Das Wunder vom Seilersee

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Hendrik Klein

Mit den Steinen, die den Eishockey-Fans im Sauerland am Sonntag nach dem Auswärtssieg ihrer Roosters in Frankfurt und dem damit verbundenen Klassenerhalt vom Herzen gefallen sind, hätte man ganze Kathedralen bauen können. Etwa 1.300 jubelnde Fans begrüßten Trainer, Betreuer und vor allem die siegreiche Mannschaft bei deren Rückkehr nach 21 Uhr an der Eissporthalle am Seilersee. Raketen flogen in die Luft, Wunderkerzen blitzten auf, Gesänge wurden angestimmt – es war fast wie bei einer Meisterfeier. Am kommenden Sonntag, beim bereits restlos ausverkauften letzten Heimspiel der Saison in der Balver-Zinn-Arena gegen die Schwenninger Wild Wings, muss man sich Sorgen machen, dass das Dach auf dem „Hühnerstall“ am Seilersee nicht wegfliegt.

Saison 2023/2024 geht in die Geschichte ein

Die DEL-Saison 2023/2024 wird in die Roosters-Geschichte eingehen – daran gibt es nicht den geringsten Zweifel. Im Dezember, beim zweistelligen Punkterückstand auf den rettenden 13. Tabellenplatz, hätten nur die wenigsten noch mit dem Klassenerhalt gerechnet. Viele Fans hatte die Zielorte der DNL-2-Clubs doch schon in ihre Navis eingegeben. Aber einmal mehr setzte sich das Iserlohner Eishockey-Gen durch. Man sollte nie die Rechnung ohne die Kufencracks vom Seilersee machen. Denn an der Seeuferstraße wird zwar nicht immer glänzend kombiniert und gespielt, aber stets unerbittlich gefightet, bis die Schlusssirene ertönt.

Es gab auch Misstöne und Anfeindungen

Der gute Ausgang der Saison darf jetzt aber keinesfalls das Mäntelchen des Schweigens über die unangenehmen Dinge decken. Die Negativserie zu Beginn der Spielzeit kosteten dem damaligen Trainer Greg Poss und Sportdirektor Christian Hommel die Jobs. Geschäftsführer Wolfgang Brück wurde zum Rücktritt aufgefordert. Die drei waren öffentlich und privat verbal in unverantwortlicher Weise angegangen worden. Es wurden hässliche Plakate auf der Stehplatztribüne ausgerollt. Das gehört auch zur Wahrheit. Letztlich war es Trainer-Neuzugang Doug Shedden, der die Weichen richtig stellte und eine beispiellose Aufholjagd mit seinem Team hinlegte. Nicht nur die Siege in der Schlussphase begeisterten die Fans, auch die Art und Weise, wie sich Spieler, Trainer und Stuff trotz vermeintlich aussichtsloser Lage gegen den drohenden Abstieg aufbäumten. Dwar es wieder, das Iserlohner Eishockey-Gen.

Iserlohn ist eine Eishockey-Stadt

Iserlohn ist und bleibt eine Eishockey-Stadt – da können demnächst noch so viele Fußball-Nationalspieler zur EURO 2024 kommen. Der Eishockey-Tempel am Seilersee ist längst in die Jahre gekommen, er kann nicht mithalten mit den Arenen in Berlin, Köln, Mannheim und München. Aber ein Signal sendet die Puckhöhle jedes Jahr in die deutsche Eishockeywelt: Wer hier aufläuft, der kann sich auf einiges gefasst machen! Das wird auch in der neuen Saison so bleiben. Das Team wird sich verändern – wie jedes Jahr. Die Leistungsträger wecken Begehrlichkeiten bei den großen, finanzstärkeren Clubs. Viele werden deren Werben nachgeben, auch das ist verständlich. Aber eines ist sicher: Die Spielzeit 2023/2024 im Team der Iserlohn Roosters werden sie niemals vergessen.

Hendrik Klein

wave.inc

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