
Christoph Gerbersmann, Finanzvorstand des Ruhrverbands, Bernd Heinz, Vorsitzender der AWWR, NRW-Umweltminister Oliver Krischer, Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, testen anlässlich der Vorstellung des Ruhrgüteberichts das Ruhrwasser. Foto: Thomas Gursch/Ruhrverband
Wasserwirtschaft im Ruhrgebiet und im Sauerland trotzt der Dürre
Ruhrverband und AWWR präsentieren die 53. Ausgabe des Ruhrgüteberichts
(EB). Die Folgen des Klimawandels für die Wasserwirtschaft nehmen rasant zu. Seit Monaten anhaltende Wasserabgaben aus den Talsperren, steigende Temperaturen und damit einhergehende Veränderungen der aquatischen Ökosysteme zeigen dies deutlich: „Die Frage lautet nicht mehr, ob sich die Gewässer verändern, sondern wie wir mit diesen Veränderungen umgehen“, stellt Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, bei der Vorstellung der 53. Ausgabe des Ruhrgüteberichts in Mülheim an der Ruhr fest.
Sichere Trinkwasserversorgung
Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer verweist auf die Vorteile der Novelle des Ruhrverbandsgesetzes für die Wasserversorgung in Dürrezeiten. „Durch die Änderung des Ruhrverbandsgesetzes im vergangenen Jahr ist es gelungen, Engpässe bei der Wasserversorgung zu vermeiden. Dadurch konnte der Ruhrverband die rund 4,6 Millionen Menschen im Sauerland und im Ruhrgebiet deutlich sicherer mit Trinkwasser versorgen. Schon im ersten Jahr ist der Erfolg des verbesserten Talsperren-Managements beim sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser sichtbar geworden.“
Hitze und Trockenheit fordern Wasserwirtschaft
Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer 2026 und das ebenfalls sehr trockene Vorjahr 2025 haben verdeutlicht: Der Klimawandel stellt die Wasserwirtschaft ebenso wie andere Betreiber kritischer Infrastruktur vor große Herausforderungen. So schloss das Kalenderjahr 2025 mit einem deutlichen Niederschlagsdefizit ab. Bereits ab Mitte März bis Ende Oktober musste der Ruhrverband nahezu durchgehend Zusatzwassermengen aus dem Talsperrenverbundsystem abgeben, um die Mindestwasserführung in der Ruhr aufrechtzuerhalten. Bis Jahresende summierte sich die Zuschusspflicht am Pegel Villigst auf 182 Tage, also fast exakt auf ein halbes Jahr. Seit 1927 gab es erst vier Kalenderjahre, die noch trockener waren.
Negativtrend setzt sich fort
Dieser Negativtrend setzt sich 2026 fort: Mit Ausnahme der Monate Februar und Mai verzeichneten alle Monate bis Ende August teils erhebliche Niederschlagsdefizite. So war der Juli mit nur 23 Millimetern Niederschlag der trockenste Juli seit 100 Jahren. Die Talsperren leisteten Schwerarbeit und gaben zeitweise 13mal mehr Wasser ab, als ihnen zufloss. Insgesamt lag die Anzahl der Zuschusstage an der Mündung um 80 Prozent höher als im Durchschnitt der Sommer 1991 bis 2025. „Bereits in den ersten zwölf Monaten mit den neuen Grenzwerten für die Mindestwasserführung hat sich deutlich gezeigt, wie entscheidend diese Anpassung für die Widerstandsfähigkeit und Zukunftssicherheit des Talsperrensystems ist“, so Christoph Donner.
PAK-Anlagen zeigen erste Wirkung
Seit dem 1. Juli 2025 sind auf den Kläranlagen Bestwig-Velmede und Arnsberg-Neheim Pulveraktivkohle-Dosieranlagen in Betrieb. Ihre Hauptaufgabe: Arzneimittelrückstände wie Diclofenac im Abwasser zu reduzieren, deren Konzentrationen sich insbesondere bei Niedrigwasser tendenziell erhöht zeigen. Erste Erfolgsmessungen sind zu vermelden: „Bereits mit diesen beiden PAK-Anlagen haben wir im 2. Halbjahr 2025 45 Gramm mehr Diclofenac pro Tag aus dem Abwasser entfernt als im Vergleichszeitraum 2022 bis Juni 2025“, berichtet Christoph Donner.
Verursacherprinzip Geltung verschaffen
Auch wenn die Ergebnisse des Monitorings deutlich machen, dass bereits die provisorischen vier Reinigungsstufen sehr gute Wirkungen zeigen, ist das nur ein möglicher Weg, die Gewässer im Verbandsgebiet besser zu schützen. „Ein viel besserer Wege wäre die Vermeidung von Spurenstoffen an der Quelle“, so Christoph Donner. Die europäische Kommission hat aus diesem Grund in der neuen Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) verankert, dass die Hersteller an den Kosten der vierten Reinigungsstufe beteiligt werden sollen.
Druck auf Hersrteller erhöhen
Das würde den Druck auf die Hersteller erhöhen, mehr Wert auf umwelt- und gewässerverträgliche Chemikalien zu legen. Leider empfahl die Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aufgrund einer Klage gegen KARL dem EuGH im September dieses Jahres, die Herstellerverantwortung für nichtig zu erklären. „Wir appellieren an die Kommission im Sinne eines nachhaltigen Gewässerschutzes, die Herstellerverantwortung nachzuschärfen und dem Verursacherprinzip weiter Geltung zu verschaffen,“ sagt Christoph Donner.
Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR)
Die 18 Mitgliedsunternehmen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr e.V. (AWWR) sorgten auch 2025 für eine mengenmäßig stets ausreichende sowie qualitativ einwandfreie Trinkwasserversorgung von rund 4,6 Mio. Menschen, Gewerbe und Industrie an der Ruhr. Sicherheit für die Versorgung auch in zukünftigen Jahren ermöglicht das flexible Talsperrenmanagement des Ruhrverbands. Der Sommer 2026 war wie bereits das Vorjahr trocken und warm. Anhaltend geringe Zuflüsse zu den Talsperren machten ein aktives, vorausschauendes Niedrigwassermanagement erforderlich. Die AWWR unterstützt die flexiblere Handhabung der Ruhr-Mindestabflüsse ausdrücklich. „Die langanhaltende Trockenheit hätte ohne dieses Management deutlich größere Herausforderungen mit sich gebracht“, betont der AWWR-Vorsitzende Bernd Heinz. „Das Jahr 2025 zeigt eindrucksvoll, wie wichtig eine flexible und schnelle Talsperrensteuerung in Zeiten des Klimawandels ist.“ Das Gesamtsystem aus Talsperren, leistungsfähiger Aufbereitung und Versorgungsverbünden hat sich erneut bewährt: Im Gebiet der AWWR kam es trotz Trockenheit, Hitze und Verbrauchsspitzen zu keinen Einschränkungen der Trinkwasserversorgung.
Versorgungssicherheit hat ihren Preis
Gleichzeitig rücken Aufwand und Kosten des Niedrigwassermanagements stärker in den Fokus. Versorgungssicherheit hat ihren Preis, jedoch müssen die festgelegten Begleitmaßnahmen und Auflagen regelmäßig auf Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft werden. „Mit der flexiblen Talsperrenbewirtschaftung verfügen wir über ein wirksames Instrument zur Absicherung langer Trockenphasen. Nun gilt es, die gewonnenen Erfahrungen für eine möglichst effiziente und praxistaugliche Umsetzung zu nutzen“, so Bernd Heinz weiter.
Trinkwasserqualität auch bei Niedrigwasser sicher
Das seit 2008 laufende AWWR-Monitoring organischer Spurenstoffe bietet eine belastbare Datengrundlage für die Bewertung niedriger Ruhrabflüsse. Die Ergebnisse zeigen, dass einzelne Spurenstoffe bei Niedrigwasser zwar häufiger und teilweise in höheren Konzentrationen auftreten, die Belastungen sich jedoch innerhalb der bekannten Größenordnung bewegen. Moderne Aufbereitung und engmaschige Qualitätsüberwachung gewährleisten auch in langen Trocken- und Hitzephasen eine hohe Trinkwasserqualität. Spurenstoffbefunde werden durch hochempfindliche Analytik frühzeitig erkannt. Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser wurden nicht festgestellt.
Technische Aufbereitung kann den vorsorgenden Gewässerschutz jedoch nicht ersetzen. Die AWWR setzt sich dafür ein, problematische Stoffeinträge bereits an der Quelle zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für PFAS. Für diese Stoffgruppe ist ein verbindlicher Ausstiegspfad erforderlich, der langfristig in ein Verbot mündet, da ihre nachträgliche Entfernung technisch aufwendig, kostenintensiv und nicht nachhaltig ist.
Schutz kritischer Infrastruktur stärken
Die Wasserversorgung gehört zur kritischen Infrastruktur. Cyberangriffe, Sabotage sowie unautorisierte Drohnenüberflüge erfordern erhöhte Wachsamkeit. Das KRITIS-Dachgesetz schafft einen übergeordneten Rahmen. Für die praktische Umsetzung fehlen jedoch teilweise noch konkrete und rechtssichere Regelungen – etwa zur Videoüberwachung, zur Drohnenabwehr, zum Schutz sensibler Anlagen- und Standortdaten sowie zu Prioritäten bei der Versorgung mit Kraftstoff für Notstromaggregate. „Die Wasserversorger investieren kontinuierlich in Technik, Organisation und Krisenvorsorge. Bund und Land müssen nun für einen praxistauglichen Sicherheitsrahmen sorgen. Transparenz darf nicht zum Sicherheitsrisiko werden, und im Notfall müssen klare Prioritäten gelten“, betont Bernd Heinz.
Hintergrundinformationen AWWR
Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr e. V. (AWWR) engagiert sich seit über 75 Jahren für eine sichere Trinkwasserversorgung an der Ruhr. Sie ist ein freiwilliger Zusammenschluss von mittlerweile 18 Wasserversorgungsunternehmen von ihrer Quelle in Winterberg bis zur Mündung in den Rhein. Diese versorgen rund 4,6 Millionen Menschen, Gewerbe und Industrie an der Ruhr und teilweise darüber hinaus mit rund 240 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr. Wenn es um wasserwirtschaftliche Belange im Ruhreinzugsgebiet geht, tritt die AWWR als Interessenvertreter für den Fluss ein. Mehr Informationen unter www.awwr.de.
Link zum Herunterladen des Ruhrgüteberichts 2025: Ruhrguetebericht_2025.pdf



