
Stadtarchivar Rico Quaschny (3.v.l.) begrüßte die Gäste in der Gartenstraße und freute sich mit Inge Blask, Mitglied des Landtags (MdL) und Vorstandsmitglied im FrauenRat NRW e. V. (4.v.l.), über den großen Zuspruch. Foto: Stadt Iserlohn
„FrauenOrt NRW“ in Iserlohn eröffnet
Fanny-van-Hees-Preis verliehen
(EB). In Iserlohn wurde jetzt der neue „FrauenOrt NRW“ mit einer Info- und Gedenktafel an der Gartenstraße 33 feierlich eröffnet. Fanny van Hees, die im 19. Jahrhundert entscheidend dazu beigetragen hat, Mädchen in Iserlohn bessere Bildungschancen zu ermöglichen, ist eine von acht Frauen, die in diesem Jahr durch einen „FrauenOrt NRW“ gewürdigt werden. Am selben Tag wurde der nach ihr benannte „Fanny-van-Hees-Preis“ in der Aula des Gymnasiums An der Stenner an Helene Jochheim vergeben. Die 1939 im Erzgebirge geborene Wahl-Iserlohnerin und Gründungsmitglied der Iserlohner Gruppe von Amnesty International, unterstützte internationale Hilfsprojekte in Sri Lanka und Indien und engagiert sich bis heute für andere Menschen. Damit verbindet die Preisträgerin vieles mit Fanny van Hees: Beide Frauen haben Bildung als Möglichkeit verstanden, Menschen zu stärken und neue Wege zu eröffnen.
„FrauenOrt NRW“ gedenkt Fanny van Hees in der Gartenstraße
In Kooperation mit dem FrauenRat NRW, dem Gymnasium An der Stenner, der Iserlohner Frauen-AG, dem Stadtarchiv Iserlohn und der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn enthüllten Inge Blask, Mitglied des Landtags (MdL) und Vorstandsmitglied des FrauenRates NRW e.V., Stadtarchivar Rico Quaschny sowie Gleichstellungsbeauftragte Patricia da Cruz Santos die Tafel am ehemaligen Schulgebäude, in dem Fanny van Hees 1852 die erste Höhere Töchterschule in Iserlohn gründete und leitete. Der Text für die Tafel wurde vom Stadtarchiv erarbeitet – etwa 50 Menschen waren zur feierlichen Eröffnung gekommen. Der neue „FrauenOrt NRW“ macht an einem historischen Ort die Wirkungsgeschichte von Fanny van Hees nachlesbar und verdeutlicht, welchen Anteil Frauen an der Entwicklung der Waldstadt haben – und wie wichtig es ist, diese Geschichten zu bewahren und sichtbar zu machen.
Nur wenige Straßen mit Frauennamen
Rico Quaschny machte in seiner Rede darauf aufmerksam, wie wertvoll die Beschäftigung mit Frauenbiographien ist: Von rund 1.000 Straßen und Plätzen in Iserlohn sind über 80 nach Iserlohner Männern benannt, nur ganz wenige tragen Frauennamen und davon ist nicht einmal ein Viertel nach Iserlohner Frauen benannt. Auch das heutige Gymnasium An der Stenner hätte den Namen „Fanny-van-Hees-Gymnasium“ tragen können, der Vorschlag wurde jedoch im Schulausschuss 1978 abgelehnt.
Höhere Töchterschule
Fanny van Hees (1817–1870) ermöglichte Mädchen eine weiterführende Bildung, die weit über den damaligen Elementarunterricht hinausging. Aus der von ihr gegründeten Höheren Töchterschule entwickelte sich später das heutige Gymnasium An der Stenner. Die Informations- und Gedenkstätte ist Teil des Projektes „FrauenOrte NRW“ des FrauenRates NRW, das historische Frauenpersönlichkeiten und ihre Leistungen sichtbar macht. Die Iserlohnerin Marlis Gorki, die ein Buch mit Kurzbiografien von über 50 Iserlohner Frauen vor allem aus dem 19. und 20. Jahrhundert veröffentlichte, gab den ersten Anstoß für die Teilnahme am landesweiten Projekt.
Gleichberechtigung wichtig für die gesamte Gesellschaft
Wie aktuell das Engagement von Fanny van Hees noch heute ist, wurde beim anschließenden Programm in der Aula des Gymnasiums deutlich. Sowohl Schulleiter Stefan Schmoldt als auch Bürgermeister Michael Joithe benannten in ihren Grußworten die Fortschritte für die Gleichberechtigung in den vergangenen Jahrzehnten und betonten ihre Bedeutung für die gesamte Gesellschaft insbesondere im Bereich der Bildung. Historikerin Dr. Pauline Puppel gab Einblicke in das Leben der Iserlohner Schulgründerin und ordnete ihre Bedeutung für die Mädchenbildung ihrer Zeit ein. Interessierte können den „FrauenOrt NRW“ in der Iserlohner Gartenstraße 33, Ecke Stennerstraße, nun dauerhaft betrachten.
Fanny-van-Hees-Preis für Helene Jochheim
Zur Verleihung des diesjährigen Fanny-van-Hees-Preises waren rund 100 Gäste in der Aula des Gymnasiums An der Stenner erschienen. Die Auszeichnung ging an Helene Jochheim, die auf einen außergewöhnlichen und internationalen Lebensweg zurückblicken darf. Nach ihrem Abitur führte sie ihr Weg über Frankreich und die USA bis in die damalige Republik Kongo, wo sie als Missionshelferin tätig war. Später arbeitete sie als Lehrerin für das Goethe-Institut unter anderem in Iserlohn, Bangalore und Mumbai. Während ihrer Zeit in Indien nahm Jochheim zwei Kinder bei sich auf. Nach einer weiteren Station in Indien kehrte sie schließlich mit ihnen nach Iserlohn zurück. Seit 2002 lebt sie wieder dauerhaft in der Waldstadt.
Gründungsmitglied Amnesty International in Iserlohn
Ihr Engagement reicht weit über ihre berufliche Tätigkeit hinaus. Jochheim war 1974 Gründungsmitglied der Iserlohner Gruppe von Amnesty International, unterstützte internationale Hilfsprojekte in Sri Lanka und Indien und engagiert sich bis heute für andere Menschen. Sie gibt Geflüchteten Deutschunterricht, engagiert sich in ihrer Gemeinde und ist immer noch in einem Literaturkreis aktiv. Die Laudatorinnen Shahla Katebini und Azar Soltani, die ursprünglich aus dem Iran kommen und Helene Jochheim dort als Lehrerin kennengelernt haben, fanden persönliche und bewegende Worte – sie stehen noch immer miteinander im Austausch und sind bis heute mit der Preisträgerin verbunden. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung am Klavier von Elif Tanriöver. Die Preisskulptur mit dem Titel „Die Wegbereiterin“, gestaltet von der Iserlohner Künstlerin Lorina-May Sauer, steht für weibliche Souveränität, Verbundenheit und dafür, Wege für andere zu eröffnen.

