
Mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter von Iserlohner Sportvereinen, -verbänden und der Kommunalpolitik kamen zur offenen SPD-Fraktionssitzung. Foto: Hendrik Klein
Sport-Infrastruktur ist marode
Massive Kritik an der Iserlohner Bädergesellschaft
Von Hendrik Klein
Iserlohn ist zweifelsohne eine Sportstadt, verfügt über viele Sportstätten, deutlich mehr als vergleichbare Kommunen in der Größe der Waldstadt. Das war es aber auch schon mit den guten Nachrichten bei der offenen Fraktionssitzung, zu der die SPD Iserlohn ins KAI an der Rahmenstraße eingeladen hatte. Mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Sportvereinen, – verbänden und der Lokalpolitik waren zu dem Gedankenaustausch gekommen.
Probleme abgefragt
„Was klappt gut, wo gibt es Probleme?“, leitete Fraktionsvorsitzende Eva Kitz mit ihrer zweigeteilten Frage in den Abend und in die Podiumsdiskussion ein. Dort diskutierten unter Moderation der Sozialdemokratin Martin Luckert vom TuS Iserlohn, Iserlohns Sportbüroleiter Christian Kißmer, Stephanie Hennecke vom Iserlohn Schleddenhofer Bade- u. Schwimmverein e.V. (ISSV) sowie Sportausschuss-Vorsitzende Sylvia Patscher.
Marode Infrastruktur
Die Probleme wurden schnell deutlich und formuliert: Fehlender Nachwuchs für die vielen Aufgaben in Vorständen, bei Betreuern und Übungsleitern sowie Helferinnen und Helfern, die zunehmenden finanziellen Sorgen, mangelnde Kooperation und Wertschätzung bei den zuständigen Ämtern und Gesellschaften sowie – und das vor allem – die marode Sport-Infrastruktur. In mehreren Sporthallen tropft es durch die Decke, Toiletten und Duschen sind defekt, Umkleideräume können nicht genutzt werden.
Hallen und Bäder in die Jahre gekommen
Iserlohn verfüge zwar über zahlreiche Sportstätten, aber die seien nun einmal in die Jahre gekommen, beklagten die Vereinsvertreter. Versprochene und bereits beschlossene Neubauten ließen auf sich warten. „Wenn wir die Bäder nicht ehrenamtlich betreiben würden, hätten wir gar keine mehr“, erinnerte Stephanie Hennecke vom ISSV an die lange gefährdete Finanzierung durch die Stadt aufgrund der im Frühjahr stockenden Haushalts-Verabschiedung. Martin Luckert beklagte, dass die Vorgaben für Förderanträge von Bund und Land in den vergangenen Jahren dreimal geändert worden sind. „Das kann das Ehrenamt nicht mehr leisten.“
Warteliste beim Kinderturnen
„Die Haushaltslage ist nicht berauschend“, machte Sportamtsleiter Christian Kißmer noch einmal auf die prekären städtischen Finanzen aufmerksam. Aber nicht nur die fehlenden Gelder, Nachwuchssorgen und rückläufige Anzahl an Ehrenamtlichen belasten die Vereine. „Wir haben eine dreistellige Warteliste beim Kinderturnen“, erklärte Martin Luckert, SPD-Fraktionsgeschäftsführer und Vorstand beim TuS Iserlohn. Der Sport sei vor allem für Kinder wichtig, nicht nur wegen der Bewegung, sondern auch wegen der Sozialkontakte, ergänzte Eva Kitz. Es werde immer schwerer, die finanziellen Enden zusammen zu bekommen, zeigte Sportausschuss-Vorsitzende Sylvia Patscher auf. Trotzdem müsse es möglich sein, das Ehrenamt zu unterstützen. „Der Austausch mit den Vereinen ist wichtig“, so Patscher weiter. Zumindest der Status quo müsse gehalten werden. Sie empfahl einen Ansprechpartner für alle Themen in der Verwaltung.
Sanierungs- und Prioritätenliste
Die Quantität der Hallen sei gut, es hapere bei der Qualität. Immer mehr Hallen müssten kurzfristig sogar gesperrt werden, gestand Christian Kißmer ein. Er plädierte dafür, schnellstens eine Sanierungs- und Prioritätenliste aufzustellen. Dass Probleme nicht offen angesprochen werden, kritisierte Stephanie Hennecke vom ISSV. „Ich vermute, über vieles wird lieber das Mäntelchen des Schweigens gehängt.“ Christian Kißmer sprang dem zuständigen Kommunalen Immobilienmanagement (KIM) zur Seite: „Die haben nicht das Personal und nicht das Geld, sich um alles zu kümmern.“
Von der Bädergesellschaft drangsaliert
Die Nachwuchs-Gewinnung brachte Günther Nülle, Vorsitzender des Kreissportbundes, zur Sprache. „An den Schulen findet für die Jugendlichen ja eigentlich viel statt. Warum finden sie den Weg in unsere Vereine nicht? Darauf habe ich auch keine Antwort“, so Nülle. Die meiste Kritik musste die städtische Bädergesellschaft von den Anwesenden einstecken. Es wurde der dort nicht vorhandene respektvolle Umgang mit den Vereinsvertretern bemängelt. Wenn Übungsstunden nicht mindestens vier Wochen im Voraus abgemeldet würden, bekämen die Vereine sie in Rechnung gestellt. Bei Verlust der für Kinder viel zu großen Bänder für den elektronischen Zugang müssten die Vereine dafür aufkommen. „Die Menschen werden von dort Mitarbeitenden quasi drangsaliert“, hieß es. Einig waren sich alle Anwesenden darin, im ständigen Dialog zu bleiben und Probleme schnell abzustellen, soweit das möglich ist.


