Weniger Verträge, gute Perspektiven
SIHK zieht Bilanz zum Ausbildungsmarkt
(EB). Zum offiziellen Erhebungsstichtag 30. September verzeichnet die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) 2.410 neu eingetragene Ausbildungsverträge in Hagen, dem Märkischen Kreis und dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von rund neun Prozent. Bei den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen wurden mit 925 Verträgen rund zehn Prozent weniger neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen als im Vorjahr. Im kaufmännischen Bereich liegt der Rückgang mit 1.485 Verträgen bei neun Prozent. „Die schwache wirtschaftliche Entwicklung hinterlässt auch auf dem Ausbildungsmarkt Spuren. Das Minus von neun Prozent ist spürbar, angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage aber kein Einbruch“, sagt Thomas Haensel, SIHK-Geschäftsbereichsleiter ‚Menschen bilden‘.
Ausbildungsmarkt bleibt in Bewegung
Die Ursachen für den Rückgang sind vielschichtig. Die angespannte wirtschaftliche Lage und die damit verbundene Unsicherheit führen dazu, dass Unternehmen Investitionen zurückstellen, Personalplanungen überprüfen und teilweise auch ihr Ausbildungsangebot reduzieren. Gleichzeitig gelingt es weiterhin nicht, alle angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Die aktuelle SIHK-Ausbildungsumfrage zeigt dieses Spannungsfeld: Mehr als jeder vierte angebotene Ausbildungsplatz blieb zuletzt unbesetzt. In rund drei Viertel dieser Fälle waren fehlende oder nicht geeignete Bewerbungen ausschlaggebend. Gleichzeitig planen 38 Prozent der befragten Unternehmen, künftig weniger Ausbildungsplätze anzubieten. „Wir haben deshalb nicht nur eine konjunkturelle Herausforderung, sondern weiterhin ein Passungsproblem“, betont Haensel. „Junge Menschen suchen eine berufliche Perspektive und gleichzeitig finden Unternehmen für ihre Ausbildungsplätze nicht die passenden Bewerberinnen und Bewerber. Hier müssen beide Seiten noch besser zusammenfinden.“
Chancen nutzen statt auf die perfekte Bewerbung warten
Sandra Schäfer, SIHK-Teamleiterin ‚Ausbildungsberatung und Projekte‘, betont zugleich die hohe Bereitschaft vieler Ausbildungsbetriebe, jungen Menschen eine Chance zu geben: „Eine Bewerbung muss nicht auf dem Papier perfekt sein. Viele Unternehmen schauen sehr genau darauf, welches Potenzial und welche Motivation jemand mitbringt. Praktika, persönliche Gespräche und direkte Kontakte zu Betrieben können deshalb Türen öffnen, die allein über Zeugnisnoten vielleicht verschlossen geblieben wären.“ Auch innerhalb des SIHK-Bezirks entwickelt sich der Ausbildungsmarkt unterschiedlich. In Hagen wurden zum Stichtag 491 neue Ausbildungsverträge registriert, ein Minus von 12,3 Prozent. Im Märkischen Kreis liegt die Zahl bei 1.129 Verträgen und damit 12,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Deutlich stabiler zeigt sich die Entwicklung im Ennepe-Ruhr-Kreis: Hier wurden 790 neue Ausbildungsverträge eingetragen, 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Ausbildung bleibt Investition in die Zukunft
Trotz rückläufiger Vertragszahlen bleibt die duale Ausbildung für Unternehmen ein wichtiger Weg, den eigenen Fachkräftenachwuchs zu sichern. Für junge Menschen bietet sie den direkten Einstieg ins Berufsleben und vielfältige Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfen wir Ausbildung nicht nur aus der Perspektive des aktuellen Ausbildungsjahres betrachten“, so Haensel und ergänzt: „Wer heute ausbildet, investiert in die Fachkräfte, die in wenigen Jahren gebraucht werden. Und für junge Menschen bleibt die duale Ausbildung ein Karriereweg mit hervorragenden Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.“
„Passgenaue Besetzung“
Bei der Vermittlung unterstützen die Beraterinnen im SIHK-Projekt ‚Passgenaue Besetzung‘ Unternehmen und Ausbildungsinteressierte dabei, zueinanderzufinden. Ansprechpartnerinnen sind Petra Gregg und Elisabeth Meßner unter Telefon 02331/390-301 und –303 oder per E-Mail an passgenauebesetzung@hagen.ihk.


