln sind bei allen Planungen die Prozessbegleitenden des Parktheaters und bringen ihre Expertise in inklusiver und diversitätsorientierter Kulturarbeit in die Entwicklung ein. Gemeinsam mit weiteren Partnern aus der professionellen Freien Szene sollen so neue Formen der Beteiligung erprobt und dauerhaft im Haus verankert werden. Für Antje Welz, Geschäftsführerin des Kultursekretariats NRW Gütersloh, trifft das Projekt damit den Kern von SPIELRAUM: Das Programm schafft Raum für kreative Teams, ins-pirierende Produktionen und innovative Vermittlungskonzepte. Besonders begrüßt Welz, dass das Parktheater mit „Dein Raum. Dein Theater.“ die Idee des zuvor über die Regionale Kulturpolitik geförderten Pop-Up-Theaters strategisch weiterführt. „Bemerkenswert ist die Konsequenz, mit der das Parktheater seine strategische Ausrichtung mittel- und langfristig entwickelt und Projekte aufeinander aufbauen lässt. Aus einer erfolgreichen Outreach-Idee entsteht jetzt der nächste Schritt: die neuen Communities ins Haus zu holen und dort dauerhaft einzubinden.“
Förderverein ermöglicht besondere Projekte
Auch der Förderverein des Parktheater Iserlohn trägt dazu bei, dass dieser Weg gegangen werden kann. Er unterstützt das Parktheater bei der Erbringung der notwendigen Eigenmittel für die Förderung. Für den Vorsitzen-den Dr. Karl Gerhard Junge entspricht das unmittelbar dem Selbstverständnis des Vereins: „Gerade partizipative Workshops und innovative Formate schaffen Kreativität, Selbstvertrauen und Gemeinschaft – und wirken damit weit über den eigentlichen Theaterbesuch hinaus.“ Der Förderverein wolle dazu beitragen, das Parktheater nach-haltig als offenen Lern- und Erlebnisort zu stärken.
„Drei Nüsse für Aschenbrödel“ macht die Idee konkret
Wie die Verzahnung von Spielplan und Beteiligung praktisch funktioniert, zeigt der erste Workshop der Werkstatt-linie Musik am 12. und 13. Dezember. Ausgangspunkt ist das Familienmusical „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ des Theaters a.gon München, das am 13. Dezember um 15 Uhr im Parktheater zu sehen ist. Die Inszenierung verbindet die bekannte Geschichte mit Live-Musik und bietet Sehbehinderten einen inklusiven Zugang mit individueller Live-Audio-Deskription.
Zweiteiliger Workshop
Gemeinsam mit Markus Brachtendorf von Un-Label und der Audio-Deskriptorin Daniela Benker entsteht rund um die Produktion ein zweiteiliger Workshop. Ein musikalischer Teil greift kreativ Motive der Vorstellung auf und lädt zum eigenen künstlerischen Arbeiten in einem kleinen Tonstudio ein. Der zweite Teil widmet sich der Frage „Wie funktioniert Audio-Deskription?“ und macht praktisch erfahrbar, wie visuelle Vorgänge auf einer Bühne so beschrie-ben werden können, dass Theater auch für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich wird. Die Teilnahme am Workshop am 12. und 13. Dezember ist kostenfrei. Die Anmeldung wird zeitnah über die Website des Parktheaters möglich sein: https://parktheater-iserlohn.de/unser-theater/dein-raum-dein-theater/ .Damit wird im Kleinen sichtbar, was das gesamte Projekt ausmacht: Eine Vorstellung kann Ausgangspunkt für ganz unterschiedliche Wege durch das Theater sein. Anschauen, ausprobieren, mitmachen, einen eigenen Weg einschlagen und mit neuen Erfahrungen wieder zum Programm zurückkehren – diese Wechselwirkung soll die drei Werkstattlinien Musik, Schauspiel und Tanz prägen.
Ein Theater, das gemeinsam gestaltet wird
Am Ende steht ein langfristiges Ziel: Menschen sollen nicht nur ins Parktheater kommen, um Theater an-zuschauen. Sie sollen Möglichkeiten erhalten, „ihr“ Theater mitzugestalten. Neue Publikumsgruppen sollen dauerhaft an das Haus gebunden, bestehendes Publikum und neue Communities miteinander in Verbindung gebracht und erfolgreiche Beteiligungsformate über den Förderzeitraum hinaus verstetigt werden. So schließt sich der Kreis zum Bild des gläsernen Theaters von Niels Gamm: Das Parktheater soll nicht nur zeigen, was auf seinen Bühnen geschieht, sondern sichtbar und zugänglich machen, wie Theater entsteht – und wer daran teilhaben und mitwirken kann.
Fragen zum Projekt und zu den Beteiligungsmöglichkeiten beantwortet die Kulturvermittlung des Parktheaters Iserlohn. Ansprechpartnerin ist Miriam Engelmann, miriam.engelmann@iserlohn.de, 02371/217-1909.

